Kunstarkaden" begeistern

Riesenandrang bei der Eröffnung des dreiteiligen Kunstprojekts

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Aus den Sparkassenarkaden wurden Kunstarkaden. Auf einen regen Austausch mit den BesucherInnen freuen sich Initiatoren und Künstler.
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Aus den Sparkassenarkaden wurden Kunstarkaden. Auf einen regen Austausch mit den BesucherInnen freuen sich Initiatoren und Künstler.

Kempten – „Es soll ein brodelnder Kessel sein“, hatte der Kemptener Künstler Guido Weggenmann in einem Gespräch mit dem Kreisboten vor gut einem Monat gesagt, als er sein ambitioniertes Projekt Kunstarkaden vorstellte. 

Seitdem ist viel passiert in den zuvor temporär als Schalterhalle der Sparkasse genutzten Arkaden, die nach Fertigstellung des gegenüberliegenden Sparkassen-Neubaus leer standen. Nicht nur dieser Wunsch des Initiators Weggenmann ist schon mal aufgegangen. Denn bei der ‚Mehrfach’-Eröffnung glichen die drei unterschiedlich bespielten Räume der mit Kunst und Menschen gefüllten Kunstarkaden tatsächlich einem munter brodelnden Kessel.

Auch der von Weggenmann erhoffte Austausch zwischen den drei Abteilungen Off-Galerie, Projektraum und Atelier für etwa monatlich wechselnde Artists-in-Residence blieb kein bloßer Wunsch. Im Projektraum, dem „Herzstück“ der drei Räume, zeigen noch bis 4. Januar 2019 zwei Hochkaräter ihre Werke, die „von ihrer Kunst leben“ – ein Kriterium, das Weggenmann beim Bestücken des mittleren Raumes wichtig ist: Marco Schuler (www.marcoschuler.net) und Georg Thumbach (www.georg-thumbach.de), beide Jahrgang 1972, beide mit beachtlicher künstlerischer Vita.

So gegensätzlich die Ansätze der beiden Künstler auch sein mögen, so harmonisch fügen sie sich hier zu einem runden Ganzen. Die Wände werden von Thumbach bespielt, den Weggenmann als „Hardliner“ bezeichnet, der „bei Wind und Wetter in Montur in den Wald geht“ und Skizzen mache. Im Atelier werden die im Kopf und auf dem Block gesammelten Strukturen des Waldes auf großformatigen Grobspanplatten verarbeitet. Diese werden erst einmal angezündet, um anschließend in das Schwarz der angekohlten Platte mit Flex, Schleifpapier, Motorsäge und ähnlichem Werkzeug faszinierend filigrane Waldstrukturen zu zaubern.

Alu harmoniert mit Holz

Dass Schulers Alu-Figuren aus einem ganz anderen ‚Holz geschnitzt’ sind, stört nicht im Geringsten. Sie stehen schließlich verstreut im Projektraum, wie Bäume im Wald und bilden allein schon dadurch einen schönen Bezug. Seine Figuren „schnitzt er flott aus grobem Styropor“, um sie dann in Alu zu gießen, wobei es ihm nicht ums filigrane Ausarbeiten gehe, meinte die Kunsthistorikerin Birgit Höppl M.A., in ihrer Eröffnungsrede dazu. Es sind Figuren, die so ungeschminkt wie unumwunden das Leben wie den Tod verkörpern, umgeben von durch Werden und Vergehen gekennzeichnete Baumstrukturen. Einen eigenständigen und doch integrierten Kontrapunkt setzt Schulers Video, das in Endlosschleife auf einem kleinen Bildschirm zu sehen ist. Im orangefarbenen Arbeitsoverall – eine Art Markenzeichen von ihm – kriecht er darin durch ein Rohr und tut einmal mehr das, was Höppl beschrieb als über die Welt staksen, „wie er sie sich zusammenstellt“. Die große Anstrengung, die ihn das sinnfreie Tun offensichtlich kostet, lässt über das Leben sinnieren...

"Nur für diesen einen Moment"

Eine einmalige Chance bot der in Oberstaufen ansässige Foto- und Sound-Künstler Pio Mars in seinem Atelier, in dem er als erster Artist-in-Residence bis 22. Dezember (auf seiner Finissage ab 19 Uhr kann das Ergebnis seiner dortigen Arbeit besichtigt werden) Quartier bezogen hat. „Nur für diesen einen Moment“ hatte er beide Seiten einer Leuchtwand mit unzähligen seiner Fotos als Collage bestückt.

