Außen unscheinbar, innen prunkvoll

Tag der offenen Moschee in Kempten

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Ein prunkvoller Teppich, glitzernde Kronleuchter, Kanzeln und Gebetsnische: Habib Abahmane erklärt den Besuchern der DITIB-Moschee die Ausstattung des Gebetsraumes.
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In der DITIB-Moschee in der Füssener Straße konnten die Besucher beim Tag der offenen Moschee den Gebets- und Waschraum der Männer besuchen.
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In der DITIB-Moschee in der Füssener Straße konnten die Besucher beim Tag der offenen Moschee den Gebets- und Waschraum der Männer besuchen.
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In der DITIB-Moschee in der Füssener Straße konnten die Besucher beim Tag der offenen Moschee den Gebets- und Waschraum der Männer besuchen.
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In der DITIB-Moschee in der Füssener Straße konnten die Besucher beim Tag der offenen Moschee den Gebets- und Waschraum der Männer besuchen.
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In der DITIB-Moschee in der Füssener Straße konnten die Besucher beim Tag der offenen Moschee den Gebets- und Waschraum der Männer besuchen.
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In der DITIB-Moschee in der Füssener Straße konnten die Besucher beim Tag der offenen Moschee den Gebets- und Waschraum der Männer besuchen.
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In der DITIB-Moschee in der Füssener Straße konnten die Besucher beim Tag der offenen Moschee den Gebets- und Waschraum der Männer besuchen.

Kempten – Maria, die Mutter des Propheten Jesu, spielt eine besondere Rolle im Islam. Eine ganze Sure ist ihr im Koran gewidmet. Nach dem Gebet benutzen die Gläubigen 99 an einer Schnur aufgereihte Perlen, um je 33 Mal Allah zu danken, zu loben und preisen.

Gläubige Muslime spenden 2,5 Prozent ihres Einkommens, auch für deutsche Einrichtungen. Das und viele weitere Einzelheiten zum muslimischen Glauben, zu seinen Ritualen und Gebäuden erfuhren die Besucher der DITIB-Moschee der Türkisch Islamischen Gemeinde in der Füssener Straße und des Integrations- und Bildungsvereins Sülaymaniye Moschee in der Memminger Straße. Unter dem Motto „Gute Nachbarschaft – Bessere Gesellschaft“ öffneten die beiden Vereine wie jedes Jahr viele Moscheen am Tag der Deutschen Einheit ihre Gebetshäuser.

„Politik ist das eine, Religion ist das andere“, diesen Satz hörte man am Tag der offenen Moscheen mehrfach. Auch Habib Abahmane, der die Gäste durch den Gebetsraum der DITIB-Moschee führte, benutzt ihn. Rund 100 Interessierte nahmen das Angebot seines Vereins wahr und schauten sich über den Tag verteilt die Gebets-, Wasch- und Gemeinschaftsräume an. Manche Besucherinnen hatten sich verschleiert, andere nicht. Während der Führungen und anschließend bei Gebäck und Tee konnten die Besucher Fragen stellen. Diese waren durchaus kritisch. Die Diskussion war rege.

Abahmane, der seine Worte lebhaft mit Gesten unterstrich, betonte die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam. Er erklärte, dass 70 Prozent dessen, was im Alten Testament geschrieben stehe, deckungsgleich mit dem Koran sei. Ein Besucher warf ein, dass das Alte Testament aber auch „ein Buch des Mordens und Gemetzels sei“ und Mohammed seinen Glauben auch mit dem Schwert propagiert habe.

Die Passagen des Koran, in denen Gewalt „vorkomme“, müsse im geschichtlichen Kontext gesehen werden, sagte Vereinsvorstand Zafer Simsek im Anschließenden Gespräch, und ergänzte, dass Mohammed auch keine Angriffs-, sondern nur Verteidigungskriege geführt habe.

„Wenn Jesus im Islam ein Prophet ist: Akzeptiert der Islam dann den katholischen Glauben?“, will eine Dame wissen. Abahmane erklärt, dass Katholiken in islamischen Ländern als religiöse Minderheiten Rechte genießen. Auch ein Übertritt zum Christentum sei möglich, wenn der Gläubige davon überzeugt ist. „Es besteht kein Zwang im Glauben“, sagt Abahmane.

Der Tag der offenen Moschee diene auch dazu, sich vom Missbrauch des islamischen Glaubens für gewalttätige Zwecke zu distanzieren, wie er auf eine Publikumsfrage ausführt.

Eine Frau hatte die deutliche Distanzierung von Seiten der türkischen Gemeinden vermisst. Abahmane kritisiert aber auch, dass die Stadt dem Verein nicht erlaubt hätte, außerhalb des Geländes mit Plakaten auf den Tag der offenen Moscheen hinzuweisen. Vorstand Simsek berichtigt später, dass die Veranstaltung lediglich habe angemeldet werden müssen, es hätten sehr wohl Plakate aufgehängt werden dürfen.

Der Tag der offenen Moschee ist mit Spenden finanziert und wie 99 Prozent aller Tätigkeiten ehrenamtlich auf die Beine gestellt. Neben dem Gebet steht das Haus den Gemeindemitgliedern auch als Begegnungsstätte offen. „Die Frauen- und Jugendabteilung“ sind sehr aktiv, sagt Simsek und die Leiterin der Elterngruppe Ayla Inan ergänzt: „Die Frauen machen zum Beispiel gemeinsame Reisen, es gibt ein Frauenfrühstück und auch das Sportangebot aus Trekking und Gymnastik ist sehr beliebt.“ Neben Flüchtlingshilfe und Nachhilfeunterricht leiste der Verein in der Elterngruppe Vermittlungsarbeit, wenn es Probleme in der Schule gibt.

