Der fliegende Lucas

Die Sonne knallt auf ein paar staubige, von Gras bewachsene Erdbuckel, links dreht der Bauer mit dem Mähdrescher seine Runden, rechts fließt der Bach. Da kommt ein kleines Fahrrad angeschossen, steigt zwei Meter in die Höhe. Der Fahrer spreizt die Beine seitlich ab, zieht sie wieder an und landet geschmeidig. „Das war ein ‘No Foot Can Can’“, erzählt „Luci daa Checka“, wie er sich nennt. Luci, alias Lucas Schöllhorn, fährt Dirt Bike. Im Oberallgäu ist er damit so ziemlich der Einzige.

Nein, es ist kein BMX-Rad, erklärt der 14-Jährige, der den Sport seit drei Jahren betreibt. Ein Dirt-Bike ist eigentlich ein abgewandeltes Mountain-Bike, erkennbar an den großen Reifen. Auf seiner Trainingsbahn in Muthmannshofen bei Altusried trainiert Lucas regelmäßig. Mit Schwung fährt er wieder zurück und nimmt erneut Anlauf. Es staubt, wenn er anfährt, die Reifen rumpeln über die Rampe. Diesmal stellt er sein Fahrrad in der Luft horizontal, „Table Top“ heißt dieser Trick. Denn darauf kommt es beim Dirt-Bike an, mit dem Fahrrad spektakuläre Tricks in der Luft zeigen. Schon früh angefangen Der Hauptschüler ist im Oberallgäu nicht nur allein auf weiter Flur was seinen Sport angeht, er ist auch noch gut darin. Bei einem „Dirtjump-Contest“ in Tettnang war er vergangenes Jahr siegreich, in Gomaringen Vierter. Auf der Eurobike, der weltgrößten Fahrradmesse, fuhr er vergangenes Jahr bei den Profis mit. Beim Training geht’s weniger international zu. Da ist erstmal Unkraut jäten und Steine rechen angesagt, um den Parcour nach dem Winter wieder befahrbar zu machen. Seine Trainingsstrecke hat er zusammen mit Vater Gottfried auf Opas Grundstück gebaut, die Rampe hat der Bruder fabriziert. Trainingsmöglichkeiten gibt es vor Ort keine anderen. Ins Westallgäu oder nach Baden-Württemberg fährt ihn der Papa manchmal zu Skateparks. Dann holt er sich auch mal Tipps von erfahreneren Dirt-Bikern. Im Großen und Ganzen ist er aber Autodidakt. „Lucas ist schon mit zweieinhalb Jahren ohne Stützräder gefahren“, erzählt Gottfried Schöllhorn. Er unterstützt seinen Sohn, wo er kann. Der Erfolg ist hart erkämpft, davon zeugen die Krusten an den Unterarmen des 14-Jährigen. „Macht aber nix“, meint er. Beim Dirt-Bike gibt es verschiedene Disziplinen. Beim „Slope-Style“ etwa gilt es, einen Hang-Parcour zu durchfahren und mehrere „Moves“ zu präsentieren. Bei „Best Trick“ wird einmal gesprungen, Kampfrichter bewerten Höhe, Schwierigkeitsgrad und Stil. Die Tricks liegen ihm mehr, meint Lukas. Eines Tages Profi? Sein Traum: Irgendwann einmal bei den Profis mitfahren. „Er ist für sein Alter schon recht weit“, meint Vater Gottfried. Vom Profi-Dasein ist er aber noch weit entfernt. Sponsoren haben ihn bisher ein bisschen beim Material unterstützt, sein bisher höchstes Preisgeld: 50 Euro. Statt Profi-Parcour muss es also weiter Opas Garten tun. Auch heuer stehen wieder diverse Contests und Wettbewerbe an. Um dieses Jahr vielleicht einmal mehr zu gewinnen, ist noch eine Menge Training auf der heimischen Strecke angesagt. Die Schule darf natürlich auch nicht zu kurz kommen. Schließlich will Lucas die Mittlere Reife per M-Zug schaffen. Ein Praktikum hat er schon hinter sich – in einem Fahrradgeschäft.

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