Frauenfreundliche Politik war ihr Ziel

Einen kurzen Moment lang stand er wieder im Raum – der 8. Mai 2008. Seinerzeit hatte die Stadtratsmehrheit die Grünen unter anderem wegen dem Procedere um die Gründung einer Fraktion mit Elisabeth Brock von der Frauenliste ordentlich abgewatscht. Im Gegensatz zu damals wich die Anspannung aus den Gesichtern der Stadträte am Donnerstagabend aber schnell wieder. Anlass für die kurzzeitig spürbare Spannung im Gremium war die Verabschiedung von Brock und eine dazugehöriger Redebeitrag von CSU-Stadtrat Andreas Kibler sowie Brocks Antwort darauf. Doch der Reihe nach.

Wie bereits berichtet, legt Stadträtin Brock ihr Mandat nieder, da sie ein Sabbatjahr in der Mongolei verbringen will. Ihre Nachfolgerin im Gremium wird Lisa Slavicek, laut Liste aber nur Nachrückerin Nummer zwei. Ersatzfrau Nummer eins, Ex-Stadträtin Ina Schoenborn, hatte auf ihr Mandat verzichtet, da sie ihr Enkelkind betreuen müsse. Obwohl Stadtdirektor Wolfgang Klaus das am Donnerstag als „gewichtige Gründe“ bezeichnete, störte sich CSU-Stadtrat Andreas Kibler, selbst Familienvater, an der Argumentation. „Ich verstehe diesen Rückzieher nicht ganz“, sagte er. Als erste Nachrückerin müsse sie damit rechnen, ihr Mandat antreten zu müssen. „Außerdem hat jeder Stadtrat Familie und Angehörige“, betonte Kibler, der trotzdem Brocks Rücktritt seine Zustimmung erteilte, womit das Ergebnis zu ihrer Mandatsniederlegung einstimmig ausfiel. Keine Zweifel Brock erwiderte, dass es keine Gründe gebe, „an der Ehrlichkeit dieser Aussage zu zweifeln.“ „Die heutige Lebenssituation war damals nicht absehbar. Zumal Stadtratsarbeit mehr ist als zehn Sitzungen im Jahr“, verteidigte sie Schoenborn. OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) erinnerte in seiner Abschiedsrede vor allem an Brocks Bemühungen um eine frauenfreundliche Politik. „Das war für sie in allen Bereichen Ziel und Herzensangelegenheit“, so der Rathauschef. Weitere Themen, die der Stadträtin am Herzen gelegen hätten, waren der Bau weiterer Fahrradwege, Werbeplakate oder zu laute Musik aus den Geschäften in der Innenstadt, erinnerte Netzer. Für 20 Jahre Stadtratszugehörigkeit verlieh er Brock anschließend die Rathausmedaille in Gold. Brock erklärte die Auszeichnung zu einer „Routineangelegenheit, die mich in Hochstimmung versetzt – denn ich werde sie als Auszeichnung meiner Arbeit interpretieren.“ Das Plenum bat sie zum Schluss um Verzeihung: „Man möge mir meine kesse Lippe verzeihen“, sagte sie zum Abschied.

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