Selbstbestimmt leben im Alter – geht das?

Eine Seniorenwohnung mit smarter Technik zeigt, was die Zukunft bringt

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Die Schränke im Schlafzimmer sind absenkbar und so auch von kleinen Menschen ohne gefährliche Stolperfallen nutzbar.
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Einfaches Ein- und Aussteigen ist bei diesem Bett die Devise, es lässt sich bis in die Sitzposition schwenken und ermöglicht auch das Umsteigen in den Rollstuhl ohne fremde Hilfe.
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Sensoren im Boden registrieren einen Sturz und sendet ein Notsignal, falls sich die Person nicht wieder bewegt.
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Auch bei Geschirr und Besteck wurden die besonderen Bedürfnisse älterer Menschen berücksichtigt.
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Die Küche überrascht mit absenkbaren Schränken, sogar die Arbeitsflächen können niedriger eingestellt werden. Elektrisch öffnende und schließende Schranktüren bieten hohen Bedienkomfort und gute Erreichbarkeit.
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Bei Bedarf kann die intelligente Toilette die Vitalwerte der Bewohner überprüfen.
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Ruth Nowak Amtschefin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, Prof. Dr.-Ing. Petra Friedrich, Wissenschaftliche Leiterin AAL Living Lab, Bernd Sibler, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Johannes Zacher, Wissenschaftlicher Leiter AAL Living Lab sowie Prof. Dr. Robert F. Schmidt, Präsident der Hochschule Kempten.

Kempten – Wir werden immer älter, im Durchschnitt beträgt die derzeitige Lebenserwartung 80 Jahre. Solange es geht, in den eigenen vier Wänden leben, den Alltag aus eigener Kraft bestreiten, das wünschen sich die meisten.

Ein Umzug ins Altersheim? Meist aus der Not, denn die eigene Wohnung ist nicht barrierefrei und überall lauern Stolperfallen. Was kann man da tun? Mit möglichen Lösungen rund um die Themen Mobilität, Ergonomie und Gesundheit beschäftigt sich nun intensiv die Hochschule Kempten. Die Fakultäten Soziales & Gesundheit und Elektrotechnik suchten nach praktikable Unterstützung im Senioren-Alltag. Herausgekommen ist dabei auch das „AAL Living Lab“ – eine Lehr- und Forschungswohnung mit Assistenzsystemen.

AAL oder„ambient assistant living“ bedeutet frei übersetzt, technische Lösungen zu schaffen, um im Alter selbstbestimmt zu leben. Die 55 Quadratmeter große Wohnung befindet sich im Seniorenwohnheim der BSG Allgäu in Kempten. Mit seinen innovativen Ideen hat das „AAL Living Lab“ im Sommer den „DW Zukunftspreis“ der Immobilienwirtschaft gewonnen. Am Dienstag Abend war dort offizielle Schlüsselübergabe – Vertreter aus Politik, Gesundheit und Medien staunten über das innovative Projekt.

Technik, die den Menschen dient

Für Hochschulpräsident Professor Dr. Robert F. Schmidt sind die Themen „Gesundheit und Generationen“ in der Region Allgäu von besonderer Bedeutung. Die Lebenserwartung ist hoch und viele verlegen ihren Alterswohnsitz in die attraktive Urlaubsregion. Eigenständigkeit wahren und häusliche Pflege zu vereinfachen, sei der Wunsch vieler Senioren und deren Angehöriger. Doch die meisten Wohnungen sind darauf nicht ausgelegt. Daher sei es dringend notwendig, intelligente technische Unterstützung zu entwickeln, „die den Menschen dient“, unterstrich auch Staatssekretär Bernd Sibler an diesem Abend.

Die Frage, ob solch eine moderne Technik von der älteren Generation auch angenommen wird, beantwortetet sich Ruth Nowak, Amtschefin des Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, gleich selbst. Auch wenn Skepsis gegenüber zu viel Technik in der Pflege herrsche, gelte für die meisten: „Lieber daheim statt im Heim.“ Und auch Pflegefachkräfte würden von der Technik profitieren, da sie so „mehr Zeit für den Menschen“ haben. Solche Projekte seien zudem wichtig, so Nowak, um „zu zeigen, was alles möglich ist“.

Was tatsächlich alles möglich ist, zeigen die vielen raffinierten Ideen in diesem „smart home“. Vom Sensor-Fußboden, der Stürze registriert, bis zur funktionalen Küche mit herunterfahrbahren Schränken und Arbeitsplatte, alles ist ausgerichtet auf mehr Sicherheit und Selbstständigkeit für die Bewohner. Über ein leicht bedienbares Tablet lassen sich alle Haussysteme steuern. Auch die Beleuchtung spielt eine große Rolle beim assistierten Wohnen. Denn im Alter lässt die Sehkraft nach.

Medizincheck im Bad

Demenz-Patienten soll das eingebaute bio-dynamische Licht helfen, ihren Tagesablauf besser zu strukturieren. Das Licht passt sich automatisch den Verhältnissen draußen an, mal wärmer, mal mit höherem Blau-Anteil. Es kann an trüben Tage sogar „Schönwetter machen“ – zumindest in den Innenräumen. Im Bad befindet sich ein Dusch-WC mit Föhnfunktion, sowie ein telemedizinisches System mit „Gesundheitscheck“. Es kann den Blutdruck messen, die Sauerstoffsättigung überprüfen und über den Toilettengang weitere Vitalwerte überprüfen. Das ist heute noch Zukunftsmusik, aufgrund der sensiblen Daten. Es könnte aber in naher Zukunft den Gang zum Hausarzt ersparen, erklärt Laboringenieur Alexander Karl.

Und wie geht es dort weiter? Die Ausstattung wird kontinuierlich mit Senioren auf ihre Praxistauglichkeit geprüft. Echte menschliche Bewohner gibt es nicht in der Lehr- und Forschungswohnung, doch verschiedene Putzroboter tun dort fleißig ihren Dienst. Und auch zwei humanoide – also dem Menschen ähnliche – Roboter mit Namen „Nao“ und „Pepper“ sind schon zu Forschungszwecken „eingezogen“.

Wer Interesse hat, kann das „AAL Living Lab“ bei einer Führung erleben. Informationen dazu gibt es unter www.hs-kempten.de/aal.

Weitere Gesundheits-Projekte sind im Studienfeld „Gesundheit und Generationen“ der Hochschule ebenfalls in Planung. Dafür läuft eine intensive Zusammenarbeit mit den Hochschulen Neu-Ulm und Augsburg. All das macht Hoffnung, dass selbstbestimmtes Wohnen im Alter keine Zukunftsmusik bleibt.

Steffi Koller

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