"fremd ist der fremde nur in der fremde"

Denkrunde zum "Fremdsein"

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Verena Gropper moderierte die Denkrunde „fremd ist der fremde nur in der fremde“.

Kempten – Im Rahmen der im Alpin-Museum gezeigten Ausstellung „Mensch.Land. Flucht.“ fand am Donnerstagabend eine Denkrunde unter dem Titel „fremd ist der fremde nur in der fremde“, in Anlehnung an Karl Valentins Dialog „Die Fremden“ (1940), statt.

Moderiert wurde die 15-köpfige Runde von Verena Gropper, die an der Münchner Akademie für Philosophische Bildung und Werte-Dialog zur Trainerin für philosophische Gesprächsführung ausgebildet wurde. „Fremdsein ist ein universales Thema, das alle Menschen begleitet. Jeder ist irgendwo zu Hause und jeder ist irgendwo fremd“, leitete die Moderatorin in die Gesprächsrunde ein und erklärte, dass das Thema primär aus philosophischer und nur begleitend, da schwierig trennbar, aus politischer Sicht beleuchtet werden solle. Im Fokus standen dabei die Fragen „Was empfinden wir als fremdartig?“ und „Wie begegnen wir dem Fremden?“. Ein Teilnehmer berichtete davon, dass ihn Vorurteile schon oft in seinem Leben fehlgeleitet hätten und riet dazu, dass es viel besser sei, dem Fremden mit elementarer Neugier zu begegnen. 

Ein anderer Teilnehmer meinte, dass man sich auf Augenhöhe begegnen müsse und betonte, dass Respekt keine Einbahnstraße, sondern von beiden Gesprächspartnern zu erbringen sei. Eine junge Studentin erzählte von ihren Erfahrungen während des Auslandssemesters, als sie sich selbst sehr fremd gefühlt habe. „Oberflächliche Freundschaften reichen nicht aus, um sich nicht fremd zu fühlen. Es braucht tiefgründige Beziehungen“, so ihr Fazit. Der Gesprächsrunde wohnten auch Teilnehmer eines Integrationskurses bei, die den Austausch mit ihren Erfahrungen bereichern konnten. „Ich lebe jetzt seit einem Jahr in Deutschland und fühle mich immer noch fremd. Ich muss noch besser Deutsch lernen. Aber mir gefällt es hier sehr gut. Ich respektiere die deutsche Kultur und die Gesetze“, erzählte ein aus Bulgarien stammender Mann. Als eine Teilnehmerin von einem ursprünglich aus München kommenden und mittlerweile seit 40 Jahren in Dietmannsried lebenden Bekannten berichtete, der sich selbst heute noch fremd im Allgäu fühle, erkannte eine gebürtige Ungarin Parallelen: „Das ist bei uns nicht anders. Es gibt den ungarischen Menschen und es gibt den Menschen aus Budapest, der Hauptstadt.“ 

Eine Teilnehmerin empfahl den Dokumentarfilm „I am not your negro“, der einen Perspektivwechsel vollzieht und die Sicht der farbigen amerikanischen Bevölkerung aufzeigt, die die Nichtfarbigen genauso betrachtet wie diese sie. „Wir kennen euer Gesicht schon lange, ihr kennt unseres nicht“, zitierte die Teilnehmerin aus dem Film. Inspiriert davon, erinnerte sich die Studentin an ihr Freiwilliges Sozialen Jahr zurück, das sie zusammen mit einem Syrer absolviert hatte. „Während unserer Arbeit mit geistig behinderten Menschen war er der „King“. Er war der beliebteste Erzieher. Doch sobald er in der Stadt herumlief, wurde er von allen nur angegafft. Er hat die unhöflichen Blicke sehr wohl wahrgenommen und hat sich letztlich so unwohl gefühlt, dass er aus Bayern weggezogen ist.“ Angesichts eines Migrantenanteils von 40 Prozent in Kempten, wenn man die letzten drei Generationen berücksichtige, „braucht es mehr Begegnungsorte. Eine solche Begegnung wird durch Interessensgleichheit gefördert. Besonders gut funktioniert das beim Sport mit internationalen Regeln“, meinte ein Teilnehmer. Am Ende gab es von der Moderatorin für jeden noch eine „Weisheit zum Mitnehmen“.

Dominik Baum

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