"Berufsausbildung verhindert Migration"

Förderkreis "Zukunft für Afrika" legt im Senegal Grundstein für Berufsschule

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Kempten – Der Förderkreis „Zukunft für Afrika“ ist eine Initiative der Altkatholischen Gemeinde Kempten, Gottfried Kölbl der Initiator.

Er hatte schon vor 30 Jahren damit begonnen, Menschen im Senegal zu unterstützen, eine Lebensperspektive zu finden. Heute, im Zeichen einer großen Fluchtbewegung aus Afrika, ist dieses Thema aktueller denn je. So finanzierte der Förderkreis zunächst 15 Schulen in entlegenen Teilen des Landes. Denn für Kölbl ist der immer noch sehr hohe Bevölkerungszuwachs ein maßgeblicher Grund für die Armut in weiten Teilen des Kontinents; ebenso wie inkompetente Regierungen, Korruption und andere Einflüsse. 

Das Gute: Diese Faktoren lassen sich mit Bildung bekämpfen. So sei es laut Kölbl zum Beispiel eine Tatsache, dass mit der Alphabetisierung der Frauen die Geburtenrate sinke. Gebildete Menschen seien aber auch nicht mehr so leicht politisch manipulierbar. Nach der Schule brauche man Arbeit und Einkommen, um zu leben. So finanzierte der Förderkreis in den letzten Jahren acht Gartenbau-Projekte, vor allem im Süden des Landes, der Casamance. Jetzt legte Kölbl auf seiner November-Reise zusammen mit seinem Sohn Stefan und Projektleiter Elhadji Francois Diouf in Diattacounda, einer Kommune am Casamance-Fluss mit circa 6000 Einwohnern, den Grundstein für eine Berufsschule. 

Es war der Bürgermeister, der Diouf darum gebeten hatte, einen Sponsor für das Gebäude zu finden. Ein Grundstück mit 900 Quadratmetern und die Einrichtung will die Gemeinde selbst beisteuern. In der Kommune gibt es neben Kindergärten drei Grundschulen, eine Mittelschule und ein Gymnasium. Aber zwischen Kolda und Ziguinchor – also im Umkreis von circa 150 Kilometern – gibt es bisher keine Berufsschule. Ausbildungsstätten für Landwirtschaft, Elektronik, Schreinerei, Bau oder Mechanik sind gewünscht. Der Staat war nicht bereit gewesen, sich zu engagieren. Entsprechend dem französischen System ist in dieser Gegend die duale Ausbildung unbekannt. So bleibe den jungen Leuten laut Kölbl nur die Karriere als Gelegenheitsarbeiter, ein Studium oder einfach arbeitslos zu sein. 

In der Casamance gab es bis 2014 eine bewaffnete Unabhängigkeitsbewegung, vor allem der Diola, Zerstörungen und Konflikte. Aber man schloss einen Waffenstillstand. Die Gegend zeichnet sich durch genug Regenfälle, fruchtbare Böden und große Wälder aus. Der Wunsch war es, für 75.000 Euro zwei Gebäude mit vier Unterrichtsräumen zu bauen. Nun wird es aus finanziellen Gründen zunächst eine kleine Lösung in halber Größe für 45.000 Euro geben. Ausbilden will man zunächst Landwirte (auch Analphabetinnen und Analphabeten) sowie Elektriker, u.a. mit Schwerpunkt Photovoltaik, ein kaum bekanntes Thema im Senegal. Dort scheint fast jeden Tag die Sonne, aber den Strom macht man aus Kohle und Öl. 

Es gibt zum Beispiel keine Einspeisevergütung, dafür aber immer wieder Stromausfälle. Die Reise war für Kölbl auch aus persönlichen Gründen sehr wichtig: Zum einen war in der Casamance eine Reisegruppe des Oberstdorfer Vereins „Hilfe für Afrika – Wasser für Senegal“ mit dem bisherigen Vorsitzenden Franz Bickel dabei. Mit diesem Verein wird der Förderkreis die Zusammenarbeit intensivieren. Für Kölbl selbst, inzwischen fast 78, war es aber auch eine große Freude, dass sein Sohn Stefan diese Arbeit nun übernehmen möchte. Er wird diese als Beirat im Verein „Hilfe für Afrika – Wasser für Senegal“ begleiten und fortführen. Wer möchte, kann das Projekt mit einer Spende unterstützen: Altkatholische Gemeinde Kempten, Sparkasse Allgäu, IBAN: DE37 733 500 000 610 295 388, Schul- und Berufsausbildung Senegal. 

kb

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