Wichtige Einrichtung

"Unter schwierigsten Bedingungen"

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Auf dem Friedensplatz schicken die Feiernden weiße Luftballons gen Himmel. Diese stehen symbolisch für die zahlreichen Frauen, die seit der Eröffnung im Kemptener Frauenhaus Schutz fanden.

Kempten – Häusliche Gewalt ist in vielen Familien ein Problem. Frauenhäuser bieten den betroffenen Frauen und Kindern Schutz, Hilfe und Rat. Seit Juni 1983 gibt es eine solche Einrichtung auch in Kempten.

Am Samstagvormittag feierten rund 150 Anwesende das 30-jährige Bestehen des Frauenhauses im und vor dem Kemptener Zumsteinhaus.

Die Trommelgruppe Samba-Sutra verbreitete mit ihren feurigen Rhythmen gleich zu Beginn Feierlaune. „Gewalt gegen Frauen beinhaltet nichts, was zum Feiern einladen könnte“, sagte Claudia Dalla Torre, Vorsitzende des Trägervereins „Frauen helfen Frauen“. „Wir wollen feiern, weil wir stolz darauf sind, dass wir durchgehalten haben und uns nun schon so lange diesem Thema stellen.“ Vieles habe sich verändert, aber es werde nie so sein, dass Frauen den Schutz eines Frauenhauses nicht mehr brauchen.

Sieben Frauen hätten im Dezember 1981 den Verein „Frauen helfen Frauen“ gegründet. Das erste Anliegen sei die Einrichtung eines Notetelefons gewesen. Die verstorbene Pfarrerin Inge Nimz habe damals den Verein mit einem Seminar in Notfallseelsorge unterstützt. „Die Vereinsgründerinnen begannen, bei Ärzten, der Polizei, Krankenhäusern, bei Familienrichtern und Eheberatungsstellen Umfragen zu machen, um den Bedarf eines Frauenhauses in Kempten zu belegen“, erzählte Dalla Torre. Die Frauen seien hartnäckig geblieben, im Juni 1983 sei es ihnen schließlich gelungen, die Stadt Kempten von der Notwendigkeit zu überzeugen. „Der Verein bekam versuchsweise für ein Jahr ein Häuschen mit zirka 80 Quadratmetern zur Verfügung gestellt.“ Die Einrichtung habe damals fast ausschließlich aus Gebrauchtmöbeln und Möbeln vom Sperrmüll bestanden.

„Bereits in den ersten sieben Monaten haben 24 Frauen und 33 Kinder Aufnahme im Frauenhaus gefunden. In Krisenzeiten mussten sich bis zu sechs Frauen und zwölf Kinder die Wohnräume teilen“, berichtete die Vereinsvorsitzende. Wegen der permanenten Überbelegung in den Folgejahren habe die Stadt dem Verein 1988 ein größeres Haus zur Verfügung gestellt. „Wir haben nun fünf separate Zimmer, ein gemeinsames Wohnzimmer, eine Küche, zwei Bäder, ein Büro und einen schönen großen Dachbodenraum, den wir als Spielraum ausgebaut haben.“ Seit der Eröffnung des Kemptener Frauenhauses hätten dort rund 1200 Frauen und 1300 Kinder Zuflucht, Schutz und Beratung gefunden. „Das sind 2500 Menschen, denen Gewalt angetan wurde von einer Person, die sie liebten, mit der sie verwandt waren, von der sie Schutz erwarteten oder mit der sie das Leben teilten“, verdeutlichte Claudia Dalla Torre.

OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) erinnerte in seinem Grußwort an den schweren Anfang. „Unter schwierigsten Bedingungen haben Frauen des Vereins 1983 damit begonnen, für Frauen, Mütter und ihre Kinder einen Ort zu schaffen, der ihnen Schutz bieten sollte vor Gewalt in ihrem Umfeld.“ Entscheidend sei, dass alle, die die Hilfe des Vereins bräuchten, keine Schranken überwinden müssten. „Heute ist das Frauenhaus eine Einrichtung, die für das soziale Gefüge unverzichtbar ist, mit gesicherter Finanzierung durch Stadt, Staat und Landkreis“, so Netzer.

Die Arbeit in den Frauenhäusern sei notwendiger denn je, meinte Landrat Gebhard Kaiser (CSU). „Ich wünsche mir, dass die Gewalt hinter Allgäuer Türen keine Rolle mehr spielen würde. Aber das ist leider nicht so.“ Das Frauenhaus biete den Frauen die fundierte Möglichkeit, aus einer Gewaltbeziehung auszusteigen und gebe ihnen Kraft. „Viele Frauen können erst in der geschützten Umgebung des Frauenhauses wieder selbstbestimmt leben und durchatmen“, erklärte Kaiser. Angebote wie das Frauenhaus würden das soziale Gesicht der Stadt und des Landkreises prägen.

Am Ende der Veranstaltung gingen die Feiernden auf den Friedensplatz. Dort ließen sie zahlreiche weiße Luftballons gen Himmel steigen. Diese sollten die vielen Frauen symbolisieren, die im Frauenhaus Kempten Zuflucht fanden.

Franziska Kampfrath

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