Kapazitäten frei

Fortschreibung Einzelhandelskonzept: Hochschule soll an einem Konzept gegen die Leerstände von Gewerbeflächen mitarbeiten

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Mit dem Einzelhandelskonzept beschäftigen sich derzeit die StadträtInnen in verschiedenen Gremien.

Kempten – Die Fortschreibung des Einzelhandelsgutachtens wurde bereits im Juli detailliert behandelt, daher stellte Christian Hörmann von CIMA eingangs die Grundzüge der Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes nur noch in Kurzform vor. Stärkung der oberzentralen Versorgungsfunktion des Einzelhandelsstandortes Kempten, Positionierung der Innenstadt als zentralen Einkaufs-, Versorgungs- und Kommunikationsraum sowie die Stabilisierung und Weiterentwicklung einer möglichst flächendeckenden, fußläufigen Nahversorgung in den Wohngebieten als übergeordnete Ziele für den Einzelhandel müssen die Entwicklungsziele für den Einzelhandel in Kempten sein.

Im sogenannten Standortkonzept wird zwischen „Zentralen Versorgungsbereichen“ (Einkaufsinnenstadt und Nahversorgungszentren) und sonstigen Lagen (z.B. städtische Randlagen und Sonderstandorte wie der Fenepark) unterschieden. Zur Weiterentwicklung der Einkaufsinnenstadt sind verschiedene Maßnahmen angedacht wie z.B. Quartiersprofilierung, Installation eines kommunalen Flächenmanagements, die Entwicklung eines innerstädtischen Besuchsleitsystems, ein Leitfaden für die Gestaltung des öffentlichen Raums, eine Qualitätssteigerung für den stationären Einzelhandel, die Optimierung der Online-Sichtbarkeit der Unternehmen, Erarbeitung eines Konzeptes für Großveranstaltungen im öffentlichen Raum, sowie die Verbesserung der Erreichbarkeit der innerstädtischen Grünräume und des IIIerufers.

Für die Weiterentwicklung des Einzelhandels im sonstigen Stadtgebiet kommt es darauf an, die Nahversorgung sicherzustellen und Potenzflächen fortzuentwickeln. Im Anschluss daran ging er auf die im Vorfeld eingereichten Fragen ein. Ja, Kempten besitzt laut CIMA im überregionalen Vergleich ein qualitatives Einzelhandelsangebot mit nur wenigen Sortiments- und Betriebslücken. Eine Ansiedlung von Spezialsegmenten wie z.B. Babyfachmarkt, Waffen, Golf sei angesichts der Rahmenbedingungen mit geringer Expansionstätigkeit schwierig. Einkaufsmagneten im sonstigen Stadtgebiet (z.B. XXXLutz) laufen Gefahr des Kaufkraftabzuges aus dem zentralen Versorgungsbereich. Für die Bereiche Tourismus und Handel/Gastronomie empfiehlt der Gutachter eine Detailuntersuchung. Hinsichtlich der Fragen zum Standort- und Sortimentskonzept stellte er fest, dass Baby- und Kinderartikel nicht ausreichend bestimmt seien. Lotto/Toto sei kein Einzelhandel. Blumen könnten als Nahversorgungsbedarf definiert werden. Er schlug ferner vor, das Nahversorgungszentrum Lindauer Straße/Aybühlweg zielgerichtet weiterzuentwickeln. Hingegen erteilte er einem Nahversorgungszentrum Steufzgen eine Absage.

Bislang zwei Sonderstandorte ausgewiesen

Bisher sind in der Stadt zwei Sonderstandorte, Fenepark und Im Allmey (Altbestand), vorhanden. Jetzt werden seitens des Gutachters vier Sonderstandorte und zwei potenzielle Sonderstandorte ins Gespräch gebracht. Die Ansiedlung von Sortimenten des Innenstadtbedarfs sind in Sonderstandorten unzulässig. Hinsichtlich des Sortiments verwies der Gutachter auf die Bauleitplanung. Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan können die Art und die Größe des Sortiments festgelegt werden. Nahversorgungsbedarf zum Schließen von Versorgungslücken wäre aber auch nach einer Einzelfallprüfung möglich. Die vorhandenen Einzelhandelsbetriebe genießen Bestandsschutz, eine moderate Modernisierung und Erweiterung sind nach Einzelfallabwägungen für diese Betriebe möglich. Die Planungen für das Areal Ulmer Straße sind noch nicht abgeschlossen. Der Investor wünscht einen Mix aus Einzelhandel und Freizeitnutzungen. Dort ist nur „Sonstiger Bedarf“ zulässig – also weder innenstadtrelevantes noch nahversorgungsrelevantes Sortiment. Da die genauen Auswirkungen auf Kaufkraft- oder Frequenzverluste für die Innenstadt noch unklar sind, wurde CIMA mit einer Untersuchung beauftragt.

