Gegensätze, die sich anziehen 

»Formalisiert-graphischer« Campus und üppig-grüne Umrahmung für das Berufsschulzentrum 

Damit die Berufsschüler auch im Sommer „gut gekühlt“ draußen sitzen können, sind große anthrazitfarbene Pergolen im Schulhof vorgesehen.
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Damit die Berufsschüler auch im Sommer „gut gekühlt“ draußen sitzen können, sind große anthrazitfarbene Pergolen im Schulhof vorgesehen.

Kempten – Der Gestaltungsbeirat hat die Entwürfe für die Außenanlagen des Berufsschulzentrums abgenickt – nicht ohne den Planern noch weitere „Hausaufgaben“ und Anregungen mit auf den Weg zu geben. 

Schwierige Voraussetzungen finden die Planer von adlerolesch Landschaftsarchitekten bei der Gestaltung der Außenanlagen des Berufsschulzentrums vor. Wie berichtet, werden die drei Berufsschulen generalsaniert. Viele unterschiedliche Gebäude befinden sich hier auf unterschiedlichen Ebenen. Zum einen ergeben sich durch die unterbauten Flächen und die Tiefgarage auf dem Campus Höhenunterschiede von bis zu 1,50 Metern. Zum anderen sind dort Flächen dabei, die „kaum belastbar“ sind.

Weil sich der Gestaltungsbeirat bei seiner vorhergehenden Beurteilung gewünscht hatte, dass „die Kleinteiligkeit und die Vielzahl an verschiedenen Flächen aufgelöst“ werden, hat sich das Team um Projektleiterin Birgit Ulm und Dorothee Gerstner, Geschäftsführerin im Münchner Büro, für ein zweigliedriges Konzept entschieden. Ein grüner, ruhiger Rahmen um die Gebäude kontrastiert mit einem jugendlichen und lebendigen Campus, wie Gerstner erklärte. Zu den vorhandenen Bäumen im äußeren Bereich sollen neue hinzukommen, genauso wie Blumenwiesen. Der innere Campus, der mit versickerungsfähigem hellgrauen Betonstein gepflastert ist, soll mit wenigen und robusten wiederkehrenden Elementen ausgestattet sein. Anthrazitfarbene Pergolen aus Stahl beschatten die Sitzgelegenheiten aus Beton. Erhöhte Ränder bieten zusätzliche Sitzmöglichkeiten um die Beete, die mit Gehölzen und Gräsern bepflanzt sind. Und auch der Weg, der zur FOS/BOS führt, soll die Schüler mit Sitzstufen zum Verweilen einladen. „Gräserstreifen in der Campusmitte sollen sich durchziehen und die Mitte als Kontrast zum Rahmen verbinden“, sagte Birgit Ulm, und so als horizontalere, trennende und belebende Elemente fungieren. Ansonsten ist das Grün in der Campus-Mitte reduziert gehalten. Für den barrierefreien Zugang wurden die Rampen beibehalten. „Weil die Schüler vielleicht nicht immer nur sitzen wollen, sondern sich auch mal nur anlehnen“, haben die Architekten Stahlbügel dafür vorgesehen. Zwei Sockel haben sie konzipiert, damit die Schüler später dort einmal große Ausstellungsstücke oder Skulpturen präsentieren können und „sich mit dem Raum identifizieren“, erklärte Ulm die Absicht. Eine Besonderheit stellt neben zwei extensiv begrünten Dächern ein „Biodiversitätsdach“ dar. Hier sind Totholz, Lesesteine, Wassermulden und Nisthilfen zu finden. Die Schüler können das Dach zu Anschauungszwecken auch begehen.

Gestaltungsbeiratsmitglied Hannelore Deubzer sprach von einer „Orgie von Geländern“ und von „vielen Rampen“, die sehr auffällige Bauwerke in einem öffentlichen Raum seien, gerade wenn sie fünfteilig sind. Sie wollte auch wissen, warum so wenig Grün in der Campusmitte zu finden sei und ob so ein „extrem formalisiert-graphischer Ort“ tatsächlich vorgesehen sei.

In beiden Fällen seien der geringe Aufbau und die vielen Flächen verantwortlich, die nicht zusätzlich belastet werden dürften, erklärten Ulm und Gerstner. Es gebe nur die Möglichkeit, die Bäume in Pflanzkübel zu setzen, die dann wiederum zu schwer seien. Auch die Rampen seien vom Statiker ausgetüftelt. Außerdem habe man die vorausgegangene Kritik des Gremiums beherzigt, und deshalb Grün aus der Mitte herausgenommen.

Das sahen auch die Gestaltungsbeiratsmitglieder so: „Der grüne Rahmen wurde grüner, die Campusmitte klarer“, brachte Vorsitzende Bü Prechter die Zustimmung zum Ausdruck, „die Differenzierung in zwei Teile hat uns überzeugt.“ Allerdings sei der „Raum an sich mit den Klinkerfassaden und den großen Bäumen schon so aufregend“, dass weitere Elemente wie die Anlehnebügel und Ausstellungsgegenstände noch mehr in den Hintergrund rücken sollten. Auf einstimmige Ablehnung stieß so auch die von Rainer Lindermayr (f64 Architekten) vorgestellte Signaletik mittels übergroßer grüner vor den Gebäuden platzierter Buchstaben. Hier wünschte sich der Gestaltungsbeirat ein „feineres und sensibleres Konzept, das Bestandteil der Architektur wird“. 

Susanne Lüderitz

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