Jubiläum mit Fotodokumentation

Altstadthaus feiert Jubiläum

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Monika Rohlmann im Gespräch mit Altstadthausleiter Karlheinz Frick, der an dem Abend alle Hände voll zu tun hatte. Er war nicht nur Gastgeber sondern saß auch bei der Altstadthausband am Schlagzeug. Historische Aufnahmen reproduzierte die Fotografin in Alu-Dibond Butlerfinish, die den Bildern einen metallischen Effekt gibt und sehr wertig aussehen lässt. Die Ausstellung läuft bis zum 10. August.

Bevor sich die Gäste im großen Saal des Altstadthauses versammelten, um den offiziellen Teil der Veranstaltung zu genießen, schlenderten sie durch die Gänge des Bildungs- und Freizeitzentrums für Senioren in der Schützenstraße.

Sie betrachteten mit Freude Collagen, die die Kemptener Journalistin und Fotografin Monika Rohlmann unter die Überschrift „Zeitsprünge“ gestellt hat.

Es wurden interessante Sprünge durch das Haus, durch die Zeit und durch die Gassen der Altstadt daraus. Um ein möglichst breites Spektrum fotografischer Leckerbissen präsentieren zu können, entschied sich Monika Rohlmann, die Bilder auf ein kleineres Format, bekannt aus den Zeiten der Polaroid-Sofortbildkamera, herunterzubrechen. Sie klammerte die Bilder an Drähte, was in gewisser Weise ein Retro-Flair erzeugte. Historische Aufnahmen reproduzierte sie in der effektvollen Alu-Dibond-Technik.

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von der Altstadthausband (Rainer Schmid, Hans Schmölz, Toni Lill, Roland Walter und Karlheinz Frick). Mit Stücken wie „Mona Lisa“ oder „Bad Bad Leroy Brown“ boten sie dem begeisterten Publikum hinreißenden Swing. Karlheinz Frick führte als Leiter des Altstadthauses durch die Veranstaltung.

Dies sei keine Kunstausstellung, sondern eine künstlerische, aber vor allem eine haus- und stadtgeschichtliche Fotoausstellung, in der Momentaufnahmen von diesem Stück Kemptens zusammengetragen wurden, präzisierte Ursula Winkler in ihrer Laudatio anlässlich der Vernissage. Winkler erinnerte daran, dass Rohlmann sich auch als Mitinitiatorin des Kemptener „Foto-Runs“ einen Namen gemacht hat, wofür das Altstadthaus als Basislager und Ausstellungsort des Öfteren diente. „Ich komme seit Jahren gern in das Haus und erinnere mich an viele schöne Erlebnisse. Deshalb habe ich mich gefreut und gern ja gesagt, als man mich fragte, ob ich die Ausstellung gestalten möchte“, so die Fotografin am Ende des Abends. Auf der Suche nach Motiven in und rund ums Altstadthaus wurde sie fündig im Haus selbst, im Stadtarchiv, bei der Sozialbau, der „Altstadt-Traudl“ und bei Heinz Singer, der in der ­Burgstraße wohnt.

Das Gebäude sei längst eine Institution in Kempten und in ganz Bayern: „Denn so ein Altstadthaus als Freizeit- und Begegnungszentrum, vorwiegend für Seniorinnen und Senioren, so eine tolle Sache gibt es nur hier. Dieses Haus war bei einer Eröffnung 1977 einzigartig und wird es vermutlich bleiben“, ist sich die Laudatorin sicher. Winkler erinnerte an Hans Breidenstein, damals Geschäftsführer der Sozialbau und Direktor der Städtebaugesellschaft, der das „Servicecenter für die alten Kemptener Mitbürger“, nun „Altstadthaus/Haus der Senioren“ Realität werden ließ. Von Anfang lasse sich in diesem Fall von einem Erfolgsmodell sprechen. Das Altstadthaus sei Anlaufstelle für viele Menschen, die aus dem Arbeitsleben ausgetreten sind und gern das reichliche Angebot an Bildung und Freizeitaktivitäten nutzen. Hier werde geratscht, gelacht, gelernt, gereist, getanzt und gebastelt. Lothar Köster, Vorgänger von Karlheinz Frick, habe das Altstadthaus einmal treffend „ein Jugendhaus für Erwachsene“ genannt.

Für Winkler, die elf Jahre lang die Museen der Allgäumetropole geleitet hat, springt die Dokumentation aber auch mitten hinein in den einst reichsstädtischen Stadtkern, der in den 1970er Jahren neu definiert wurde und vermittelt die Atmosphäre dieser Zeit. Sie erinnerte daran, dass es zunächst Widerstand gegen den Bau seitens des Bayerischen Landesdenkmalamts gab, die Kommune letztlich aber ihre Vorstellungen durchsetzen konnte. Der Bau, dessen Hausherr die Sozialbau ist, wurde 2015/16 umfangreich innen und außen saniert. Ursula Winkler sparte in ihrer Rede nicht mit Kritik an so mancher baulichen Entwicklung in der Illerstadt. Manche Stadtquartiere seien durch mehr oder weniger gesichtslose Neubauten ersetzt worden und sie bedauert – wörtlich – die „Hinwegsanierungen“ von Traditionsgaststätten, wie zum Beispiel „Zum Kreuz“, „Zum Lamm“, „Zur Gans“ oder „Zum Schützen“. Und sie plädierte dafür, eines der ältesten Gebäude Kemptens, gleich neben dem Altstadthaus, zuletzt genutzt als Wäscherei Sänger, nicht dem Verfall preiszugeben.

Parallel zur Ausstellung „Zeitsprünge“ wurde eine Broschüre, in der Zeitzeugen, wie Emmi Szedalik, Enzo Mattina und Lothar Köster zu Wort kommen und ihre ganz eigenen Erfahrungen sowie Ansichten schildern, herausgegeben. Für den Text zeichnet Monika Rohlmann verantwortlich, die grafische Gestaltung übernahm Martin Odstrcil , der im Übrigen auch bei der Vorbereitung der Ausstellung mitwirkte.  Hildegard Ulsperger

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