Von der Wasserburg zur Wohn- und Werkstätte

Die Geschichte von Schwabelsberg

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Kloster Schwabelsberg mit Kirche und Turm.
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Fürstabt Johann Willibald Schenk von Castell.
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Fürstabt Roman Giel von Gielsberg.
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Schwabelsberg heute.

Kempten – Im Kemptener Stadtteil Thingers liegt Schwabelsberg, in dessen Nähe sich der Schwabelsberger Weiher befindet. Er besteht aus drei unterschiedlich großen, aber zusammenhängenden Weihern mit kleineren Nebenteichen.

Einst stand hier eine Wasserburg der Herren von Schwaboldsberg, in anderen Quellen auch als „Swaboltzsberch“ bezeichnet. Dieses Geschlecht gab dem Gebiet seinen Namen. Als spätere Schreibweise setzte sich dann Schwabelsberg durch. In älteren Flurkarten findet sich auch die Bezeichnung „Schwabensberg“.

Folgender (zweiteilige) Artikel basiert auf einem Vortrag, den Bertilia Dorn und Franz Abele vom ortsgeschichtlichen Arbeitskreis Heiligkreuz, am 7. November 2017 beim Heimatverein in Kempten gehalten haben. Die geschichtlichen Inhalte des Beitrages hat weitgehend Abele erarbeitet, der auch erlaubt hat, dass dieses Thema hier abgedruckt wird. Ergänzungen stammen vom Autor.

VON DR. WILLI VACHENAUER

Nach dem Tod des Ritters Hans von Schwaboldsberg (oder „Swaboltzsberch“) im Jahre 1368 wechselte das Schloss, das man eher als eine Burg bezeichnen konnte, öfters seinen Eigentümer. Zunächst gelangte der Besitz, zu dem noch zwei Bauernhöfe gehörten, durch Erbschaft an die Kemptener Familie Rot in der Reichsstadt. Diese veräußerte das Anwesen im Jahr 1428 an Sigmund Steinbrecher, der das Gut aber schon 1441 an die drei Brüder Ulrich, Jörg und Hans Vogt weiterverkaufte. 1482 kam dann der Besitz durch Erbschaft an das Geschlecht Stein aus Lindau. Die Steins verkauften 1506 das Schloss um 1200 Gulden an die Familie Vogt in Kempten, die aber keine Verbindung zu den Gebrüdern Vogt hatten. Durch den oftmaligen Besitzwechsel nach teilweise sehr kurzer Zeit, wandelte sich das Gut, zu dem auch eine Kapelle, die St. Anna-Kapelle gehörte, von einem Herrschaftssitz zu einem bürgerlichen Anwesen. Auf Antrag von Gabriel Vogt erhielt am 20. April 1514 die St. Anna-Kapelle in Schwabelsberg von römischen Bischöfen einen Ablassbrief erteilt.

Am 19. Mai 1518 verkaufte Gabriel Vogt, als Oberhaupt der vorgenannten Familie Vogt, das Gut Schwabelsberg zum Preis von 2000 Gulden in „Rheinisch guter Landwährung“ an das Stift Kempten. Zur gesamten Liegenschaft gehörte damals das Schloss mit Kapelle, eine Meierei, ein Hofgarten, Teiche, Holzmarken und drei Weiher zu ­Depsried. In dem Kaufvertrag, in dem Herr Vogt bestätigte, dass er das Geld von Fürstabt Johann Rudolf von Raitnau in bar erhalten hat, ist Herr Vogt als „Römisch Kaiserlicher „Meijestat“ betitelt. Wenig später, am 24. Mai 1518, gibt es einen weiteren Kaufvertrag, in diesem ist der Verkauf des Inventars erwähnt. Darin sind aufgeführt: Fünf Haggen– und zwei Schlangenbüchsen (Gewehre), dann Ross und Vieh, Heu und Stroh, Wagen und Pflüge, Schiff und Geschirr und die „Füsch“ in den Weihern. Mit „Schiff und Geschirr“ sind die Pferdegeschirre mit Zubehör, samt Ein- oder Zweispänner Wagen gemeint.