Es kann auf keinen Fall als Nahversorgungszentrum deklariert werden. Ferner wäre dem Gutachten zufolge eine moderne Markthalle für Kempten sinnvoll. Ein gewisses Problem stellen die 13 Lebensmitteldiscounter dar, da sie in ihrem Sortiment regelmäßig wechselnde, zum Teil innenstadtrelevante Angebote führten. Grundsätzlich machen Aktionswaren ca. zehn Prozent der Verkaufsfläche beziehungsweise des Umsatzes aus. Ein Maßnahmenprogramm für ein Leerstandsmonitoring, die Etablierung eines Business-Wettbewerbs und PopUp-Stores zur temporären Belebung sollte formuliert werden. Die Stadt sollte hierzu die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Förderung nutzen. Hieraus entwickelte sich eine angeregte Debatte. Stadtrat Alexander Hold (FW/ ÜP) verwies zunächst auf seinen Antrag hinsichtlich der Änderungen im Gutachten: „Wir haben Leerstände wie noch nie. Schädliche Auswirkungen auf die Innenstadt müssen verhindert werden. Schnittblumen sollen in die Nahversorgung aufgenommen werden. Wenn bei Nahversorgungszentren die Flächen erweitert werden, stellt das eine Gefahr dar. Solange die Untersuchung Ulmer Straße nicht festliegt, dürfen keine weiteren Sonderstandorte eingeplant und definiert werden.

Babyartikel sind als innenstadtrelevantes Sortiment aufzunehmen. Frequenzen für den innerstädtischen Bereich müssen untersucht werden.“ Eine Erweiterung des Nahversorgungszentrums Lindauer Straße/Aybühlweg lehnte er ab. Dafür fordert er ein Nahversorgungszentrum Steufzgen. Eine Unwägbarkeit stelle derzeit der Real-Markt dar, da nicht bekannt sei, was dort als Nachfolge kommen wird. Daher riet der Gutachter von einem Nahversorgungszentrum Steufzgen ab. Stadtrat Thomas Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen) macht die Zunahme des Onlinehandels und dessen Auswirkungen auf den städtischen Einzelhandel Kopfzerbrechen. „Wie können wir verhindern, dass die Menschen das, was es in der Innenstadt gibt, nicht online bestellen?“ Prof. Dr. Robert Schmidt (CSU) forderte ein Konzept, um Interessenten für die Leerstände zu gewinnen. „Was können wir machen, um mehr regionale Produkte anzubieten?“ Er regte ferner an, sich mit der Hochschule in Verbindung zu setzen, da dort die Kapazitäten vorhanden seien, um ein solches Konzept zu entwickeln.

Außerdem forderte er, dass sich die Verwaltung mit der Regierung von Schwaben abstimmt. Die Anmietung von Leerständen seitens der Stadt solle geprüft werden. Das vorgelegte Gutachten wurde auf Antrag von Stadtrat Hold (FW/ÜP) wie folgt geändert bzw. ergänzt. Babyartikel werden in das Sortiment aufgenommen. Eine Erweiterung der Fläche Lindauer Straße/Aybühlweg wird abgelehnt. In Steufzgen wird ein Nahversorgungszentrum eingerichtet. Als Sonderstandorte sind lediglich der Fenepark und Im Allmey festzulegen. In der Stadt wird eine Frequenzmessung durchgeführt. Diese Einzelanträge wurden mehrheitlich beschlossen. Auffallend war, dass Stadtrat Berchtold (CSU) nur der Frequenzmessung zugestimmt hat, während die anderen CSU-Stadträte wechselnd abgestimmt haben. Zum Abschluss der Sitzung ermahnte Oberbürgermeister Thomas Kiechle die Gremiumsmitglieder, nur substanzielle Fragen zu stellen, ansonsten könne man im Vorfeld jeden Amtsleiter kontaktieren. 

Helmut Hitscherich

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