Mit Schirm, Scherz und Trachtenhäs

Die Jubiläumsfestwoche startet mit Regenwetter und Wahlkampf

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Dieses mal zogen der Oberbürgermeister, sein Ehrengast Heimat- und Finanzminister Albert Füracker und die Eröffnungsgäste vom Stadttheater zum Festwochengelände.

Kempten – Fanfaren, Märsche, sogar ein Musical: Natürlich ging es bei der Eröffnung der 70. Allgäuer Festwoche am Samstag besonders festlich zu, daran tat selbst der morgendliche Regen keinen Abbruch. Auch das Stadttheater, in das die Veranstaltung wegen der Kornhausrenovierung umziehen hatte müssen, gab einen feierlichen Rahmen für den Festakt ab. Neben einem Blick zurück wagten der diesjährige Gast, Finanz- und Heimatminister Albert Füracker, und in Jubiläumsvideos auch hiesige Persönlichkeiten, eine Zukunftsprognose für die nächsten 70 Jahre Festwoche. Aber auch die Politik kam wie gewöhnlich nicht zu kurz.

„Die Festwoche war eine Antwort auf die Probleme und Fragen aus der damaligen Zeit“, sagte Oberbürgermeister Thomas Kiechle in seiner Festrede. 1948 hatte der damalige Oberbürgermeister Dr. Georg Volkhardt die Idee gehabt, eine Gewerbeschau mit Kunstausstellung auf die Beine zu stellen. Nach dem Krieg wollte er Impulse für die Allgäuer Wirtschaft geben und die Menschen wieder zusammenbringen. „Auch wir stehen vor großen Herausforderungen“, schlug Kiechle einen Bogen zur heutigen Zeit: Brexit, Dieselskandal, Handelszölle, und die Veränderungen, die mit der E-Mobilität einhergehen, „treffen die Wirtschaft ins Mark“. 

Doch seien Kempten und das Allgäu für die Zukunft gerüstet. Kempten sei bald als erste kreisfreie Stadt schuldenfrei, der Breitbandausbau in der Region schreite voran, das Digitale Gründerzentrum biete Innovationspotential. Und für den sechsten Bauabschnitt des Hochschulausbaus fehle nur noch eine Förderzusage aus dem Finanzministerium, richtete er augenzwinkernd eine Bitte an den diesjährigen Ehrengast Finanz- und Heimatminister Albert Füracker. 

Dieser zeigte sich äußerst gut gelaunt und riss einige Witze, mit denen er das Publikum schnell auf seiner Seite hatte. Er entschuldigte sich dafür, dass die Gäste anstatt mit dem Ministerpräsidenten mit der „größten Spaßbremse – dem Finanzminister“ Vorlieb nehmen mussten. Da Kempten bald schuldenfrei sei, hätte er sich schon die ganze Zeit über Gedanken darüber gemacht, welche Sonderabgabe er der Stadt auferlegen könnte, doch „dann kommen die noch mit einer Bitte um einen Zuschuss daher“, empörte er sich spaßeshalber.

Minister Albert Füracker zeigte sich erfreut, dass die Allgäuer Festwoche trotz ihres stolzen Alters noch so „frisch“ ist und moderner denn je. Er erinnerte aber auch daran: „So glücklich wie 2019 waren die Menschen in Kempten noch nie!“ Und damit schloss er an Kiechles Rede an. „Ewige Prosperität gibt es nicht.“ Der Finanzminister weigerte sich aber zu glauben – wie es manche täten – dass die Welt morgen untergeht. Ein Seitenhieb auf Öko-Parteien- und -Bewegungen? Oder bezog sich Füracker damit auf die schlechter werdenden Wirtschaftsprognosen?

Die Jubiläumsfestwoche ist eröffnet

Heuer gab es nicht nur einen Käse anzustechen, sondern auch eine Torte anzuschneiden.  © Lehmnann
Der Gründervater der Festwoche, der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Georg Volkhardt, und  der Zweite Bürgermeister Albert Wehr blickten OB Thomas Kiechle bei der Eröffnungsveranstaltung im Stadttheater über die Schulter. © Tröger
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Seitenhiebe gegen Grün und Rot

Obwohl das Klima ein schwieriges Problem sei, wehrte er sich dagegen, dass die Antwort auf jedes Problem höhere Steuern sein sollen. „Und jetzt ist auch noch eine Fleischsteuer im Gespräch!“, empörte sich der Minister. „Erst muss erwirtschaftet werden, darum müssen wir die, die etwas leisten bei der Stange halten“, sprach er sich für eine Senkung der Unternehmenssteuer aus, was das Land seiner Meinung nach international konkurrenzfähig halten soll. Der Sozialstaat, wo den Schwächeren geholfen werde, könne nicht funktionieren, wenn die Starken geschwächt werden.

