"Frei drauf los gemalt"

Neben aktuellen Malereien und Zeichnungen zeigt Brigitte Dorn in ihrer aktuellen Ausstellung auch vier beeindruckende „Glotzer“ aus Pappmaché. Foto: Tröger

Mit weit aufgerissenen Augen hängt ein riesiger „Glotzer“ aus Pappmaché prominent gleich im Eingang der Kemptener Kunsthalle über einem Trapez von der Decke. Er weist den Ausstellungsbesuchern mit ausgestrecktem Finger den Weg zu 40 aktuellen Arbeiten der Künstlerin Brigitte Dorn. Vier lebensgroße und zwei kleine „Glotzer“ ergänzen die meist großformatigen Malereien sowie Zeichnungen der wandelbaren Künstlerin, die immer wieder neue Wege beschreitet.

„Letztes Jahr habe ich von meinen Kindern einen Pappmaché-Kurs geschenkt bekommen“, lautet ihre simple Erklärung für die „mit Absicht nicht schönen“ Figuren mit dicken Beinen und unperfekten Körpern. Die „Glotzer“ sollen zeigen, „wie die Betrachter über Kunst denken“. In der ausliegenden Fotodokumentation zeigt sie die aufwändigen Arbeitsschritte für die wuchtigen Gestalten auf, die jeweils „mindestens fünf, dicht mit Zeitungspapier gefüllte, große Müllsäcke“ für den Papierbrei benötigen, der um das Holz- und Maschendrahtgerüst geformt wird. Doppeldeutig hat sie die beiden kleineren „Glotzer“ mit „Aufsteiger“ und „Aussteiger“ betitelt. Klassische Aktzeichnung Die klassische Aktzeichnung entwickelt Dorn in „Kar-Akt-Ere“ weiter, indem sie über den Duktus der Farbgebung das melancholische, phlegmatische, sanguinische und cholerische Temperament jeweils in einem Torso abbildet. An der Wand gegenüber blicken überdimensionierte Augen aus Porträtköpfen auf die Betrachter, darunter ein Zyklus, der Kindheit, Jugend und Alter thematisiert. In harmionischen Gelbtönen sind großformatige, experimentelle Malereien gehalten, bei denen sie, anders als bei ihren sonstigen Bildern, denen immer Skizzen zugrunde liegen, „frei drauflos gemalt hat“, wie sie erläuterte. Ein kleines Kabinett hat die Künstlerin Brigitte Dorn im hinteren Teil des Raumes abgetrennt, das mit kleinformatigen Kohle-Kreide-Zeichnungen und Malereien von der Hallig Hooge bestückt ist. Darin sind die wetterbedingt rasch wechselnden Stimmungen der Hallig in unterschiedlichsten Szenerien eingefangen. Dorn setze ihre „Kraft und Entscheidungsfähigkeit sehr bewusst ein“, lasse sich im Arbeitsprozess aber zugleich auch von „Formen und Farben treiben und geht im Mal- und Zeichenprozess intuitiv vor“, beschrieb OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) anlässlich der Ausstellungseröffnung die Arbeitsweise Dorns. Als Referenz an ihren Werdegang, der als Restauratorin und Kirchenmalerin begann, bezeichnete er das Tafelgemälde „Lichtblick“. Bis Sonntag geöffnet „Reines, klares Licht, das mich an Hoffnung und Kraft denken lässt, sehe ich in der heutigen schnelllebigen Zeit durch Elend, Hass Krieg und Kaufrausch immer seltener“, steht auf einem kleinen Täfelchen daneben. Die vielgesichtige Ausstellung von Brigitte Dorn ist noch bis zum kommenden Sonntag, 19. Dezember, täglich von 13 bis 18 Uhr unter Anwesenheit der Künstlerin in der Kemptener Kunsthalle zu besichtigen. Der Eintritt zur Präsentation Dorns ist frei.

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