Für weiße Mützen auf den Bergen

Fridays For Future: "Leute, lasst das Gaffen sein – reiht euch in die Demo ein!"

1 von 20
2 von 20
3 von 20
Mayr
4 von 20
5 von 20
6 von 20
7 von 20
8 von 20

Kempten – Die Kemptener Fridays For Future-Bewegung zieht als Alpendemo angekündigt durch die Innenstadt. Rund 400 Jugendliche, darunter auch einige Erwachsene, machen Laune und sind nicht zu überhören.

Ein Feuerwehrwagen fuhr der Schülerschar getreu dem Motto „Wir sind hier, wir sind laut, …“ als rollende Musikbox und Bühne von der Allgäuhalle bis zum Hildegardplatz voraus. Ein paar Dutzend Erwachsene empfingen die Menge rund um den sonnigen Platz. 

Auf ihrem Weg hierher waren die Demonstranten pitschnass geworden. Ein Grund mehr, um sich unterwegs bei fetziger Musik gespickt mit gebrüllten Forderungen für mehr Klimaschutzaktivität warm zu tanzen. Die Zuschauer wurden auch nicht verschont, vielmehr als Gaffer betitelt, die sich dem Zug der Jugend anschließen sollen, wenn sie schon am Rande dabei sind. 

Von der Wagenbühne wird das Thema Freihandel mit den Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay angesprochen. Die Sorge der Schülerinnen und Schüler: noch mehr Freihandelsabkommen, noch mehr Globalisierung fördert auch den Raubbau an der Natur wie die Abholzung des Regenwaldes in den besagten Staaten. Ein Demonstrant der älteren Generation aus Oberstdorf holt sich die Zustimmung der Menge zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs. Er fordert unter anderem, dass Fahrräder wie früher wieder kostenlos im Zug mitgeführt werden dürfen. Weitere Themen – Kohlestopp, Artensterben und die notwendige weiße Mütze für die Alpen – sind auf Transparenten zu lesen. 

Nach den kurzen Ansprachen zeigen die Vivid Curls mit ihrem Song zu Fridays for Future der Generation Z ihre volle Unterstützung. 

Wir müssen mehr werden 

Marco Eichberger und Benni Gras, aktiv im Kemptener Fridays For Future-Organisationsteam, hatten zuvor mit deutlich mehr Aktiven gerechnet. Zufrieden mit 400 Demonstranten sind sie trotzdem. „An der FOS hatten viele nur ein T-Shirt an, die sind bei dem strömenden Regen nicht mitgelaufen“, sagte Benni Gras. Für Eichberger ist das Wetter einfach ein unsicherer Faktor, der aber nun einmal zählt. Beide engagieren sich viele Wochenstunden für die Bewegung und haben nicht vor, nachzulassen. Es seien ca. 20.000 junge Leute in ganz Deutschland an den wichtigen Demotagen dabei, bei EU-weiten Aktionen steigere sich die Zahl auf insgesamt 300.000 Jugendliche. 

Corinna Arnold, ebenfalls im Orgateam, ruft am Ende der Demo auf dem Hildegardplatz die Anwesenden dazu auf, die Aktionen in allen verfügbaren sozialen Medien zu verbreiten. „Wir müssen mehr werden! Sagt es weiter und erzählt von der tollen Stimmung an unseren Aktionstagen!“ 

Fridays für alle? 

Zuvor traut sich außerdem eine Schülerin frei darüber zu sprechen, was sie so nervt. „Mein Vater.“ Er traue ihr nicht zu, dass sie etwas bewirken kann, sei ignorant. Aber als sie es dann doch in die Presse schaffte, hätte er öffentlichkeitswirksam zugestimmt – im Gegensatz zu daheim. Ihr Preis dafür waren Fridays For Future-Aufkleber auf der gesamten Frontscheibe seines BMWs. Wieviele solcher Ignoranten gibt es? Die Antwort ist sich jeder selbst schuldig. Doch eine Frage darf allgemein gestellt werden: Wieviel ließe sich mehr bewegen, wenn wir mitlaufen würden – bei Musik, Tanz und cooler Stimmung?

Annette Mayr

Auch interessant

Meistgelesen

Das sind die Samstag-Bilder aus der Kreisbote-Fotobox
Das sind die Samstag-Bilder aus der Kreisbote-Fotobox
Fotostrecke: Besuch auf der Allgäuer Festwoche
Fotostrecke: Besuch auf der Allgäuer Festwoche
Und das gab´s am Freitag in der Fotobox zu sehen
Und das gab´s am Freitag in der Fotobox zu sehen
Allgäuer Festwoche 2019 - die Polizeiinspektion zieht Bilanz
Allgäuer Festwoche 2019 - die Polizeiinspektion zieht Bilanz

Kommentare