Geschicht(ch)en und ein Geschenk

200 Jahre vereintes Kempten auch Thema beim Kemptener Neujahrsempfang

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Persönlich begrüßten OB Thomas Kiechle (l.) und seine Frau Ulrike (dahinter) zahlreiche Gäste aus den verschiedensten Bereichen der Kemptener Gesellschaft.
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Ein besonderes Geschenk aus dem privaten Fundus hatte Dr. Franz Tröger (l.) für OB Thomas Kiechle dabei: Einen originalen Reisepass eines gewissen Jean Rial vom 28. März 1810, der Handelsbevollmächtigter von Zumstein war.
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Gestalteten einen kurzweiligen offiziellen Teil des Neujahrsempfangs der Stadt Kempten: (v.l.) Kemptener und Konzertorganisator Dr. Franz Tröger, Theater-Chefin Silvia Armbruster, Stadt-archivar Dr. Franz-Rasso Böck und OB Thomas Kiechle.Fotos: Tröger
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Kempten – Es war eine Neujahrsansprache, die vor Rekorden nur so strotzte: Mit Knacken der 70.000er Marke ist „die Einwohnerzahl auf einem historischen Höchststand“ und Rekorde verzeichnete OB Thomas Kiechle beim Empfang

ausgewählter Gäste in der Schrannenhalle des Kemptener Rathauses auch bei den Themen Arbeitsplätze, Geburtenzahlen, Studenten, Zuzug, Investitionen der Privatwirtschaft, dazu ein boomender Wohnungsbau, expandierende Wirtschaft und: „Jetzt ist auch noch das „große Loch“ verkauft“, wie er schmunzelnd anmerkte.

„Wir starten also mit Schwung ins neue Jahr“ und dank rechtzeitig gemachter „Hausaufgaben“ und solider Finanzen sei man auch in der Lage, die städtische Infrastruktur entsprechend anzupassen. Dabei, betonte er, werde nicht nur in den weiteren Bedarf an Schulen, kulturelle Angebote, Sport und vieles mehr investiert, sondern „auch in den gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserer Stadt“, unter anderem durch die Städtebauförderung Soziale Stadt. „Weichenstellungen“ kündigte er bei Verkehr und Mobilität an, da das Mobilitätskonzept nun so weit sei, „um die Ziele für die nächsten Jahre festzulegen“. „Unser absolutes Schwerpunktthema“ aber sei der Wohnungsbau, wobei darauf geachtet werde, „dass nicht nur auf der grünen Wiese gebaut wird“, sondern auch Brachflächen genutzt werden. Allerdings, räumte er ein: „Hier einen für alle akzeptablen Weg zu finden, ist nahezu unmöglich.“

Zuversichtlich zeigte er sich bezüglich der Entwicklung des Herzstücks zwischen Alt- und Stiftsstadt – „Was auch immer im und um den Stadtpark geschieht, es wird eine positive Veränderung für Kempten sein, davon bin ich überzeugt“ – welches ihm gleich die perfekte Überleitung zum diesjährigen Stadtjubiläum „200 Jahre vereintes Kempten“ lieferte.

Dass der Weg „zu einem neuen Selbstverständnis oder gar zu einer städtischen Identität“ auch nach der 1818 geschlossenen „Zwangsehe“, vor der sich Reichsstadt und Fürststift jahrhundertelang „in bedingter Kooperation, Koexistenz und offener Feindschaft gegenüberstanden“, noch lang war, wie OB Kiechle meinte, konnten Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck historisch sowie der Kemptener Dr. Franz Tröger mit Anekdoten aus seinem Leben belegen. Nach Böcks kurzweiligen Ausführungen zum deutschlandweit einzigartigen Kemptener „Doppelgebilde“, bei dem es nicht nur für die beiden Städte schwierig gewesen sei, eine bayerische Regierung übergestülpt zu bekommen, sondern auch für die Regierung, beide unter einen Hut zu bekommen, lauschten die Gäste mit amüsierter Aufmerksamkeit den Geschichten aus Trögers Jugend zwischen den „Revieren“. 

Da habe ein Neustädter wie er bei einem Besuch am Holzplatz mit der Androhung einer „Fotzen“ rechnen müssen. Um Kempten nach seiner Rückkehr vom Studium und, als er 1960 die elterliche Firma übernommen habe, mit voranzubringen, sei er in den Stadtrat gegangen (1966-1981, davon 14 Jahre als Kulturbeauftragter). Als die Firma 1980 verkauft worden sei, habe sich in der Stadt bereits „so viel bewegt“, dass er „Hoffnung hatte, dass Kempten das wird, was es immer behauptet hat: eine richtige Stadt“ und heute „möchte ich nirgends lieber leben als hier“, bekannte er. Sein Wunsch an die Entscheidungsträger der Stadt, „einmal inne zu halten“, über den Tellerrand zu schauen und auch einmal „zu spinnen“, bei Visionen für die Stadtentwicklung, wie einst bei den „großen Entscheidungen der Stadt“. Dass die beiden ehemals geteilten Städte heute eine Einheit bilden, sah er noch nicht so. Unter anderem gebe es für beide Teile einen eigenen Verein. „Warum gibt es keinen gemeinsamen Verein aus einem Guss“ für die gesamte Kemptener Altstadt?

Tröger, der Mitte der 1960er Jahre, so Kiechle, auch die Initiative ergriffen habe, „um Konzerte auf die Bühne zu bringen, auch auf eigenes Risiko“ und bis heute „für die hohe Qualität des Angebots“ stehe, war für den OB das Bindeglied zum Rückblick auf ein Jubiläum des Vorjahres, dem zehnjährigen Bestehen des Theaters in Kempten. Mit der künstlerischen Direktorin Silvia Armbruster plauderte er über den kommenden Märchensommer auf der Burghalde oder auch über ihre Eigenproduktionen am Theater, die, so Armbruster, „in einer anderen Stadt anders aussehen würden“. „Man muss, darf mit den Menschen arbeiten, die hier sind“, was die Produktion beeinflusse, erklärte sie.

Und anlässlich des Jubiläums gab es noch ein besonderes Geschenk aus dem privaten Fundus von Tröger an OB Thomas Kiechle: Einen originalen Reisepass eines gewissen Jean Rial vom 28. März 1810, der Handelsbevollmächtigter von Zumstein war.

Christine Tröger

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