CSU und FW machen mobil

"Städtebaulich sehr bedenklich und sehr teuer"

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Wo Christoph 17 künftig landet, bleibt nach der neuesten Wendung von CSU und Freien Wählern unklar.

Kempten – Der Widerstand gegen den Hubschrauber-Landeplatz in der Riederau wächst: Nach Anwohnern und Naturschützern sprechen sich nun auch CSU und FW gegen die Riederau als Standort der neuen Luftrettungsstation für „Christoph 17“ aus. OB Dr. Ulrich Netzer betrachtet das Vorhaben ebenfalls kritisch. 

Beim ZRF ist man entsetzt über die neueste Wendung von CSU/FW. Denn damit ist der Standort Riederau quasi aus dem Rennen. Drei Jahre Planungsarbeit stehen somit auf dem Spiel. Wie OB Netzer am Dienstag ankündigte, soll nun der Suchkreis für einen Standort auf den Altlandkreis ausgedehnt werden.

Einem Antrag auf Baugenehmigung könne man nicht zustimmen, heißt es im Antrag von Hagenmaier und Knott aus der vergangenen Woche. In einem Schreiben an Netzer fordern sie den Zweckverband für Rettungsdienste (ZRF) stattdessen auf, die Suche nach einem Alternativstandort zu intensivieren. Erst am vergangenen Mittwoch hatte der Verband bekannt gegeben, im Herbst die Genehmigung für die Riederau zu beantragen. 

Einerseits muss das Luftamt Süd seine grundsätzliche Einverständnis mit dem Standort an der Dieselstraße erklären, zum anderen muss die Stadt Kempten die Baugenehmigung für die neue Luftrettungsstation erteilen. Bei CSU und Freien Wählern im Stadtrat stößt das auf Widerspruch. „Der Standort Ursulasried ist aus unserer Sicht nicht geeignet“, schreiben CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier und Bürgermeisterin Sibylle Knott in einem gemeinsamen Schreiben. Als Hauptgrund führen sie die 40 bis 50 Meter lange und etwa acht Meter hohe Aufständerung der Luftrettungsstation entlang der Hangkante an. „Dies ist aus unserer Sicht städtebaulich sehr bedenklich und zudem sehr teuer in der Herstellung.“ 

Beide sprechen sich außerdem gegen das Vorhaben aus, den Hangar auf dem Bundeswehr-Sportplatz zu bauen. Angesichts eines Mangels an Sportstätten in Kempten könne das nicht befürwortet werden. Zumal das gesamte Gelände zunächst teuer vom Bund gekauft werden müsse. „Mit dem Restgrundstück könnte man dann nichts mehr anfangen“, schreiben die beiden. Das sei unwirtschaftlich. Daher fordern beide Fraktionen OB Dr. Ulrich Netzer und den ZRF auf, verstärkt nach alternativen Standorten im Altlandkreis zu suchen. Um Geld zu sparen, sollten darüber hinaus keine weiteren Planungen für die Riederau vorgenommen werden.

Netzer selbst ist mit CSU und FW einer Meinung: "Eine Plattform 40 Meter in der Luft ist nicht zumutbar", sagte er dem Kreisboten. Nun müsse im Altlandkreis nach einem alternativen Standort gesucht werden, da der Rettungshubschrauber zwingend im Umfeld des Kemptener Schwerpunktkrankenhauses stationiert werden müsse. "Wir geben nicht auf", betonte der Rathauschef.

ZRF-Geschäftsführer Wolfgang Klaus reagierte am Dienstag überrascht auf den Vorstoß der beiden Fraktionen. Zum einen sei die Problematik der Aufständerung seit langem bekannt, zum anderen sei so geplant worden, dass die Eingriffe in das Landschaftsbild so gering wie möglich ausfielen. 

Wie es nun weitergehe, konnte er am Dienstag noch nicht sagen. Er müsse nun zunächst den ZRF über die neuen Wendungen unterrichten, dann müssen neue Beschlüsse her.

Grünen-Fraktionschef Thomas Hartmann bezeichnete den Vorstoß von CSU/FW als "wahltaktisches Manöver". 

Matthias Matz


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