Im Bauernkrieg 1525, nahmen aufständische Bauern das Schloss Schwabelsberg ein, plünderten es und steckten die Gebäude in Brand. Bei dem Zerstörungswerk tat sich, wie es in den Quellen heißt, ein Bauer mit Namen „Toni Rappenschech“ besonders hervor. Schon bereits ein Jahr später, 1526, wurde das Anwesen wieder aufgebaut.

1537 gewährt Fürstabt Wolfgang von Grünenstein den zehn Klosterfrauen, den sogenannten „zehn Grauen Schwestern“ Zuflucht in Schwabelsberg. Die Nonnen des kleinen katholischen Sankt Anna Klosters (an der heutigen Suttschule) mussten durch die Ereignisse der Reformation aus der evangelisch gewordenen Reichsstadt flüchten. Nach einem kurzen Aufenthalt in Schwabelsberg fanden sie dann in Hirschdorf eine Bleibe. Erst nachdem sie ihren Besitz in der Stadt verkauft hatten, zogen sie ab 1548 in das Franziskanerkloster nach Lenzfried.

Der Bauhof von Schwabelsberg

Der Bauhof war ein landwirtschaftlicher Betrieb, also ein Bauernhof, der die Herrschaft von Schwabelsberg mit Lebensmitteln in Form von Fleisch, Getreide, Gemüse und Obst versorgte. Am Aftermontag, also am Dienstag, den 9. September 1572 verlieh (heute würde man sagen verpachtete), Fürstabt Eberhart von Stein den Schwabelsberger Bauhof auf die Dauer von sechs Jahren an Mang Heinzelberger aus der Pfarrei Betzigau. Bauhöfe wurden zur damaligen Zeit immer für die Dauer von sechs Jahren verliehen. Zeigte sich der Verpächter, also die fürstäbtliche Herrschaft mit den Leistungen des Pächters zufrieden, dann bestand die Möglichkeit, den Vertrag auf weitere sechs Jahre zu verlängern. Falls nicht, hatte der Pächter den Hof zu verlassen und musste schauen, wo er unterkam. Hier sind einige Einzelheiten aus diesem Pachtvertrag aufgeführt. Darin bekam der neue Pächter die Anweisung: „So solle er sogleich hinaus Reiten (nach Schwabelsberg) und den Pferden Heu und Stroh streihen und geben.“ Als lebendes Inventar des Bauhofs sind zu dieser Zeit genannt:

• fünf Hengste

• zwei Stuten und zwei Fohlen,

• 15 Kühe samt einem Ferren (Stier)

• acht heurige und acht vendige Kälber (vorjährige Kälber oder einjährige „Schumpen“).

Als Inventar ist aufgeführt: Wägen, Pflüge, Gschiff und Gschirr und alles was man zum „Paue“ braucht. Mit „Paue“ sind die Gerätschaften gemeint, die man zum Bewirtschaften eines Bauernhofes benötigte, zum Beispiel Sensen, Rechen, Gabeln, Dreschflegel usw..

Damit der Bauhof seinen Wert behielt, machte die Stiftkemptische Verwaltung dem Pächter strenge Auflagen. Er soll ihn in „Ehren“ halten. So durfte der Pächter keine Grundstücke Verkaufen, Verpfänden, oder weiter verpachten. Der Pächter musste auch die Knechte und Mägde, die bisher auf dem Bauhof arbeiteten mit übernehmen, das heißt ihnen Kost und Lohn oder auch Unterkunft geben.

