Freie Fahrt für freie Autos

Uneinigkeit auf ganzer Linie über Straßensperrung am Residenzplatz

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Kempten – Als der Antrag von Thomas Hartmann (Grüne) im Verkehrsausschuss auf den Tisch kam, waren sich Gabi Seling vom Amt für Tiefbau und Verkehr und Hartmann schon von vornherein uneins über die Formulierung.

Während Seling für die Sitzung das Thema einer allgemeinen Sperrung für den motorisierten Individualverkehr zwischen Pfeilergraben und Poststraße vorbereitet hatte – die Autos könnten dann nur noch aus der Salzstraße Richtung Hildegardplatz fahren und würden sofort über die Poststraße wieder abgeleitet – , meinte Hartmann, es ginge ihm nur um die Wochenmarkttage bis mittags. Was „Selings Variante“ anbelangte, stehe diese zwar auf der Maßnahmenliste des Mobilitätskonzeptes, allerdings nicht weit oben genug, erklärte sie. 

Das Amt müsse erst untersuchen, wie sich die Sperrung auf den Verkehrsfluss in den umliegenden Straßen auswirke, ob eine Fußgängerzone im Bereich der Langen Stände sinnvoll sei, ob eine Fahrradstraße eingerichtet werden könne und wie die Bedürfnisse des Kfz-Verkehrs mit Alternativen berücksichtigt werden könnten. Eine Sperrung an den Markttagen bis mittags hielt Seling für jene Leute für verwirrend, die sich nicht für den Markt interessieren. 

Aber sie gab Hartmann recht, dass die jetzige Situation schlecht sei. Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann wies auf die vielen Projekte hin, die im Moment in Untersuchung und Umsetzung sind. „Wir können nicht alles auf einmal machen.“ Andreas Kibler (CSU) bezweifelte, dass die Regelung zu Entlastungen führt, weil die Autos doch bis zur Poststraße fahren könnten. „Da müssen wir noch länger dran arbeiten.“ Ins gleiche Horn stieß Helmut Berchtold: „Auch mit Einbahnregelung parken die Autos am Würstl-Stand, und die Busse kommen nicht vorbei.“ 

Er wollte lieber den Busverkehr an diesen Tagen „herausnehmen“ (zehn Busbewegungen pro Stunde). Das brachte Hartmann auf die Palme. Er hielt es für „ungeschickt“, immer den ÖPNV in Mitleidenschaft zu ziehen. „Da fahren 100 Autos pro Bus!“ Am alten Marktstandort habe eine wesentlich rigidere Regelung geherrscht, „die hat sich auch eingependelt“. Und die Verkehrswissenschaftler, die das Mobilitätskonzept erarbeitet haben, „sind ja nicht blöd“, setzte er nach. Sein Vorschlag: auf den freiwerdenden Parkplätzen Marktstände errichten. 

Auch Wolfgang Henning hielt es „ganz falsch, die Busse herauszunehmen“. „Da muss man in Gottes Namen die Autos halt stärker kontrollieren“, polterte er. Ausgleichende Worte fand Bürgermeister Josef Mayr. Er schlug vor, zunächst alle Betroffenen miteinzubeziehen und mit den Marktstandbetreibern zu sprechen. „Es geht auch um solche, die ihr Sortiment erweitern wollen.“ Dagegen hatte Wiedemann nichts einzuwenden. 


Susanne Lüderitz

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