Neue Ausstellung in Kempten

Von Heiligen und Handwerkern

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Ausstellungsmacherin Sarah Holzer vor ihrem Lieblingsbild mit der Heiligen Katharina. Im Hintergrund Reliefs von Lux Maurus.

Kempten – Der einst gefasste Plan, ausgewählte Exponate der ehemaligen Alpenländischen Galerie im Marstall künftig in neuer Zusammenstellung zeitgemäßer zu präsentieren hat Gestalt angenommen.

Am heutigen Freitag startet die Ausstellung „für die ganze Familie“, wie seitens des Kemptener Kulturamtes betont wird „Leuchtendes Mittelalter – von Heiligen, Handwerkern und Altären“.

Für OB Thomas Kiechle ist diese, nach der zu Zeus, „zweite wichtige Ausstellung“ allein deshalb umso bemerkenswerter, als die Assoziationen beim Thema Mittelalter „zunächst gar nicht so leuchtend sind“, sondern in der Regel vom „dunklen Mittelalter“ gesprochen werde, mit Inquisition, Bauernkriegen etc.. Dagegen erhalte man hier Einblicke unter anderem in das Werk der Künstlerfamilie Maurus und von Jakob Schick, aber auch in das Leben der Menschen damals. Und ja, er glaube, „dass es für die künftige Entwicklung“ der Persönlichkeit einfach wichtig sei, immer wieder auf die Geschichte zu blicken. Beim Vorab-Pressetermin zeigte sich Kulturamtsleiter Martin Fink „sehr froh“ darüber, die Exponate neu präsentieren zu können.

Licht ins Dunkel bringt eine effektvolle Beleuchtung der Exponate – spätmittelalterliche Altäre, Heiligenfiguren und Tafelgemälde –, die ein angenehm strahlendes Feuerwerk aus Farben und Gold entzündet. Möglich machen das die „hinterleuchteten Wände“, lüftete Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn das Geheimnis hinter den „ganz exquisiten“ Exponaten. Heiligenverehrung, Volksfrömmigkeit und die im Mittelalter blühende Handwerkskunst sind die drei großen Themen, die hier in den Mittelpunkt gerückt werden.

Durch den Titel sollte der Blick auf etwas anderes gelenkt werden als auf die gängigen Mittelalter-Klischees „Mord und Totschlag und die Ritter“, erklärt Ausstellungsmacherin Sarah Holzer. Die Historikerin hat Bayerische Geschichte studiert und absolviert derzeit ein wissenschaftliches Volontariat bei den Kemptener Museen. Wichtig sei ihre gewesen, „Grundlagen zu vermitteln“ und natürlich auch, den Bezug zu Kempten herzustellen. Mit ihrem Konzept hat sie nicht nur Dr. Matthias Weniger, Referent für Skulptur und Malerei von 1550 vom Bayerischen Nationalmuseum in München, überzeugt. Es sei „sehr gut“, die Exponate in Kontext zu stellen, beispielsweise ein Weihrauchfass, und so für die „eher schwieriger zu vermittelnde Kunst des Mittelalters“ zu versuchen einen neuen Zugang zu schaffen. Werde grundsätzlich eher ein Publikum aus dem Bildungsbürgertum im Alter 60+ von solchen Ausstellungen angezogen, „sprechen Sie hier die Jugend an“, wünschte er Holzer Erfolg damit. „Kinder sind wirklich der Schlüssel. Wer als Kind kommt, kommt auch als Erwachsener.“ Sein Lieblingsexponat unter den hier gezeigten: „Kunsthistorisch herausragend sind die Reliefs von Lux Maurus“, schwärmt er von den „bewegten Gewändern“ in den Darstellungen.

Dass es nicht immer so einfach ist, die direkte Herkunft der Objekte nachzuvollziehen, erklärte die Historikerin Birgit Kata, Mitarbeiterin des Stadtarchivs, die den historischen Hintergrund dazu geliefert hat. Viele der rund 500 Jahre alten Werke seien „im Bildersturm kaputt geschlagen worden“ und es deshalb nicht die Regel, „dass komplette Werke erhalten sind“. Und noch ein wichtiger Kopf zählt zum Team rund um die Ausstellung: der Kunstpädagoge Klaus Frühschütz, der für das didaktische Konzept mit knapp zehn Stationen verantwortlich ist. Dort werden an einer Hörstation mit Geschichten, einer Riechstation mit Weihrauch, einer Farbenvitrine und einigen mehr verschiedene Sinne angesprochen, dazu zeigen großformatige Illustrationen aus der Feder von Roger Mayrock lebendige Einblicke in das Leben und Arbeiten der Menschen damals.

Geeignet ist die Ausstellung für alle im Alter „von neun bis 99“ sagt Müller-Horn. Und so ziemlich jeder aus diesem Altersspektrum dürfte auch im üppigen Rahmenprogramm mit anspruchsvollen (Fach-)Vorträgen, speziellen Führungen, einem Blick hinter die Kulissen, Holzbildhauerkursen für Kinder und – aufgrund häufiger Nachfragen – „auch für Erwachsene“, wie die Museumsleiterin betont, mit der Bildhauerin Lucia Hiemer aus Waltenhofen.

„Leuchtendes Mittelalter – von Heiligen, Handwerkern und Altären“ läuft bis 12. November 2017, Dienstag bis Sonntag, 10-16 Uhr, im Alpin Museum Kempten, Landwehrstraße 4. Weitere Infos unter www.museen-kempten.de.

Christine Tröger

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