Weißwürste, Bier und Politik

Finissage von Matthias "Egges" Eckhardt

+
Egges erklärt den Besuchern der Finissage die Inspiration hinter seinen Kunstwerken: Die bunte, heile Welt der Politiker vs. die Realität.

Kempten – Matthias „Egges“ Eckhardt ist Maler und Grafiker. Dass er in Halle an der Saale lebt und nicht aus Bayern stammt, lässt sich an den während seiner Zeit als Artist in Residence in den Kunstarkaden entstandenen Arbeiten erahnen. In fast jedem Bild sind Weißwürste, Brezen oder Lederhosen verarbeitet. „Besteht Bayern nur aus Lederhosen und Bier?“, fragte deshalb eine Besucherin und beantwortete die Frage gleich selbst: „Ich erlebe es nicht so.“ Doch Egges arbeitet gerne mit Zuspitzungen. Meist darf auch eine politische Note nicht fehlen.

Als „ruhig, entspannt und humorvoll“ beschrieb Joram von Below, ehemals selbst Artist in Residence, auf der Finissage in den Kunstarkaden seinen Künstlerkollegen und verwies zum Beweis auf die noch nicht aufgehängten Kunstwerke im Ausstellungsraum. Er reflektiere mit Witz sowie Ironie und greife parteipolitische Themen auch mal kritisch auf, so von Below weiter, der sich fasziniert von der Verarbeitungsweise zeigte,bei der die Themen aus dem eigentlichen Kontext herausgenommen werden. 

Um zu erklären, was er damit meinte, deutete er auf ein Kunstwerk, das lediglich ein altes Telefon mit der Aufschrift „Mutti“ abbildet. „Egges ist Egges. Egges ist das Original“, sagte von Below und verriet, dass in der Vergangenheit viele Werke von Egges während Ausstellungen gestohlen wurden. „Auch das ist ein Akt der Anerkennung. Das ist wie kaufen, nur ohne Geld“, scherzte von Below. 

Er und Egges kennen sich von ihrer gemeinsamen Studienzeit an der Burg Giebichenstein in Halle. Viele hätten ihn davor gewarnt, politische Inhalte zu verarbeiten, weil sich damit kein Geld verdienen lasse, erzählte Egges und betonte, dass ihm Geld nicht primär wichtig sei und er keinen Künstler kopieren wolle, nur um mehr zu verdienen, wie er es bei einigen Studienkollegen mitbekommen hatte. Stattdessen lebe er in einer kleinen Wohnung in Halle und finanziere seinen Lebensunterhalt, indem er Plakate für verschiedene Anlässe gestaltet. 

Der Künstler erklärte den Besuchern der Finissage, welcher Anlass hinter den ausgestellten Werken steckt und wie er diesen verarbeitet hatte. Ein Kunstwerk bildet einen Fernseher mit Brezen als Antenne ab. Auf dem Bildschirm sind eine rote Spirale und Bienen zu sehen. In der Mitte befindet sich eine Frau, die trotz der Bienenstiche in ihrem Gesicht lächelt. Eine Biene verlässt den Bildschirm. „Thematisch wird mittels der Bienen das Insektensterben aufgegriffen. Die Frau in der Mitte soll Julia Klöckner darstellen, die eine bunte, heile Welt vorgibt, obwohl das Gegenteil passiert. Die Spirale mit ihrer hypnotisierenden Wirkung soll dies verdeutlichen. Eine Biene verlässt diese Scheinwelt und zeigt auf, dass die Realität oft viel grauer und trister ist, als dies von Politikern suggeriert wird.“ 

Ein anderes Kunstwerk spielt auf den historisch bedeutsamen Fund des Menschenaffen an, der bei Ausgrabungen im Allgäu entdeckt wurde (der Kreisbote berichtete). Zu sehen ist ein Komet mit Bierdeckel, in dessen Schweif Knochen und Weißwürste verarbeitet sind. Außerdem stellt Egges bevorzugt Bären dar, um das Fremde zu symbolisieren. In der DDR sei Völkerfreundschaft großgeschrieben, jedoch nie wirklich gelebt worden. Er finde es erschreckend, dass viele in seinem Alter aus Protest die AfD wählten. „Es gibt auch viele Leute, die sich engagieren. Aber eine bestimmte Schicht möchte sich damit nicht auseinandersetzen. Das erinnert mich an das Mittelalter“, sagte Egges, für den ein Grund für dieses Phänomen die fehlende Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus ist. 

Während sich Egges bereits wieder auf den Weg zurück nach Halle gemacht hat, ist noch bis Samstag, 8. Februar, die Kunst von Adi Hoesle im Ausstellungsraum der Kunstarkaden zu sehen.

Dominik Baum

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Zwei junge Graffiti-Sprayer in Kemptener Innenstadt festgenommen
Zwei junge Graffiti-Sprayer in Kemptener Innenstadt festgenommen
"Das Auge wird nicht satt", heißt die neue Ausstellung im Kunstreich
"Das Auge wird nicht satt", heißt die neue Ausstellung im Kunstreich
Renommiertes Rusquartet spielte am Montagabend im Stadttheater
Renommiertes Rusquartet spielte am Montagabend im Stadttheater

Kommentare