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Freibad Seltmans in Weitnau geht doch nicht baden 

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Von: Lutz Bäucker

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Freibad Seltmans  in Weitnau
Im Oktober solls losgehen: Das Freibad in Seltmans wird saniert. © Lutz Bäucker

Das Freibad Seltmans in Weitnau konnte nach dem entschiedenen Widerstand der Bevölkerung gerettet werden. Die Einigung mit dem Gemeinderat bringt Verpflichtungen für die „Freibad-Retter“.

Das Interesse der Bürger war groß und die Mehrheit dafür ebenso. Der Marktgemeinderat hat sich für die sofortige Sanierung und damit den Erhalt des Freibades an der B 12 in Seltmans entschieden. Die Arbeiten sollen zeitnah im Oktober beginnen. Die Gemeinde stellt dafür einmalig 20.000 Euro zur Verfügung und nimmt den Förderverein „Rettet das Freibad“ in die Pflicht: Er muss neben ehrenamtlichen Leistungen jetzt auch Spenden und Mitgliedsbeiträge generieren, um das Bad langfristig am Leben zu erhalten. Die Entscheidung war mit großer Spannung erwartet worden. Stetig zunehmende Wasserverluste rissen Löcher in die Gemeindekasse und hatten die Behörden des Landkreises Oberallgäu alarmiert. Diese forderten Bürgermeister Florian Schmid ultimativ dazu auf , die rund 60 Jahre alte Anlage zum 16. September dieses Jahres zu schließen. 

Wende durch Widerstand in der Bevölkerung

Eine Forderung, die den entschiedenen Widerstand der Bevölkerung auslöste. In einer hitzigen und emotional aufgeladenen öffentlichen Sitzung in Sibratshofen verlangten die Bürger im Juli vom Gemeinderat, „Kämpft für unser Freibad!“ Das gab der Diskussion eine neue Wende. Mitte August gründete sich der Förderverein, der Stand heute fast 300 Mitglieder zählt. Im Anschluss daran gab es „konstruktive und kreative Gespräche“ (Florian Schmid) zwischen den Freibad-Rettern, dem Bürgermeister und Gemeinderäten.

Verpflichtung zur Spenden-Beschaffung

„Wir haben eine konstruktive Lösung gefunden,“ erklärte Schmid auf der Gemeinderatssitzung in der vergangenen Woche. Die Marktgemeinde behält die Betriebsführung (inklusive Buchhaltung und Budgetverwaltung), sie erklärt sich bereit, ein jährliches Defizit von bis zu 35.000 Euro auszugleichen und stellt Maschinen des Bauhofes zur Verfügung. Der Förderverein (www.freibadseltmans.de) seinerseits ist für den Bademeister, einen zu findenden neuen Pächter des Freibad-Kioskes und die bisher schon erbrachten ehrenamtlichen Leistungen zuständig.

Kleinere Reparaturen bis zu einer Höhe von 500 Euro müssen aus dem Geldbestand des Vereins bezahlt werden. Die Freibad-Retter werden außerdem dazu verpflichtet, Spenden zu beschaffen. Die Rettung des inzwischen weit über Seltmans hinaus bekannten Freibades wird viel Geld kosten, darin waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Die moderate Anhebung der Eintrittspreise im kommenden Badesommer ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vereins-Vorsitzender Thomas Dölle versprach, potente Spender zu finden und zeigte sich überglücklich über den Erfolg der von zahlreichen Bürgern getragenen Rettungsinitiative.

Gemeinderäte mehrheitlich pro Bad

Unter den Gemeinderäten gab es überwiegend Stimmen pro Bad. Der Grüne Sebastian Danner: „Bin sehr froh über die Entscheidung, Weitnau geht damit einen neuen Weg. Wir erhalten eine wertvolle Infrastruktur und haben eine große Chance für die Zukunft unserer Gemeinde!“ Manuela Müller-Gassner, für Seltmans im Gemeinderat, sagte unter großem Beifall der etwa 80 Zuschauer: „Ich finde das Engagement unserer Bürger großartig und sehr respektabel! Das muss honoriert werden, indem wir das Bad langfristig erhalten. Defizitär bleibt solch eine Einrichtung leider immer.“

Alexander Nowikow (Grüne) wies daraufhin, dass die Sanierungsaktion „lösungsoffen bleibt, die Gemeinde verpflichtet sich nicht langfristig zur Unterstützung.“ Und Evi Kaspar (CSU) betonte: „Ich kann prinzipiell damit leben, weil wir sowieso kein Geld für andere große Lösungen haben.“ Ob im Laufe der kommenden Jahre unverhofft noch höhere Kosten entstehen können, diese Bedenken konnte der Förderverein nicht ausräumen. Dass er nun zeitnah ein Rettungskonzept vorlegen müsse, fand allgemeine Zustimmung.

Sanierung soll im Oktober starten

Nachdem der Marktgemeinderat das „Go!“ für die Sanierung der in Teilen maroden BadInfrastruktur gegeben hat, soll so bald wie möglich der Bagger anrollen: „Im Oktober werden wir die mutmaßlich undichten Rohre zwischen Technikraum und Becken ausgraben und austauschen“, skizzierte Dölle die nächsten Schritte in Seltmans. Danach werden die anderen Bereiche der altehrwürdigen Anlage untersucht und die daraus resultierenden Sanierungsarbeiten in die Wege geleitet. „Wir hoffen, den bisherigen Wasserverlust von 50 Kubikmetern täglich auf 20 Kubik zu reduzieren.“

Dieser Wert dürfte auch den Behörden ausreichen, um das Freibad zur nächsten Badesaison wieder frei zu geben. Um die Anlage attraktiver zu machen und dadurch auch mehr Einnahmen zu bekommen, dafür gibt es bereits viele Ideen. Von Schwimmbad-Kinderfesten über Bürger-Treffen am Pool bis hin zur engeren Anbindung ans Allgäuer Radwege-Netz und die damit verbundenen Touristenbesuche in Weitnau reichen die Vorschläge. Das Freibad in Seltmans, es wird auch im Winter für jede Menge Gesprächsstoff sorgen. 

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