Frech und aggressiv

Wenngleich manches ein Rätsel bleibt, ein Hingucker ist Guido Weggenmanns „Kiddy Ride oder Bitte schau mich nicht so an“ allemal. Foto: Tröger

Wie nicht anders zu erwarten, polarisiert die Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche auch in diesem Jahr. Erneut fordert sie dazu auf, eigene Sichtweisen zu hinterfragen, oder in Dialog mit Andersdenkenden zu treten. Einmal mehr entscheiden individueller Blick wie Erwartungshaltung über Akzeptanz oder Ablehnung. Einmal mehr stehen die Ausstellungsbesucher vor der Frage: Was ist Kunst?

Manch einer der zumeist anonym verfassten, vernichtenden Kommentare im Gästebuch lesen sich dagegen eher wie eine Abrechnung, mit wem oder was auch immer. Ob die unkritischen, alles für gelungen befindenden Einträge der diesmal besonders großen Bandbreite an Techniken, Materialien, Stilen und auch Qualität gerecht werden, bleibt dahingestellt. Aus insgesamt 428 eingereichten Werken repräsentieren hier 41 Malereien, 30 Skulpturen/Plastiken, zwölf Fotografien, acht Grafiken, ein Film und drei Installationen einen Querschnitt dessen, was Künstler im oder aus dem Allgäu in den Jahren 2007 bis 2010 geschaffen und, wie schließ- lich durch die Jury bestätigt, für ausstellungswürdig befunden haben. Viele in der Festwochen-Kunst bislang unbekannte Namen zeigen, dass es an künstlerischem Nachwuchs und Vielfalt in unserer Region nicht mangelt. So reichen sich witzige Kreationen mit ernsten, ideenreiche mit déja-vu Aufgüssen, in sich ruhende mit explosiven die Hand. Leider behindern sie sich ob der räumlichen Enge gelegentlich in der Entfaltung ihres Wirkpotentials. Witzig thronen Lis Schuberts vier – da mögen die Assoziationen wohl recht unterschiedlich ausfallen – gehäkelte und gewachste Arbeiten aus Wolle, mit dem Titel „So geht’s dahin“ auf ihrem Podest. Für fragende Blicke sorgt Guido Weggenmann mit seinem „Kiddy Ride oder Bitte schau mich nicht so an“. Ist einem das „Kiddy Ride“ noch ein vertrauter Anblick, gibt die halb geschälte, durch ein Holzkonstrukt festgeklammerte, schwarze, Banane auf dem Fahrersitz Rätsel auf. Skurrile Geschöpfe Im Kontrast dazu beeindrucken Karl K. Maurers Stahlarbeiten „Quadrator I und II“ durch ihre schlichte Ästhetik. In seiner Art zwar nicht gerade neu, gibt es in Werner Kimmerles filigraner Bleistiftarbeit „Treffen der Tiefsee-Exoten“ allerhand skurriler Geschöpfe zu entdecken. Einen Ruhepol für Auge und Geist bietet „Einblick“, eine poetische Fotografie auf Acryl von Susanne Pfenniger. „Inside Outside Kassel Dokumentahalle“ heißt Rainer Steinharts analoge Fotografie, die die Wirklichkeit in einer distanzierten Irrealität wiedergibt. „Frecher und aggressiver“ als in vergangenen Jahren wird die Ausstellung von vielen Besuchern empfunden. Eine so richtig zündende Idee, eine fesselnde, wirklich herausragende Arbeit, die einen egal aus welcher Emotion heraus einfach Staunen macht, sucht man dennoch vergeblich.

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