"Kritische Radtour" in Kempten

"Ja, mir san mit‘m Radl da"

+
Aus Sicht vieler Radler und Fußgänger eine Zumutung: Nur wer ein Haltesignal für den Autoverkehr im Bereich der Illerbrücke anfordert, kann nach minutenlangem Warten für ein Zeitfenster von wenigen Sekunden die Füssener Straße passieren.

Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests hatten es zu Tage gebracht. In puncto Fahrradfreundlichkeit rangiert Kempten in der Stadtgrößenklasse bis 100.000 Einwohner auf einem mageren 75. Platz - bei Note „ausreichend“. Im Vergleich zum Jahr 2014 konnten die Tester null Veränderung feststellen.

Positiv zu Buche schlug die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums und die gute Wegweisung für Radler. Negativ, das nicht vorhandene Angebot an Leihfahrrädern, die wenig attraktive Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln und die schlechte Führung in Baustellenbereichen. Zum Vergleich: Augsburg erhielt die Note 3,7; Memmingen erreichte eine 3,2.

Mobilitätscheck in der Praxis

Nun soll alles anders werden. Aktuell erarbeitet die Stadt Kempten gemeinsam mit Stadtrat, Bürgern und Interessengemeinschaften das „Mobiltätskonzept 2030“, das Ende des Jahres zur finalen Beschlussfassung durch den Stadtrat ansteht. Dann wird es viel bedrucktes Papier geben. Was aber hat der Bürger konkret vom „Mobiltätskonzept 2030“? Um dies zum Thema Fahrradfreundlichkeit in Erfahrung zu bringen, luden am Dienstagabend die Stadträte der Freien Wähler zu einer Radtour durch Kempten ein. „Wir wollen von den Radlern in unserer Stadt erfahren, wo vor Ort der Schuh drückt“, so Fraktionsvorsitzender Alexander Hold. Erst unlängst hatte der verkehrspolitische Sprecher der FW-Fraktion, Klaus Knoll, eine sichere Schnellverbindung vom Hauptbahnhof bis zum Residenzplatz gefordert.

Am Residenzplatz versammelten sich dann die Stadträte der FW wie unter anderem Hubert Wipper, Alexander Hold, Klaus Knoll, Hans-Peter Hartmann und Dieter Zacherle, um interessierte Radler in Empfang zu nehmen. Und tatsächlich erschienen rund 40 Fahrradfahrer, um an der „Kritischen Radtour“ teilzunehmen. Unter den Teilnehmern waren auch der Leiter des Tiefbauamtes, Markus Wiedemann, und Mitglieder der Grünen und der SPD. Die Menge wurde in drei Gruppen aufgeteilt und dann ging es los in Richtung Salz- und Illerstraße. Aufgrund eines festgelegten Zeitplans konnte nicht das gesamte Stadtgebiet abgefahren werden und so konzentrierte man sich auf den Bereich Illerbrücke, Füssener Straße, Durchlass St. Mang, Wiesstraße, Hauptbahnhof, Hirnbein- und Bahnhofstraße.

Ampelschaltung nervt

Als segensreich stellte sich die Teilnahme einiger täglicher Fahrradfahrer im Stadtgebiet heraus. Diese waren es, die die Teilnehmer auf einige der neuralgischen Punkte für Radfahrer im Stadtgebiet hinwiesen. Ganz oben auf der Rangliste der Unbeliebtheiten: die Kreuzung Illerbrücke/Füssener/Kaufbeurer Straße. Fahrradfahrer und Fußgänger, die diesen Bereich queren wollen, sollten Zeit mitbringen. Ein automatisches Passieren an diesem Verkehrsknotenpunkt ist schlicht nicht möglich. Ein Haltesignal muss an dieser Stelle angefordet werden, sonst rollt nur der motorisierte Individualverkehr. „Der gleiche Sch… ist oben am Berliner Platz. Es dauert durch die Ampeltaktung einfach zu lange, um diese Bereiche als Radler zu passieren“, klagte ein täglicher Fahrradfahrer. Kritisch wird von den Radlern angemerkt, dass im gesamten Stadtgebiet zu häufig Ampelsignale angefordert werden müssten. Und wahrlich, es erschließt sich nicht, warum in der Rotphase für abbiegende Autos vom Schumacherring in die Kotterner Straße die Radler nicht gleichzeitig eine Grünphase erhalten, sondern diese erst durch Drücken einer Signaltaste anforderen müssen. Andere Kritikpunkte sind die oftmals aus dem Nichts heraus aufhörenden Radwege und eine waghalsige Verkehrsführung im Bereich von Baustellen wie derzeit im Bereich der Rosenau-Neubauten an der Füssener Straße. Positiv ist die Entwicklung auf der Königstraße, hier werden nach Fertigstellung der Baumaßnahmen an der Alten Fasshalle beidseitig Fahrradwege entstehen, so Stadtrat Wipper. Nach der Radltour luden die Freien Wählern noch zu einem Hock ins Wirtshaus „Korbinian“ ein, wo über die Fahrradfreundlichkeit Kemptens weiter diskutiert wurde.

Jörg Spielberg

Auch interessant

Meistgelesen

Bilder vom Montag aus der Selfie-Box
Bilder vom Montag aus der Selfie-Box
Donnerstag: Mit Traktor in der SelfieBox
Donnerstag: Mit Traktor in der SelfieBox
Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Mittwoch: Endlich Gymnastik und echte Romantik in der Selfie-Box
Demonstration bei Festwocheneröffnung
Demonstration bei Festwocheneröffnung

Kommentare