Fortschritt aus Tradition

Wie könnte der Bereich Gerberstraße und Brandstatt künftig aussehen, um als attraktive Verlängerung der Einkaufsmeile Fußgängerzone angenommen zu werden? Schon seit geraumer Zeit beschäftigt sich mit dieser Frage vor allem der Arbeitskreis „Nordkurve“. Zuletzt hatten sich dem Thema zudem Fachleute aus städtebaulicher Sicht sowie unter Marketingaspekten angenommen (der KREISBOTE berichtete). Einen ersten Vorgeschmack auf die Ergebnisse gab es bei einer Bürger-Info vergangene Woche. Man habe „bewusst mit zwei Ansätzen gearbeitet“, erklärte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) das Herangehen an das Gebiet zwischen der Klostersteige im Süden, dem Pfeilergraben im Norden, dem Residenzplatz im Westen und der Kronenstraße im Osten. Herausgekommen sei ein „Feuerwerk von Vorschlägen“, zu denen jetzt noch die Ideen und Vorstellungen der Bürger aufgenommen werden sollen.

Die Einfahrt der Stadt zu verändern, war eines der wichtigen Anliegen des Städteplaners Prof. Winfried Schwantes vom Stuttgarter Büro ORplan. Um eine Reduzierung des Verkehrs in der Kronenstraße zu erreichen, schwebt ihm eine Umfahrung der Altstadt über den Kreisverkehr am Pfeilergraben sowie die Schließung der Unterführung vor. Als Gegensatz zur „steinernen Reichsstadt“ soll die „alte Stadt“ grüner werden, unter anderem mit einem Theaterpark entlang der Illerstraße. Als Ausgleich für die dadurch wegfallenden Stellplätze hat Schwantes den Bau eines Parkdecks im Auge. Mit der Öffnung von Innenhöfen und Durchgängen will er darüber hinaus interessante Ecken und Verbindungen zwischen Gerberstraße und Brandstatt schaffen. Er regte außerdem mehr Farbe und „moderne Architektur“ für die Kemptener Altstadt an, in der nach seinem Dafürhalten auch „Photovoltaikanlagen noch Thema sein werden“. Die Stadt Kempten als „Marke“ hatten die Berliner Marcus Mex und Prime Lee von der Markenarchitektur „Dan Pearlman“ im Fokus ihrer Planungen. „Fortschritt aus Tradition“ war für sie die Kernaussage, die die Stadt repräsentiert. Inspiriert von der Geschichte soll die Gerberstraße ein markantes Gesicht unter dem Motto „Fluss der Zeit“ mit dem Element Wasser und die Brandstatt als „Fluss der Inspiration“ mit dem Element Feuer erhalten. Am Eingang der Gerberstraße am Residenzplatz soll ein großes Mühlrad als attraktiver Blickfang und „Treffpunkt für alle“ dienen. Den einst durch die Gerberstraße verlaufenden Fluss wollen die Planer wiederbeleben. Abwechselnd durch fließendes Wasser, dann wieder durch blaue Markierungen am Boden, an manchen Stellen auch durch Fontänen. Audio-Mühlräder in denen Geschichten zur städtischen Historie erzählt werden, sollen die Menschen auch hier zum Verweilen einladen. Lichtkörper am Boden sowie oben schwebende, „führen uns schwungvoll hinein“, leiteten die Planer über in die Brandstatt. "Neues Feuer" Mit kleineren Veranstaltungen wie Lesungen in der „Brand Box“ soll dort „neues Feuer entstehen“, wie Lee ausführte. Dass es nicht allein um eine neue Dekoration des Viertels gehe, machte Mex deutlich. Ein für Kempten inhaltlich einmaliges Angebot soll auch den Geschäften mehr Kundschaft bescheren. Eine „gute Mischung“ von Studenten bis „Betuchte“ soll sich nach Wunsch der Planer im Viertel ansiedeln. Recht unterschiedlich wurden die vielen Ideen der Planer von den Zuhörern aufgenommen. Während einige den Kopf schüttelten und die Pläne unter „Vieles was in Kempten schon kaputt gemacht wurde“ einreihten, fanden andere die Vorschläge „sehr schön“. Bis 31. August können die Kemptener ihre Visionen zur Neugestaltung an die Planer schicken: Dan Pearlman Markenarchitektur GmbH, Kieferholzstraße 1, 12435 Berlin, Email: p.lee@danpearlman.com.

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