In ursprünglicher Natur

Forum Sempervivum präsentiert den Bärenexperten Reno Sommerhalder

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Reno Sommerhalder (links) und Wolf-Dieter Storl im Kurhaus am Park. 

Isny – „Wild – Unter Bären und Tigern“ – Das war der Titel der Multi-Media-Prä- sentation, mit der Reno Sommerhalder ins Kurhaus in Isny gekommen war. Eingeladen vom Forum Sempervivum, das gerade erst von Wolf-Dieter Storl gegründete Forum für die Aufklärung und Information über Pflanzen Tiere und Menschen.

Reno Sommerhalder ist seit rund 30 Jahren von der Wildnis und besonders auch von Bären und Tigern fasziniert. Mit 19 Jahren hat er seinen ersten Bären in freier Wildbahn erlebt und seitdem hat dieses große Tier ihn nicht mehr losgelassen. Er lebt mit seiner Familie in Banff in Kanada und beschäftigt sich dort mit dem Küsten-Braunbären, dem Grissly und dem Schwarzbären, die in Nordamerika zuhause sind. 

Er führt auch kleine Gruppen durch diese Natur und versucht ihnen Respekt vor den Bären und Zugang zur ursprünglichen Natur zu ermöglichen, um einen Beitrag zu vermitteln, wie es ist, sich mit den Bären auf die gleiche Stufe zu stellen und ihr Verhalten zu verstehen. In mitreißenden Erzählungen stellt er in seinem Vortrag die Geschichte einzelner Bären und Bärengruppen vor, die er schon seit Jahren beobachtet und denen er auch Namen gegeben hat, weil sie ein Teil seines Lebens geworden sind und so seinen Zuhörern nähergebracht werden können. 

Bedächtig, aber kraftvoll sind seine Schilderungen und zeigen die Tiere im Ablauf des Jahres. Fortpflanzung, Aufzucht der Jungen und bei Fischjagd in den Flüssen seiner Wahlheimat sind Kernthemen voller Leben und berichten auch von der Verträglichkeit dieser Riesen, solange man ihnen die nötige Vorsicht und den nötigen Abstand gewährt. Erstaunlich, wie nahe er dann aber kommen kann, um das Greifen eines Lachses oder das Anfressen der für den Winter nötigen Fettreserven zu vermitteln.

Auch dort, in den fast menschenleeren Gebieten im Bärenland ist nicht mehr alles in Ordnung: Wilddieberei an den Lachsen bei ihrer jährlichen Wanderung reduziert gleichzeitig die Vorkommen und von Jahr zu Jahr ist ein Rückgang der Bestände die Folge. Was aber geschieht dann mit den Bären? Das ist ein Phänomen rund um den pazifischen Raum, denn alle acht bekannten Lachsarten sind davon betroffen. Das natürliche Gleichgewicht gerät in die Schieflage und wenn die Bären in die Nähe der Zivilisation kommen um dort Nahrung zu finden haben die Menschen ein selbstgemachtes Problem. Für die Bären ist der menschliche Nahrungsabfall gewiss keine vernünftige Nahrung und die Nähe der Menschen kann dann schon zu gefährlichen Situationen führen.

Zivilisationsdruck wächst
Nun ist Reno Sommerhalder auch immer wieder mit Projekten in anderen Regionen der Welt im Einsatz. Das Bärenprojekt in Sibirien bei dem der verwaiste Jungbären aufzog und auswilderte und betreute führte ihn dann in das Reich des Amurtigers der früher sibirischer Tiger hieß aber nur noch im Amur Gebiet vorkommt. Er schätzt die Zahl der frei lebenden größten Tigerart auf rund 500 und auch hier wird der Zivilisationsdruck stärker. Noch kam es nicht zu größeren Zwischenfällen, aber nur so lange, wie die Großkatzen genügend Nahrung finden. Immer wieder kommt es zur Wilderei auf allen Kontinenten und wie Menschen so sind: Wenn sie etwas nicht verstehen, wird es als gefährlich eingestuft.

Im Anschluss, nach einer Pause, waren dann Reno Sommerhalder und Wolf-Dieter Storl zusammen auf der Bühne und beantworteten die Fragen der Zuhörer. Zwei naturverbundene und naturliebende Menschen standen da nebeneinander, fanden mit dem nötigen Humor und verständigen Kommentaren Antworten auf die gestellten Fragen, ohne das Thema aus den Augen zu verlieren: Die Vermittlung von Verständnis für Zusammenhänge, die uns zivilisatorischen „Krüppeln“ längst nicht mehr möglich sind. 

Manfred Schubert

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