"Wir werden viele Hits dabei haben"

BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken im Gespräch

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Kempten – Wolfgang Niedecken ist seit nunmehr 42 Jahren der Frontmann von BAP. Kennen Sie nicht? Zumindest denjenigen, die in den 1980er aufgewachsen sind, ist die Kölner Rockband durch ihren Hit „Verdammp lang her“ ein Begriff. Im Mai gehen Niedeckens BAP wieder auf Tour. Den Auftakt macht am 29. Mai das Konzert in der bigBOX ALLGÄU, dem mehrtägige Proben vor Ort vorausgehen werden. Aus diesem Anlass stellte sich der 67-Jährige im Rahmen einer Pressekonferenz in Kempten ganz nahbar und freundlich den Fragen der Medienvertreter.

Seit den Anfangstagen als Hobbyband und dem großen Durchbruch mit „Verdammp lang her“ im Jahr 1981 ist viel passiert. Über 30 Alben hat Wolfgang Niedecken sowohl mit BAP (in wechselnden Besetzungen) als auch solo veröffentlicht. Die Lieder berühren und begeistern (trotz der für viele Nicht-Rheinländer schwer verständlichen kölschen Texte) bis heute zahllose Fans quer durch alle Altersklassen. Niedeckens aktuelles Soloalbum „Reinrassije Strooßekööter/Das Familienalbum“ hat er im Mai 2017 in New Orleans aufgenommen. 

Das eine oder andere Stück daraus wird auch auf der anstehenden Tour zu hören sein, die die Band bis 2019 in rund 40 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz führen wird. Als Musiker sind mit Werner Kopal, Anne De Wolff, Ulrich Rode, Michael Nass und Sönke Reich dieselben Musiker dabei wie schon bei der Jubiläumstour 2016. Sie alle bereiten sich bereits intensiv auf die Tournee vor. Ende Mai probt dann die ganze Band zusammen vier Tage lang in der bigBOX, wo am 29. Mai das sogenannte „Warm-up-Konzert“ als eine Art Testballon für die eigentliche Tour stattfinden wird. Als Besonderheit wird dieses mal ein Bläsersatz, bestehend aus Axel Müller (Saxophon), Christoph Moschberger (Trompete) und F. Johannes Goltz (Posaune) mit auf Tour gehen.

„Diese Drei sind mir immer wieder bei verschiedensten Gelegenheiten über den Weg gelaufen“, erzählt Niedecken. „Schließlich habe ich sie gefragt, ob sie Lust hätten, bei unserer Tour mitzumachen. Sie waren sofort Feuer und Flamme und wir freuen uns alle sehr darauf. Dadurch kommen auch wieder ganz andere Stücke in Frage, die wir ewig nicht mehr gespielt hatten.“ Wie beispielsweise „Waschsalon“, das Niedecken irgendwann selbst nicht mehr hören konnte, wie er schmunzelnd zugibt. „Aber jetzt wird es wieder interessant, weil wir es jetzt endlich so spielen können, wie ich es mir immer gewünscht habe. Klar hätten wir das auch mit Bläsern aus dem Synthesizer machen können, aber das wollten wir nicht.“ 

Was die Setlist betrifft, sei noch nichts in Stein gemeißelt, so Niedecken. Nur so viel: „Wir werden viele Hits aus unserem riesigen Repertoire dabei haben und es wird mehr gerockt, als dass Beschauliches stattfindet.“ Das Bühnenbild werde an einen Ballsaal im alten New Orleans erinnern und das Gesamtpaket stelle „eine schöne Mischung aus Rock‘n‘Roll und Südstaaten-Flair“ dar. Dass die gesamte bigBOX für das Event bestuhlt sein wird, erklärt er so: „Unsere Konzerte dauern ja über drei Stunden. So lange zu stehen, ist schon ein bisschen hart. Ich selbst bin mittlerweile im Rentenalter und es gibt auch Leute im Publikum, die im Rentenalter sind und die sich gerne mal zwischendurch hinsetzen möchten. Man muss da uneitel sein und da muss sich auch keiner blöd vorkommen“, findet er. „Wenn ich mir die Rolling Stones angucke, bin ich auch froh, wenn ich mich zwischendurch mal hinsetzen kann.“

Natürlich bleiben bei einem wie Niedecken, der für seine politische Wachsamkeit und sein humanitäres Engagement bekannt ist, auch politische Fragen nicht aus. Er sei überparteilich, betont er und bedauere es sehr, dass „wir es immer wieder schaffen, auf große Demokraten und so gute, erfahrene Politiker wie beispielswiese Peer Steinbrück, Joschka Fischer oder Sigmar Gabriel zu verzichten.“ Als besonders besorgniserregend stuft er „den weltweit zu beobachtenden Vormarsch der Populisten ein.“ Europa müsse aufpassen, „dass es nicht auseinanderfliegt oder implodiert. Wir haben noch dreieinhalb Jahre Zeit, dann wird in Frankreich und Deutschland wieder gewählt. Bis dahin muss auf jeden Fall das Europa der zwei Geschwindigkeiten gesichert sein. Wenn die AfD hier an die Macht kommt und in Frankreich die Front national, dann gehen wir ganz schlimmen Zeiten entgegen.“ 

Als Musiker könne er in gewissem Maße Einfluss nehmen. „Empathie, Mitgefühl, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Wenn nur noch Darwinismus über alles entscheidet, wird es furchtbar. Man muss versuchen, die Leute vom Verhärten zu bewahren. Das versuche ich mit meinen Songs.“

Sabine Stodal

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