Als Fürstabt Eberhart von Stein nach einer Teuerung Geld benötigte, ließ er im Jahr 1572 in Schwabelsberg eine Münzprägeanstalt einrichten. Es sollen aber nur ungefähr 1275 Stück Münzen geprägt worden sein. Dabei handelte es sich um Gulden mit Wappen und Bildnis des Fürstabtes, sowie Zehnkreuzer Stücke mit Wappen. Diese Münzprägeanstalt bestand 1623 noch, denn im Jahr 1622 gab es Streit zwischen dem Stiftkemptischen Münzmeister namens Jakob Prinz in Schwabelsberg und den Männern in der Münze zu Obergünzburg, die durch ein Feuer zerstört war. Der Schwabelsberger Münzmeister war zuständig für die Lieferung von Silber und Baumaterial nach Obergünzburg, um die dort abgebrannte Münzpräge wieder aufzubauen. Zum Münzbetieb in Schwabelsberg gehörten: Schreibstube, Wagstube, Schmiede, Schmelze, Prägstube und Kuchl (Küche). Außerdem eine Knecht- und Mägdekammer. Der Münzmeister Jakob Prinz hatte auch Anspruch auf ein eigenes Reitpferd. Denn er benötigte das Pferd, um in Obergünzburg nach dem „Rechten“ zu sehen. Die in Schwabelsberg geprägten Münzen scheinen von schlechter Qualität gewesen zu sein, da sich Kaiser Maximilian sich über die „mindere Ware“ beschwerte.

Als sich während des 30-jährigen Krieges (1618 – 1648) im März 1632 schwedische Truppen dem Allgäu näherten, brach im Schwabelsberger Schloss Panik aus. Der neu gewählte katholische Fürstabt Johann Willibald Schenk von Castell versuchte sich mit der evangelischen Reichstadt zu einigen und schlug ein gemeinsames Verteidigungsbündnis gegen die anrückenden Schweden vor.

Bürgermeister Zacharias Jenisch aber ließ dem Fürstabt ausrichten, dafür sei es jetzt zu spät und es sei „die Zeit gekommen, dass einer den anderen auffressen müsse“. Beim weiteren Heranrücken der Schweden schlug der Abt erneut eine gemeinsame Verteidigung vor. Der protestantische Stadtrat würdigte ihn aber keiner Antwort. Das veranlasste den Fürstabt, mit all seinen Kapitularen nach Bregenz und Romanshorn zu fliehen. Als Statthalter in Schwabelsberg blieb in der schweren Zeit nur der Stiftsherr Joachim von Grafenegg zurück. Ein Brief aus einem Amtsprotokoll des Landammanns beschreibt die damalige Lage wie folgt: „Demnach Laider der Fürstlich Stüfft und Grafschaft Kempten, den 22 ten May Anno 1632 vor dem Schwedischen Kriegs Volkh stündlich überfallen, und genzlich ruiniert worden, und dahero fasst menigerlich flichten wir müssen ins Exilio“. Es sei erwähnt, dass sich bei der Zerstörung des Stifts Kempten, das vor den Toren der Reichsstadt lag, neben der schwedischen Soldateska auch Kemptener Bürger beteiligt haben. Wie sehr sie dabei gewütet haben, darüber gibt die „Untrasrieder Chronik“ Auskunft. Danach drangen Kemptener Bürger in den Schreinkonvent ein, öffneten die Särge mancher Fürstäbte und schändeten die Leichname. Dieser Bericht verdeutlicht den abgrundtiefen Hass, der zwischen den Bürgern der evangelischen „Freien Reichsstadt Kempten“ und den Herren des katholischen Fürststifts geherrscht hatte. Schwabelsberg das zum Stiftsgebiet gehörte, also zu Grafschaft Kempten (ab 1213 tauchte diese Bezeichnung für das Stiftsgebiet das erste Mal auf), wurde nun ebenso wie das Umland, „im Namen des Königs von Schweden“ von der Reichsstadt aus verwaltet. Denn die Schweden vermachten auf „ewige Zeiten“ das „befreite“ Gebiet des Fürstabtes der Kemptener Obrigkeit und setzten reichsstädtische Ratsherren als Verwalter des Stiftsgebietes ein. In schwedischem Namen ließ die Stadt sofort die Steuern für die ohnehin schon ausgeplünderten Bauern in einem solchen Umfang erhöhen, dass dies die Bauern völlig überforderte. Ein Sekretär in Schwabelsberg beklagte sich, dass auf Pfingstabend 1632 der in diesem Stifts Schloss gelegene Hausrat und Haber (Hafer) geplündert und selbiger mit fünf Wagen in die Stadt abgeführt wurde. In der gleichen Archivalie sind zehn Fuhren Getreide erwähnt, die ebenfalls geraubt und in die Stadt gefahren wurden. Das vergiftete Klima zwischen den protestantischen Reichsstädtern und der katholischen Herren des Stiftslandes zeigt ein weiteres Beispiel: Der Fürstabt ließ in einem der Schwabelsberger Weiher einige tausend Jungfische einsetzen. Um den verhassten Katholiken des Stiftsgebietes zu schaden, warfen wenig später Bürger der evangelischen Reichsstadt in einer Nachtaktion einige große Hechte in den Weiher, die fast alle Setzlinge wieder auffraßen.

