Fotografisches Kaleidoskop

In Text und Bild hat die Fotodesignerin Ulrike Grothe bekanntere und unbekanntere Familien aus dem Allgäu portraitiert, die drei Generationen unter einem Dach vereinen. Foto: Tröger

„Familienbande – Generationen im Allgäu“ hat die Fotodesignerin Ulrike Grothe ihre Fotoausstellung – zu der auch ein gleichnamiges Buch erschienen ist – im Börsensaal des Kornhauses betitelt. Fünf Jahre lang hat die Münchnerin mit Zweitwohnsitz in Niedersonthofen recherchiert, Interviews geführt und fotografiert. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop aus schwarzweiß Fotografien und Texten, die Allgäuer Familien portraitieren. Familien, die drei Generationen unter einem Dach vereinen, im Wohnen und/oder Arbeiten.

Nicht nur die familieneigene Geschichte kommt darin zum Tragen. Gleichermaßen dient die Symbiose aus Bildern und Texten als Spiegel der Allgäuer Lebenswelten und Lebensphilosophien. Was auf den ersten Blick vielleicht zu idyllisch erscheinen mag, offenbart rasch, dass die physische Nähe zwar zusammenschweißt, aber auch ihren Preis hat: Eine gehörige Portion Bereitschaft jedes einzelnen Familienmitglieds Konflikte zu lösen und zum Miteinander. Da ist beispielsweise die Familie Stoll, die seit zehn Generationen in Wollmuths lebt. Im Fokus stehen Max Stoll, Jahrgang 1929 und sein Sohn Josef Stoll, Jahrgang 1960, die beide auch in der eigenen Schmiede arbeiten sowie dessen Sohn Markus Stoll, Jahrgang 1990, derzeit zur Lehre außer Haus. „Ma braucht zum streita it so weit springa“ steht plakativ als Zitat Josef Stolls auf einer Texttafel zur Familiengeschichte. Seine wohl ziemlich allgäu-typische Antwort auf die Frage, was er am Zusammenwohnen schätze. Seelen-Einblicke Aufschlussreich sind auch Antworten auf Fragen wie die nach dem Frühstück, das es in der Kindheit der einzelnen Generationsvertreter gab. Oder nach dem wichtigsten Ereignis in ihrem Leben. Oder worin die größte Veränderung im Allgäu liegt – für drei Generationen der Familie Sprinkart aus Gopprechts sehr unterschiedlich. Waren es bei Hansjörg Sprinkart, Jahrgang 1929, die technischen Landwirtschaftsgeräte in den 1950er und 1960er Jahren, empfindet sein Sohn Adi Sprinkart, Jahrgang 1953, die soziale Kontrolle für Andersdenkende weniger stigmatisierend, während dessen Sohn Christian, Jahrgang 1983, keinen besonders großen Unterschied mehr zwischen Land und Stadt ausmachen kann. Bloße Familiengeschichtchen könnte man sagen – wären da nicht die Fotografien, in denen Grothe den Erzählern und Erzählerinnen in die Seele blickt. Direkt, ungeschminkt, dennoch feinfühlig erzählen die Bilder das, was die Worte nicht unbedingt preisgeben. Ein bisschen mehr Zeit sollte man deshalb beim Ausstellungsbesuch schon mitbringen. Bilder und Texte gehören hier unweigerlich zusammen. Für einen Audioguide wurden kurze Stücke aus den langen Interviews ausgewählt – für Nicht-Allgäuer gelegentlich schwer verständlich, aber eine gelungene Ergänzung. Bis 6. Januar sind die generationenübergreifenden Familienbande noch zu besichtigen im Börsensaal des Kemptener Kornhauses. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr. Geschlossen ist sie am 24./25. Dezember und 1. Januar. Geöffnet ist sie außerdem am 26. Dezember und 31. Dezember sowie am 6. Januar.

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