Den Monat im Atelier möchte er nutzen, um ein „ebenso großes zweiseitiges Bild zu schaffen“, mit all den Dingen, die er in Kempten beobachtet und fotografiert, oftmals nur kleine Details, in denen „schon ganz viel Kraft steckt“ sowie Dinge, „die man schon oft gesehen, aber so noch nie wahrgenommen hat“. Es soll den Titel „Chromosome City“ tragen; ein Titel, der auch etwas mit seiner vor vier Monaten zur Welt gekommenen Tochter mit der Chromosomenstörung „Trisomie 21“, besser bekannt unter Down-Syndrom, zu tun hat. Denn seine Tochter habe ihm gezeigt, was er tue. „Ich nehme was ich sehe, schmeiße es in einen Topf und schaue was herauskommt“. Eben genau wie es mit dem Chromosom 21 sei: „Da sind ein Mann und eine Frau, wie man sie kennt, aber es kommt etwas anderes dabei heraus.“

Sein künstlerisches Feld ist die Collage, sowohl was seine Fotoarbeiten betrifft, als auch seine schwer zu beschreibend ergreifende elektronische Musik, für die er auch selbst Synthesizer baut. Nach seiner Überzeugung ist eh alles miteinander verbunden, wie er am Beispiel eines Bilderrahmens erklärt, den er verwendet, der aber schon von jemand anderem gemacht worden sei. „Was ich glaube und was ich sehe ist die absolute Freiheit für mich“, sagt Pio Mars, der mit seinen Bildern inspirieren möchte, wie ihn „inspiriert, was ich sehe und was andere Menschen gemacht haben“. Mars will alles zeigen, was einen Menschen ausmacht, das Schöne und das Hässliche, das Gute und das Böse, „der Mensch kann hassen und lieben“, weshalb „meine Bilder bei Märchen anfangen und bei Horror enden“.

Immer freitags öffnet er sein Atelier von 19 bis 20 Uhr für Besucher, die dort nicht nur Fotoarbeiten vorfinden, sondern vor allem den Künstler in Wohnzimmeratmosphäre bei einer Sound-Performance erleben können. Eine Kostprobe hatte er auch im größeren Rahmen zur Vernissage gegeben. Mars, der die Musik als seinen „Antrieb“ bezeichnet, ohne den er „nie diese Bilder machen könnte“, freut sich auf den Austausch mit seinen BesucherInnen, wie er betont.

Auf regen Austausch freuen sich auch die im Schwerpunkt Kemptener Künstler, die die Off-Galerie bestücken. Derzeit sind das der Bildhauer Winfried Becker (Metall- und Betonarbeiten), der Kunstschmied/Metallgestalter Markus Elhardt, Pio Mars mit Fotocollagen, Guido Weggenmann mit irritierenden, (zum Nachdenken) provozierenden und skurrilen Werken sowie Heidi Netzer, die „zurück zum Ursprung“ gegangen ist und Zeichnungen zeigt, die ohne Nacharbeit „mit Zeichenbrett und Hocker im Wald von Irsee“ entstanden seien. Auch hier harmonieren die doch sehr unterschiedlichen Werkgruppen, bestehend aus handlich kleinen bis raumgreifend großen Exponaten erstaunlich gut miteinander. Außerdem ist hier alles käuflich. Sogar die Kenneth-Cobonpue-Designer-Möbel in der Sitzecke, deren Erlös dank guter Beziehungen Weggenmanns in den Topf mit den restlichen Sponsorengeldern fließen darf.

Befristet ist das Projekt, für das die Sparkasse Allgäu die sonst leer stehenden Räume in den Sparkassenarkaden zur Verfügung stellt und auch die Nebenkosten trägt, zwar bis August 2019. Aber wie Sparkassen-Vorstand Manfred Hegedüs bei der Begrüßung der Vernissagegäste bereits verlauten ließ, stehe „einer Verlängerung derzeit nichts im Wege“. Auch OB sowie Sparkassen-Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Kiechle zeigte sich sehr angetan von dem neuen Kunstangebot in Kempten. Allein auf der Website der Stadt Kempten findet sich (bislang?) kein Hinweis auf den neuen Kunstraum.

Die Kunstarkaden, Königstraße 18-20, sind geöffnet Do-Sa, 16-20 Uhr, sowie So, 11-14 Uhr; das Atelier immer freitags 19-20 Uhr. Der Eintritt ist in allen Kunstarkaden-Räumen frei. Geplant ist auch ein Rahmenprogramm mit anderen Kultur-Disziplinen wie Architektur oder Literatur. Infos unter www.kunstarkaden-kempten.de.

Christine Tröger

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