Nach der Zerstörung des Klosters und der Stiftskirche durch Schweden und Stadtbürgerschaft, zogen die Kemptener Benediktiner Mönche und ihr Abt Johann Willibald Schenk von Castell nach ihrer Rückkehr 1633 aus dem Exil ins Schloss Schwabelsberg. Eine vorliegende „Steuer und Abgabenbeschreibung der Landvogtei diesseits der Iller“ um 1635 in Schwabelsberg geschrieben, also drei Jahre später nach dem die Schweden das Allgäu heimgesucht haben, gibt Auskunft über Gebäude, Viehbestand und Aussaatmenge der Höfe in diesem Gebiet: Zum Beispiel ein Haus so bewohnt, oder ein verderbtes Haus, hat ein altes Roß, ein Füllen, zwei Küh, zwei Kälber eine Stellkuh; und Sät aus: Dreiviertel Vesen (Dinkel), Sechsvierte Haber, Dreiviertel Gerste, Vierviertel Roggen.

Fürstabt Willibald Schenk starb 24. März 1639 in Schwabelsberg. Daraufhin wurde am 19. Mai 1639 Roman Giel von Gielsberg in Unterthingau zum neuen Fürstabt gewählt, und vom Papst bestätigt.

Der Krieg hatte dramatische Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung. Viele Menschen auf dem Land wurden durch marodierende Schweden ausgepresst (Schwedentrunk) und auf teils bestialische Art und Weise ermordet. Viele Menschen verhungerten, weil ihnen die Soldateska das Vieh und die Getreidevorräte raubten und etliche Bauernhöfe anzündeten. Daher wollte der neue Fürstabt wissen, wie viele Bauernhöfe in seinem Stiftsland noch vorhanden sind, welchen Viehbestand sie hatten und wie viele männliche Untertanen die Raubzüge gesund überlebt haben. Also erließ der Fürstabt an alle Ämter und Pfarreien des Stiftes Kempten folgenden „Generalerlass, betreffend Erbhuldigung“: „Der hochwürdige Fürst und Herr Romanus Fürst von Gottes Gnaden erwählter und bestätigter Abt des Fürstlichen Stifts Kempten verkündet und gebietet im Nichtgehorsamsfall bei Strafe allen Stiftkemptischen Untertanen, Eigenleuten, Söhnen und Knechten, jungen und alten, was Wehr und Waffen tragen kann, (das heißt alle männlichen Bewohner zwischen 16 und 70 Jahren) zum jeweils festgesetzten der Pfarrei morgens um sieben Uhr im fürstlichen Schloss Schwabelsberg zu erscheinen, um dem neuen Landesherrn und Prälaten von Kempten den Huldigungseid zu Leisten. Wer diesem Gebot nicht nachkommt, zahlt eine Strafe von vier Pfund Pfennig, wenn sich herausstellt, dass er aus Ungehorsam nicht erschienen ist. Gegeben im fürstlichen Schwabelsberg am 22. Mai 1640“. Boten verbreiteten die Nachricht an die einzelnen Pfarreien und die Pfarrer verkündeten sie während des Sonntagsgottesdienstes von der Kanzel. Daher hatten am 31. Mai 1640 die genannten Personen um sieben Uhr morgens aus folgenden Pfarreien zu erscheinen: St. Lorenz, Krugzell, Wiggensbach, Buchenberg, Wengen, Rechtis Hellengerst und Urlau. Tags darauf waren andere Pfarreien an der Reihe. Insgesamt mussten die genannten männlichen Untertanen von 29 Pfarreien hier in Schwabelsberg huldigen, das heißt, dem Fürstabt gehorchen und erscheinen. Da die meisten Menschen zu Fuß nach Schwabelsberg unterwegs waren, kann man sich vorstellen, welche Belastung die Huldigung für die Untertanen bedeutete.

