Fragwürdige Zustände

Werner Gloning. Foto: Archiv

Die aktuelle Diskussion um Missstände in einem Augsburger Alten- und Pflegeheim und die Situation bei der Ausbildung von Altenpflegerinnen und -pflegern, waren für die DGB-Region Allgäu-Donau-Iller Anlass, sich in einem Fachgespräch mit der Situation der stationären Altenpflege in der Region auseinander zu setzen.

Für den DGB-Regionsvorsitzenden Werner Gloning ist dabei klar, dass Missstände in Alten- und Pflegeheimen „ohne Rücksicht auf Verluste“ aufgeklärt und transparent gemacht werden müssen. Gleichzeitig warnte er aber vor einem „Zerrbild“. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass gravierende Missstände in Alten- und Pflegeheimen praktisch an der Tagesordnung seien. „Im Gegenteil“, so Gloning „in den meisten Einrichtungen im Allgäu wird im Rahmen des Möglichen gute bis sehr gute Arbeit geleistet.“ Ein Altenheim sei in bestimmten Lebenslagen eine gleichwertige oder sogar bessere Alternative für diesen Lebensabschnitt. Dies komme, so der DGB-Regionsvorsitzende, in der öffentlichen Berichterstattung leider kaum vor. Auch deshalb hätten viele Menschen Angst vor dem Schritt ins Altenheim. Gloning äußerte im Übrigen die Überzeugung, dass im privaten Bereich mindestens eben so viele Missstände anzutreffen sind wie bei der stationären Versorgung. Dort gebe es nämlich keinerlei Kontrolle und es sei ein Tabuthema. Klar war für die Gesprächsrunde auch, dass sich die Rahmenbedingungen für die Altenpflege noch erheblich verbessern müssen. So müssten Einzelzimmer in Alten- und Pflegeheimen zum Standart werden. Gloning: „Es ist inhuman, wenn man in seiner letzten Wohnung – und das sei ein Pflegeheim und kein Krankenhaus minderer Qualität – die paar Quadratmeter die eine solche Wohnung noch hat, mit einer fremden Person teilen muss.“ Klar sei auch, dass die Personalschlüssel und die Fachlichkeit des Personals den steigenden Qualitätsanforderungen angepasst werden müssten. Qualitätseinbußen? Für den stellvertretenden DGB-Regionsvorsitzenden, Ludwin Debong, muss es auch ein Ende haben, dass Träger sich im Wettbewerb Vorteile auf dem Rücken des Personals durch schlechtere Bezahlung oder Auslagerungen verschaffen können. Das müsse auf Dauer zu Qualitätseinbußen führen. Ein Lösungsmodell könne sein, dass die Träger künftig gemeinsam Tarifverhandlungen führen, um für alle gemeinsame Bedingungen zu schaffen. Für Jutta Aumiller vom ver.di-Bezirk Allgäu ist es nicht nachvollziehbar, dass die Staatsregierung durch die Kürzung des Schulgeldausgleiches bei der Altenpflegeausbildung die Gefahr herauf beschwört, dass die Träger der Altenpflegeschulen die fehlenden Mittel von den Auszubildenden in Form von höherem Schulgeld verlangen müssen. Die Ausbildung in der Altenpflege müsse wie die Ausbildung in anderen Berufen auch kostenfrei sein. Das diejenigen, die einen gesellschaftlich so wichtigen Beruf ergreifen wollen, in der Ausbildung benachteiligt werden, ist für Aumüller nicht erklärbar. Wer einen handwerklichen Beruf erlernt, müsse für die Berufsschule auch nicht bezahlen. Wer Gesundheits- und Krankenpflegerin wird, habe ebenfalls eine kostenlose Ausbildung. Kein Nachteil Außerdem, so eine weitere Forderung der Fachrunde, sei es dringend notwendig, dass für Einrichtungen die ausbilden, die Kosten dieser praktischen Ausbildung keinen finanziellen Wettbewerbsnachteil gegenüber denen darstellen, die sich um ihre Ausbildung drücken. Deshalb seien alle Altenpflegeeinrichtungen durch eine Umlage an der Finanzierung der Ausbildung zu beteiligen. Diese Forderungen will die Gewerkschaft mit einer Petition an den Landtag durchsetzen.

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