Flüchtlinge im Haus des Bildungs- und Integrationsvereins

„Es ist schon interessant, dass das alles hier durch Spendengelder finanziert ist!“, sagt Herta Tschugg, die in die Sülaymaniye Moschee gekommen ist, „dabei hat der Integrations- und Bildungsverein in Kempten nur 140 Mitglieder.“ Herta Tschugg und die anderen Besucher stehen im großzügigen und hellen Gebetsraum in der Memminger Straße. Üppige Ornamentfliesen zieren die Wände und die Einrichtungselementen für die Gebete. Alles ist in Rot und Blau gehalten.

Es gibt zwei Kanzeln, eine, auf der der Imam an Fest- und Feiertagen predigt, und eine, auf der alle Gemeindemitglieder – auch Kinder – etwas erzählen können. Das erklärt Erbil Sevban, der Imam der Gemeinde, der auch „Hodscha“ (Lehrer) genannt wird. Der Theologe ist erst seit zwei Monaten in Kempten und wohnt mit seiner Familie in einer der Wohnungen im Haus, in dem auch der Bildungsverein, die Moschee und zwei Flüchtlingsfamilien untergebracht sind. Nach seiner Ausbildung in Köln war er erst in Dornbirn tätig, nun hat ihn der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) nach Kempten geschickt. „Die Kemptener haben beim Dachverband einen Imam angefordert, der Deutsch spricht und dessen Frau eine theologische Ausbildung hat“, sagt der Familienvater. Seine Frau betreut nun ehrenamtlich die weiblichen Mitglieder der Gemeinde und liest den Koran mit ihnen. Gerade sucht das Ehepaar nach einem Kindergartenplatz für die fünfjährige Tochter.

Im zweiten Stock des Hauses ist der Gebetsraum für Frauen untergebracht. Von der Decke hängt unter einer Glaskuppel eine riesige Kugel aus glitzernden Glassteinen. Der Raum ist etwas schlichter gehalten als der für Männer, dafür steht den älteren Damen, die nicht mehr so gut knien können, ein weiches Sofa zur Verfügung. Eine Kamera überträgt das Freitagsgebet der Männer nach oben.

Eine rituelle Waschung, die gläubige Muslime vor dem Gebet durchführen müssen, führte Jugendvorstand Haci-Enes Keyhan in der DITIB-Moschee vor. „Die Waschung bereitet uns auf das Gebet vor und macht uns rituell rein“, sagt Keyha, „ ohne sie ist das Gebet ungültig.“ In einem speziell dafür ausgestatteten Waschraum im Keller der Moschee führt er die Gäste. Um eine mittig platzierte Säule herum finden sich fünf Waschplätze, je mit Wasserhahn und Becken. Vor eines setzt sich der Jugendvorstand auf einen Schemel. Zuerst muss sich der Gläubige gedanklich auf die Waschung vorbereiten, erklärt Keyha stellt seine Beine auf den Beckenrand und wäscht jeweils dreimal die Hände, den Mund, die Nase, das Gesicht, die Arme, den Kopf, die Ohren, den Nacken und die Füße. „Wichtig ist, alles mit Wasser zu benetzen“, erklärt er. Bei Mund und Nase wird das Wasser richtig durchgespült. Reinheit ist im Islam wichtig. Eine Waschung reicht für zwei bis drei Gebete. Komme der Körper mit Flüssigkeiten wie Blut oder Eiter in Berührung, sei die Reinigung aber Pflicht.

Pflicht sind für jeden Gläubigen auch die fünf Gebete pro Tag. Morgens, kurz nach Mittag, nachmittags, abends und nachts führen sie je nach Sonnenstand die rituellen Bewegungen durch und rezitieren Verse aus dem Koran. Insgesamt dauert das eine Stunde täglich. Die Abfolge von Stehen, Verneigen, zu Boden gehen, Knien führte Hodscha Sevban in der Sülaymaniye Moschee in der Memminger Straße vor. „Wichtig ist, Richtung Mekka (Saudi-Arabien) zu beten“, erklärt er. Auch die Gebetsnische im Gebetsraum der Moschee ist in diese Richtung ausgerichtet. Dort steht der Imam als Vorbeter. Den Teppich durchziehen mit Ornamenten verzierte Streifen. „Auf diesen Linien stellen sich die Betenden auf. Dann haben sie den richtigen Abstand, um beim Verbeugen nicht, an den Vordermann zu stoßen“, erklärt der Lehrer.

Aber auch in der Sülaymaniye Moschee wird nicht nur gebetet. Sie ist auch Treffpunkt und Bildungsstätte. Am Wochenende erhalten die Kinder Religionsunterricht, für Flüchtlinge finden Deutschkurse statt. Geplant ist auch eine Gruppe, in der Kinder nach dem Kindergarten mit ihren Eltern spielen können. Besonders freut sich Vorstand Mehmet Yalcin auf das Kermes-Fest am kommenden Wochenende. Auch am Samstag und Sonntag, 7. und 8. Oktober (10-20 Uhr) sind alle Kemptener eingeladen, zusammen mit der Gemeinde zu feiern.

Susanne Kustermann

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