Einige Jahre später, am 16. Mai 1644, schloss Fürstabt Roman Giel von Gielsberg hier auf Schwabelsberg mit den Glockengießern Honoratus und Claudius aus Lothringen, auch die „Roßier Gebrüder“ genannt, einen Vertrag über die Lieferung von sieben neuen Glocken. Diese Glocken, von denen die größte 80 Zentner wiegen sollte, waren für die beiden Türme des geplanten Neubaus der Stiftskirche (heute St. Lorenz-Kirche) bestimmt. Die Glocken lagen dem Fürstabt offensichtlich sehr am Herzen, denn sowohl die Türme als auch die neue Stiftskirche befanden sich noch im Planungsstadium. Als „Material“ stellte der Fürstabt den Glockengießern die alten Glocken aus der einstigen Stiftskirche, sowie die Glocken von: Schwabelsberg, Wiggensbach, Obergünzburg, und Schloß Liebenthann zur Verfügung. Die fünf Glocken vom Schwabelsberger Kirchturm wurden schon abgehängt und gewogen. Die größte wog 13 Zentner 19 Pfund, die kleinste drei Zentner 43 Pfund. Die Glocke Nr. 4 mit fünf Zentner und sechs Pfund, sollte nach Wirlings, in den dortigen Kirchturm verbracht werden. Die Glocken der vorgenannten Kirchen wurden aber nur zum Teil eingeschmolzen.

Die nächsten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1664/65 und beinhalten eine Aufstellung fast aller Bauhöfe im Stift Kempten. Es gibt heut noch Aufzeichnungen über den Bauhof Schwabelsberg von Martini = 11. November 1664, bis Georgi = 23. April 1665, über Viehbestand, Schmalz-, Butter- und Käsevorrat und deren Verbrauch. Im Winterhalbjahr 1664/65 standen hier 13 Reit- und Zugpferde im Stall. Außerdem ist unter der Rubrik „Ausgabe an Schmalz“ zu lesen: Von den Bauhöfen Schwabelsberg und Haldenhof 16 Pfund Butter in den Konvent, sowie 11 Pfund Butter in die Hofküche geliefert. In diesem Winterhalbjahr verzehrten alle Angestellten des Bauhofs etwas mehr als zwei Zentner Käse und in der Fastnacht 1665 wurde aus dem eigenen Viehbestand ein Schwein geschlachtet.

