Fleißig abgewrackt

„Wir sollten nicht traurig sein, dass es die Abwrackprämie nicht mehr gibt, sondern froh sein, dass wir sie hatten“, meint Roland Hartmann. Wie der Autoverkäufer beim Autohaus Haeberlen erklärte, war das Jahr 2009 bisher erfolgreich – dank der Prämie. Allein der Verkauf von Gebrauchtwagen sei zurück gegangen. Ähnlich beurteilen auch die Vertreter weiterer Kemptener Autohäuser das Geschäft der vergangenen Monate.

Genaue Zahlen könne er nicht nennen, aber um rund 30 bis 40 Prozent habe die Abwrackprämie den Umsatz heuer gesteigert, meinte Hartmann. „Die Leute haben fleißig abgewrackt“, berichtet auch Christian Bernasconi vom gleichnamigen Citroen-Händler. Angesichts der Krise seien die Umsatz-Erwartungen für 2009 gering gewesen, die Prämie habe die Einnahmen auf ein normales Niveau angehoben. Von einem erfolgreichen Jahr sprach dagegen Werner Simeon, Service-Leiter beim Autohaus Seitz, der unter anderem VW-Modelle anbietet. Einhellig berichten die Autohändler jedoch von einem stockenden oder gar schlechteren Gebrauchtwagengeschäft. Viele Autobesitzer, die sich mit Hilfe der Abwrackprämie mit einem Neuwagen versorgt haben, seien nämlich eigentlich klassische Gebrauchtwagenkäufer, so Simeon. Da viele alte Autos auf dem Schrottplatz landeten, kamen auch weniger rein, meinte Opel-Verkäufer Hartmann. Das Hauptgeschäft bei den staatlich geförderten Neuwagen habe er mit den Modellen Astra und Corsa gemacht, bei den Autos im höheren Preissegment habe die Abwrackprämie nicht gegriffen. Das Problem kennt auch Carsten Dictus, Vertriebsleiter beim Mercedes-Händler Autohaus Allgäu. Viele Kunden seien mit ihren neun Jahre alten Mercedes zu ihm gekommen und hätten festgestellt, dass sie mehr als die 2500 Euro Förderung bekommen, wenn sie ihr Auto verkaufen oder beim Händler in Zahlung geben. Ein neun Jahre alter Mercedes sei noch etwa das Doppelte wert. Entsprechend habe das Autohaus-Allgäu nicht direkt von der Prämie profitiert, sehr wohl aber indirekt. „Für uns hat es sich insofern gelohnt, als dass sich die Leute mit dem Thema Auto beschäftigt haben“, erklärte Dictus. Für die Zukunft sieht er nicht schwarz. Da der Mercedes-Händler nicht direkt von der Prämie profitiert hat, drohe jetzt auch kein Einbruch. „Ich gehe davon aus, dass es in unserem Segment auf dem gleichen Niveau weiterlaufen wird“, so Dictus. Christian Bernasconi erwartet, dass das Werkstatt-Geschäft ab dem kommenden Jahr wächst und eine eventuelle Flaute auffängt. Denn die vielen Neuwagen müssen schließlich nach einem Jahr zum Kundendienst. Darauf will sich Seitz-Service-Leiter Simeon nicht verlassen, denn die modernen Autos müssen seiner Ansicht nach seltener gewartet werden. Er gibt sich abwartend. „Eine Flaute wird es sicher geben“, meinte Opel-Händler Hartmann. Er zähle jedoch auf viele treue Stammkunden und auf neue Modelle.

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