"Nichts ist so lebendig wie totes Holz"

Forstingenieur Rohrmoser spricht über das dramatische Insektensterben

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Der Dipl. Forstingenieur und Dipl. Landschaftsarchitekt Gerhard Rohrmoser referierte zum Artensterben vieler heimischer Insektenarten auf Einladung des BUND Naturschutz – Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ) im Kempodium.

Kempten – In den letzten 30 Jahren hat die Biomasse der Insekten um rund 76 Prozent abgenommen. Vielen Autofahrern fällt auf, dass während der Sommermonate immer weniger tote Insekten an Autoscheiben zu entdecken sind. Vor diesem Szenario eines dramatischen Rückgangs heimischer Insektenarten lud der BUND Naturschutz – Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ) zum Vortrag des Dipl. Forstingenieurs und Dipl. Landschaftsarchitekten Gerhard Rohrmoser aus Oberstdorf ein.

Zur Veranstaltung am Dienstagabend im Kempodium kamen neben den rund 30 Interessierten auch Julia Wehnert von der Geschäftsstelle des BUND Naturschutz – Naturerlebniszentrum und der Klimaschutzmanager der Stadt Kempten, Thomas Weiß. Gerhard Rohrmoser, der auch als DAV-Wanderleiter und als Wald- und Umweltpädagoge aktiv ist, sprach zum Thema unter der Überschrift: „Vom Wert insektenfreundlicher Gehölze und Wälder in Stadt und Land“.

Alles hängt zusammen

Wichtig war für den Naturliebhaber herausszustellen, dass in Naturräumen alles mit allem zusammenhängt und dass in puncto Natur immer von Netzwerken innerhalb spezifischer Habitate gesprochen werden muss. „Nimmt die Artenvielfalt der Insekten ab, wird auch die Anzahl an Vogelarten geringer, für die Insekten die Grundlage ihrer Nahrung sind“, so Rohrmoser. Wichtig sei es daher, einen möglichst artenreichen Baum- und Strauchbestand zu haben, wobei die Pflanzenarten heimischer Natur und nicht importiert sein sollten, da nur diese die passenden Lebensräume für die hochspezifisch angepassten Insekten bieten.

Als wahre Quelle vielfältigen Lebens in der Natur stellen sich sowohl stehende wie liegende Tothölzer dar. „Nichts ist so lebendig wie totes Holz“, sagt daher der Forstingenieur. Mit vielen Fotos zeigte er die Vielfalt der heimischen Insektenarten auf und bezog sich ausdrücklich nicht nur auf bestäubende Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge, sondern auch auf die tausenden von heimischen Käfer- und Nachtfalterarten. 

Wichtige Habitate für solche Arten können laut Rohrmoser Waldsäume sein, die mit ihren wechselnden Llchtverhältnissen, Temperaturen, Winden und unterschiedlichen Gehölzarten Lebensraum für viele Insekten bieten. Grundsätzlich spricht sich der Naturkenner gegen Monokulturen wie große Fichtenhaine aus und kämpft gezielt dafür, kleinere Waldgebiete aus der Nutzung herauszunehmen und dort gezielt Lebensraum für viele Arten von Insekten zu schaffen.

Jörg Spielberg

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