Es ist exakt verbucht, wie viele Viertel Haber der „Hofbäck“, fürs Brotmehl erhielt, welche Menge fürs Häberles Mus ausgegeben und wie viel „Zuchthaber“ (Saathafer) zum Ansähen der Äcker verwendet wurde. Aufgeführt sind auch die Lagerbestände an Roggen, Vesen (Dinkel) und Weizen, den auch Privatleute kaufen konnten, sowie die Vorräte an Lein (Flachssamen), Erbsen und Bohnen. Die Buchführung in den Bauhöfen gibt auch Auskunft über die Gesindelöhne. So verdiente zum Beispiel ein Taglöhner beim Dreschen 20 Kreuzer pro Tag. Von 1650 bis 1691 war Schwabelsberg auch Einnahmestelle für den Kleinzehent (damalige Abgabe und Steuer) sowohl für die Pfarrei St. Lorenz, als auch für andere Pfarreien. Der Kleinzehent beinhaltete damals nach einer vorliegenden Steuerliste aus zwei bis sechs „Raisten“ Flachs und für größere Bauerhöfe zusätzlich noch ein oder zwei Rieb (Viertel) Getreide. Ein Raisten Flachs bestand aus zusammengebundenen Flachsgarn und wog etwa zwei Pfund. Mancher Bauer musste noch Zusätzlich zehn Krautköpfe, oder ein Viertel Rüben als Kleinzehent geben. Es gab auch damals schon Steuerverweigerer oder Menschen bei denen die Obrigkeit nichts holen konnte, denn bei einem Steuerpflichtigen aus der Pfarrei St. Lorenz steht der Vermerk: „Gibt das dritte Jahr nix“!

Am 26. Mai 1655 wurde in Schwabelsberg zwischen Fürstabt Giel von Gielsberg und dem „Maurermeister Johann Serro von Newburg“ der Vertrag zum Weiterbau der Stiftskirche St. Lorenz unterschrieben. Serro löste den Vorarlberger Baumeister Michael Beer ab, der mit dem Bau der Kirche begonnen hatte.

Zwischen 1668 bis 1679 verließen nach und nach der Fürstabt, sein Konvent und weitere Mitarbeiter der Verwaltung die Anlage Schwabelsberg und zogen in die neu erbaute Residenz. Als erster zog der Fürstabt am 27. Februar 1668 in den neuerbauten Südost-Flügel seiner Residenz. Ein Großteil seines Konvents aber blieb zunächst in Schwabelsberg, unter anderem deswegen, weil er sich der vegetarischen Ernährungsweise des Fürstabtes widersetzte. Darüber zeigt sich Fürstabt Roman so erbost, dass er die Mönche in Schwabelsberg von drei bewaffneten Bauernhaufen belagern ließ. Dies versetzte die Kapitulare in solche Todesangst, dass sie die Sturmglocken läuteten. Daraufhin eilten bewaffnete Bauern aus der Umgebung zu ihrer Unterstützung herbei und vertrieben die Belagerer, die kurz zuvor noch Teile des Schlosses geplündert hatten. Nachdem der Fürstabt die ungehorsamen Kapitulare in Schwabelsberg von den Lebensmittellieferungen abschneiden und somit aushungern lassen wollte, flüchteten die meisten von ihnen nach St. Gallen. Erst nach dem Tode des Fürstabts Roman Giel von Gielsberg im Jahre 1673, kamen die Kapitulare zurück. Am 21. November 1674 um 7 Uhr früh zog der Konvent in einer feierlichen Prozession von Schwabelsberg in die neue Residenz. Um 1680 ließ Fürstabt Rupert von Bodman in den nun leerstehenden Räumen in Schwabelsberg durch Weberknappen aus der Schweiz eine Weberei einrichten. Ab 1694 gab es hier auch die Leinwandschau zur Überprüfung der Qualität der Leinwandbahnen. Es ist aber nicht bekannt wie lange die Weberei und die Leinwandschau existierten.

In Folge 2 zur Geschichte von Schwabelsberg, in unserer Ausgabe am 7. Februar 2018, geht es weiter mit dem Fürstabt Rupert von Bodman, der mit Brief vom 13. November 1715 beschlossen hatte in Schwabelsberg eine „Filial Seelsorge“ Stelle einzurichten und weiter bis in die Jetztzeit.

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