Ganz kurz streifte Füracker den aktuellen Tierskandal im Unterallgäu: „Ich bin sehr traurig darüber, wie der Bauernstand gerade in Misskredit gerät. Wir in Bayern stehen hinter unseren Bauern.“ Die Festwoche biete den Vorteil, dass man dort nicht nur den „Herrn Internet“ treffe, sondern mit den Produzenten und Verkäufern ins Gespräch kommen könne, Produkte angefasst werden könnten. So werde zum Beispiel auch über Heumilch aufgeklärt, „damit auch diejenigen, die jetzt keine Kuhmilch mehr trinken wollen, sondern nur noch Heumilch, erfahren, was sich dahinter verbirgt“. Dafür erntete er viel Applaus.

Gesprächspartner aus der Landwirtschaft

Aus der Landwirtschaft stammten in diesem Jahr auch die Interviewgäste von Kiechle. Familie Egger aus Voglsang, die mittlerweile für ihre Ziegenmilch-Produkte Bekanntheit erlangt hat, ist seit vier Generationen auf der Allgäuer Festwoche vertreten. Josef und Josefine Egger berichteten vom Wandel, der sich an der Ausstellung zeigt. „Früher haben wir uns über die aktuelle Melktechnik informiert, heute sind wir damit beschäftigt, dem Verbraucher zu sagen, wo Brot, Milch und Butter herkommen“, sagte Josefine Egger. 

Ihr Mann skizzierte den Milchpreisverfall über die Jahre und stellte die Preissteigerungen aller anderen Produkte gegenüber. „Wir brauchen uns nicht wundern, dass sich die Landwirtschaft so entwickelt, wie sie sich entwickelt“, bedauerte er, dass die kleinen, familiär geführten Höfe sterben. Oberbürgermeister Thomas Kiechle nutzte die Gelegenheit für Fotos mit den Enkelinnen Thea und Afra und nahm sie nacheinander auf den Arm.

CSU feiert (sich)

Und Füracker zeigte sich gespannt darauf, wie sich die Allgäuer Festwoche in den nächsten 70 Jahren entwickeln werde. Auch in Videos die extra zum Geburtstag von der Stadt gedreht und in Ausschnitten beim Festakt gezeigt wurden, machten sich Honoratioren darüber Gedanken: Der CSU-Landratskandidat für das Oberallgäu und DOSB-Präsident Alfons Hörmann, BRK-Kreisvoristzender Alfred Reichert, Konzertorganisator Dr. Franz Tröger, Stadtrats-Urgestein Dieter Zacherle (FW), Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller (CSU), Toni Vogler, langjähriges Kreistagsmitglied und Altbürgermeister von Fischen (CSU), Hans-Jörg Henle, Bürgermeister aus Leutkirch (CDU), Festwochenbeauftragter des Stadtrats Hans-Peter Hartmann (FW) und auch zwei Frauen, die Bayerische Milchprinzessin Miriam Weiß aus Betzigau und Snowboarderin und Olympia-Silbermedaillengewinnerin Selina Jörg aus Sonthofen. 

Während sich die Milchprinzessin wünschte, dass die gute Stimmung so bleiben soll, wie sie ist, sprach sich Müller für einen „Nachhaltigkeitssprung“ aus. Den Festwochen-Standort stellte Tröger zur Disposition. Hartmann sah schon Flugtaxis vor seinem inneren Auge über die Festwoche fliegen. „Die Festwoche lebt von den Menschen, wenn die Messe weiterhin inmitten des Herzens der Stadt Kempten bleibt, wird sie zukunftsgerecht sein“, zeigte sich dagegen Vogler überzeugt. 

Mit einem zünftigen Marsch, begleitet von der Stadtkapelle Kempten, zog anschließend die ganze Festgemeinde zum Festwochengelände. Passanten blieben stehen und auch die Marktbesucher, die gerade für Kässpatzen anstanden, schauten neugierig auf den Festzug.

Susanne Lüderitz

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