Stadt Kempten erhält Schenkung aus dem künstlerischen Nachlass Siegfried Sambs

Anwalt statt Richter

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Strahlende Gesichter bei der Übergabe des Bildernachlasses des Künstlers Siegfried Sambs an die Stadt Kempten. Enkel Bernhard Sambs (v.l.), Tochter Isolde Sambs, Ingrid Willner-Sambs, Ehefrau von Reinhard Sambs, Ausstellungsleiter Dr. Werner Scharrer, Sohn Reinhard Sambs, OB Dr. Ulrich Netzer und Magarethe Gradmann, Vorsitzende der „Freunde der Kemptener Museen”, mit Sambs Werk „Idyll am Wochenmarkt”.

Kempten – Einer der am besten besuchten Kunstausstellungen des vergangenen Jahres war die Ausstellung „Wen die Muse küsst – Das künstlerische Leben des Siegfried Sambs”, die im Börsensaal des Kornhauses von Mitte September bis Mitte November gezeigt wurde.

Die vom Verein Freunde der Kemptener Museen (fkm) konzipierte und vom Kulturamt der Stadt schlussendlich der Öffentlichkeit präsentierte Exposition, zeigte das Oeuvre eines Mannes, der es verstand seine Zeitgenossen genau zu studieren und sie in hervorragender Weise zu karikieren. Die Moderne Malerei mit ihrer Abstraktion war nicht die Sache des gebürtigen Münchner Siegfried Sambs, den es nach dem Krieg nach Kempten verschlug. 

Wohl aber war Sambs ein Meister der humoristisch-satirischen Fingerzeige auf das menschelnde Leben, die er nicht mit verbaler Häme äußerte, sondern lieber mit zeichnerischer Heiterkeit. „Wir hatten selten bei einer Ausstellung soviel Einträge in das Gästebuch”, so Dr. Werner Scharrer vom Verein der Freunde der Kemptener Museen, der für die Konzeption der Bilderschau von 2013 maßgeblich verantwortlich zeichnet. Und dabei zitiert Dr. Scharrer nicht nur heimische Besucher, sondern liest Anmerkungen von Besuchern aus dem fernen Berlin oder Ruhrgebiet vor.

 Großes Glück geschah nun kürzlich ihm und den Freunden der Kemptener Kunstszene, als Sohn Reinhard Sambs mit Gattin Ingrid Willner-Sambs und Tochter Isolde Sambs der Stadt Kempten einen großen Teil des Schaffenswerk ihres Vaters Siegfried großzügig als Schenkung überließ. Da ließ es sich auch der noch amtierende OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) nicht nehmen, in das Foyer des Kornhauses zu kommen, um sich persönlich bei den Nachkommen Siegfrieds Sambs zu bedanken. Ausgestellt bei der Danksagung zur Schenkung der Bilder waren Sambs Werk „Die Knödelburg” und das „Idyll am Wochenmarkt”. 

Beides sind mit feinem Strich gezeichnete und mit Aquarellfarben kolorierte Werke, die auf feinsinnige Weise den Alltag der Menschen in Kempten zeigen. Dabei liegt der Fokus seiner Werke immer auf dem Gebaren und der zur Schau getragenen Haltung seiner Zeitgenossen. Misstrauen und Skepsis So zeigt etwa „Die Knödelburg” die feierliche Präsentation des damaligen neuen Sparkassen-Hauptgebäudes zu Beginn der siebziger Jahre. Die vor dem Gebäude stehenden Kemptener Bürger und Bürgerinnen betrachten dieses Bauwerk moderner Ausprägung dahingehend eher mit Misstrauen und Skepsis. 

Siegfried Sambs aber wird in seinen Darstellungen der Kemptener Bürger und Bürgerinnen nicht zu deren Richter, sondern zu deren Anwalt. Das ist der Grund, warum sein Werk auch zukünftigen Generationen ein Schmunzeln über die Lippen zaubern wird, erkennen wir uns doch allesamt in diesem seinem Werke wieder. Einem breiten Allgäuer Publikum sollte Siegfried Sambs zudem mit seinen Illustrationen zu den „Allgäuer Sprüchen” und seinen „Stadtansichten” bekannt sein.

Jörg Spielberg

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