Mit "Forsicht Golt" in die Falle gelockt

Wie Seppel und Kasperl den finsteren Räuber Hotzenplotz zur Strecke bringen

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Fanden nach vielen Turbulenzen zum gemeinsamen Schlusslied zusammen: (v.l.) Seppl (Corinne Steudler), Großmutter (Julia Jaschke), Kasperl (Sebastian Strehler), Wachtmeister Dimpfelmoser (Hans Piesbergen) und der gefangengenommene Räuber Hotzenplotz (Wolfgang Seidenberg).

Kempten – Tosender Applaus am Ende der Vorstellung und auch die Jagd auf Autogramme im Anschluss lassen kaum einen Zweifel aufkommen: Der Räuber Hotzenplotz im TiK kam an!

Munter kommentierten Kinder lauthals, was sie auf der Bühne sahen, sangen zusammen mit ihren erwachsenen BegleiterInnen und den Akteuren auf der Bühne und fieberten mit Kasperl (Sebastian Strehler), seinem besten Freund Seppel (Corinne Steudler) und der schönen Fee Amaryllis (Julia Jaschke), während diese dem bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann (Hans Piesbergen) und dem schrecklichen Räuber Hotzenplotz (Wolfgang Seidenberg) die Stirn boten. Letzterer hatte Kasperls Großmutter (Julia Jaschke) die schöne Kaffeemühle gestohlen, die die beiden Jungen ihr eben zum Geburtstag geschenkt hatten.

Das Besondere daran: bei Gebrauch erklang das Lieblingslied der Großmutter. Dass die Zuschauer im vollen Theatersaal aus ebenso voller Kehle mitsangen versteht sich von selbst, auch wenn „Alles neu macht der Mai“ die Melodie von Hänschen Klein trug. „Ich brauch nämlich ein bisschen Poesie im Leben“, freute sich der gemeine Hotzenplotz über seine Beute – zu früh, denn die Zuschauer-„Gefolgschaft“ versagte ihm den Dienst und so musste er alleine singen.

Da Seppel und Kasperl dem Wachtmeister Alois Dimpfelmoser (Hans Piesbergen) nicht zutrauten, dem Räuber Hotzenplotz gewachsen zu sein, nahmen sie die Sache selbst in die Hand. „Forsicht Golt“, schrieb Seppel auf eine mit Sand gefüllte Kiste, um den Räuber anzulocken. Es waren nicht die einzigen Worte, die in diesem Seppel-Kopf ein wenig durcheinander gerieten. Nach einem wilden Tohuwabohu im finsteren Wald gerieten die beiden „Hobby-Häscher“ schließlich doch in die Fänge des Räubers, der sie wegen ihrer inzwischen vertauschten Mützen verwechselte und den vermeintlichen Seppel als Küchenhilfe verkaufte; und zwar an seinen alten Studienfreund, den großen Zauberer Zwackelmann – oder hieß er „Wackelzahn?“, „Schnackelmann?“ – Kasperl imitierte seinen Freund Seppel zur Freude der Kinder im Zuschauerraum auch beim Wörterverdrehen.

Trotz aller Gefahren – die Musik kam auch hier nicht zu kurz und erst nach einem Rap über „Mc Holze in the wood“ ging die Räuberjagd weiter. Nach einer Reihe gefährlicher Abenteuer hieß es aber Ende gut Alles gut: Die schöne Fee Amaryillis, die die letzten 700 Jahre als Unke im Verlies des Zauberers verbracht hatte, war befreit, der Zauberer vor Wut geplatzt, Seppel und Kasperl zurück bei der Großmutter, die sie mit ihrer Kaffeemühle glücklich machten. Der Wachtmeister bekam einen Käfig mit zwitscherndem Gimpel darin überreicht – der von Zwackelmann verzauberte Räuber Hotzenplotz wurde mit Hilfe des Wunschrings, den Kasperl von der Fee zum Dank erhalten hatte, zurückverwandelt und von Dimpfelmoser verhaftet. Alles nicht so schlimm, denn bevor der Vorhang fiel, rockten alle zusammen nochmal einträchtig so richtig ab – und mussten sogar noch eine Zugabe drauflegen.

Das von TiK-Chefin Silvia Armbruster flott inszenierte Stück „nach dem Buch von Otfried Preußler) mit wahrhaft „fantastischen“ Bühnenbildern (entstanden in Zusammenarbeit mit der Bühnenbildklasse der mos Allgäu unter Leitung von Christian Hörl), bot einen unterhaltsamen Theaterbesuch. Umwerfend waren die beiden Bösewichte Hotzenplotz und Zwackelmann; letzterer so überzeugend, dass ein Vater zu hören war, der seinem etwas beunruhigten Sprößling während des Stückes zuraunte: „Das ist nur ein ganz normaler Mann.“ Ein echtes Faszinosum: Die Beweglichkeit von Steudler (verantwortlich auch für die Choreographie), die an eine Gummipuppe erinnerte. Warum Kasperl sich sprachlich als Nordlicht outete (was auch der Räuber gelegentlich übernahm), blieb rätselhaft. Strehler (auch musikalische Leitung) überzeugte dennoch auf ganzer Linie. Akzente im großen Ganzen verstand Jaschke in ihren zwei (diesmal) kleinen Rollen zu setzen. Lediglich beim Gesang der singfreudigen Truppe konnte sie stimmlich mit ihren Bühnenkollegen nicht recht mithalten.

Weitere Termine für „Räuber Hotzenplotz“: Sonntag, 16. und 23. sowie Mittwoch, 26. Dezember jeweils um 16 Uhr im TiK.

Christine Tröger

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