Unterstützung für Asylbewerber in Dietmannsried

Bei der Integration helfen

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n dieses Dreifamilienhaus im Dietmannsrieder Enzianweg werden in Kürze die ersten von rund 20 Asylbewerbern einziehen. Eine Ehrenamtlichengruppe will dafür Sorge tragen, dass die Neuankömmlinge sich in der Gemeinde wohlfühlen.

Dietmannsried – Nach Pfingsten werden in Dietmannsried die ersten von insgesamt rund 20 Asylbewerbern erwartet. Am vergangenen Mittwoch traf sich deshalb erstmals eine Runde von Bürgern, die sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren und ihnen das Einleben in der Gemeinde erleichtern möchten.

Die Gruppe der knapp 30 Interessierten war bunt gemischt, von jungen Erwachsenen, die soeben die Schule abgeschlossen haben, bis hin zu aktiven Senioren. Sie wurden von Bürgermeister Werner Endres über den aktuellen Stand der Dinge informiert. Die anfänglichen Ängste und Vorbehalte einiger Nachbarn des Dreifamilienhauses, in dem voraussichtlich drei Flüchtlingsfamilien Unterkunft finden sollen, hätten sich nach ausreichender Information und persönlichen Gesprächen zumeist gelegt. Das Gebäude werde in den nächsten Tagen bezugsfertig sein, so dass nach Pfingsten mit einer Belegung des Erdgeschosses zu rechnen sei. Erst wenn die derzeitigen Mieter des ersten Obergeschosses zum August ausgezogen sind, werde auch der Rest des Hauses belegt. Endres betonte, die Gemeinde biete den Neuankömmlingen und den Ehrenamtlichen ihre volle Unterstützung an. Zentrale Ansprechpartnerinnen für alle Belange rund um das Thema sind Jugendpflegerin Manuela Bergler und Verwaltungsmitarbeiterin Catharina Stich. 

Das Dietmannsrieder Gemeinderatsmitglied Dr. Armin Ruf war in seiner Funktion als Mitarbeiter der Caritas anwesend. Er ist für die Initiierung derartiger runder Tische im Landkreis zuständig und wirkt unterstützend bei der Organisation der Ehrenamtlichenkreise mit. Welche Asylbewerber genau nach Dietmannsried kommen, sei noch nicht bekannt. Diese könnten aus den verschiedensten Ländern stammen und sowohl Familien mit sehr hohem Bildungsniveau sein, als auch Analphabeten. Wichtig sei zunächst, einige wenige Freiwillige zu finden, die den Erstkontakt mit den neuen Mitbürgern herstellen. Die Sprache stelle dabei in aller Regel kein Problem dar, denn die Asylbewerber hätten selbst großes Interesse, sich schnell zu integrieren. 

Dies bestätigte auch das Ehepaar Geiger, das sich seit zehn Monaten ehrenamtlich für die afrikanischen Flüchtlinge in Betzigau engagiert. „Ihr werdet überrascht sein, wie einfach das geht“, ermutigte Siegfried Geiger die Anwesenden. „Viele der Asylbewerber sind schwer traumatisiert und ängstlich und daher anfangs oft eher zurück- haltend. Wenn sie aber merken, dass man es gut mit ihnen meint, lässt sich schnell ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen.“ Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge sei sehr sozial, sehr offen, gesellig, lustig und ausgesprochen kinderlieb. Es sei ihnen ein Anliegen, sich an die bei uns geltenden Regeln zu halten. In Betzigau sei die Integration mühelos gelungen, die Menschen würden häufig von der Bevölkerung zum Sonntagskaffee eingeladen und dort anhand von Märchenbücher die deutsche Sprache lernen. „Die Kinder sprechen sowieso innerhalb kürzester Zeit fließend Deutsch.“ 

"Lauter Pfundsleut" 

„Angst muss man überhaupt keine haben, das sind lauter Pfundsleut´, von denen man viel lernen kann“, findet auch Anton Hofmann, der sich um die syrischen Flüchtlinge in Börwang kümmert. Er könne tagelang Geschichten erzählen, was er da schon alles erlebt habe. „Da kommt etwas sehr Buntes, aber auch Anstrengendes auf Sie zu“, so Ruf. „Deshalb sind viele Hände und gewisse Strukturen gefragt, um nachhaltig arbeiten zu können und als Helfer nicht auszubrennen.“ Den Ehrenamtlichen müsse bewusst sein, dass viele der Asylbewerber nach der Anerkennung ihres Asylantrages wieder von hier weg-, etwa zu Verwandten in anderen Teilen Deutschlands zögen. „Auch eine Abschiebung hautnah miterleben zu müssen, kann einen sehr mitnehmen“. Er mahnte, bei rechtlichen oder behördlichen Fragen nicht auf eigene Faust zu agieren, da dies zu großen Problemen für die Betroffenen führen könne. Sachspenden seien übrigens kaum nötig, da die Flüchtlinge in Bezug auf Kleidung und Mobiliar (die Grundausstattung der Wohnungen wird vom Landratsamt vorgenommen) meist recht gut versorgt seien. „Man muss nicht viel vorbereiten, sondern dann nachhaltig agieren, wenn man die tatsächlichen Gegebenheiten kennt“, so Ruf. Am Ende des Abends hatten sich eine ganze Reihe von Freiwilligen gefunden, die den Neuankömmlingen Sprachunterricht erteilen, sich als Einkaufshelfer betätigen, kleinere Reparaturen durchführen können oder einfach bei Bedarf zur Stelle sind. 

Das nächste Treffen der Ehrenamtlichen findet am Donnerstag, 26. Juni, um 20 Uhr im Jugendtreff Upstairs in der Krugzeller Straße 3 in Dietmannsried statt. Interessenten sind herzlich willkommen. sas

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