Projekt der Künstlergruppe K-ART-on

U1: Kunst im Untergrund

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Die ehemalige Pommes-Bude im Freudenbergtunnel soll zur Döner-Disco werden. Das Kunstprojekt „Underground ART Project U“ haben Traudl Gilbricht (l.) und Bernd Henkel von der Künstlergruppe K-ART-on ins Leben gerufen.

Kunst soll es bald geben, im „zweiten Kemptener Loch“, wie der Künstler Bernd Henkel und Vereinsvorsitzende Traudl Gilbricht von der Künstlergruppe K-art-on die Freudenbergunterführung nennen.

Das hat nicht nur aus Sicht der beiden Initiatoren Potential, ein „Knaller“-Kunstprojekt des Jahres zu werden, allein schon weil der Ort, der vielen Kemptenern ein echtes Anliegen ist, durch das „Underground ART Project U1“ sozusagen „wachgeküsst“ wird.

Seit 13 Jahren ist der gemeinnützige Verein fester Bestandteil der Allgäuer Kunstszene, unter anderem mit Ausstellungen im Hofgartensaal und damit – zumindest bislang – an eher konventionellen Ausstellungsorten. Auf der Suche nach einer neuen „location“ sei die Idee „schnell da gewesen“, die seit Jahren unattraktiv vor sich hindümpelnde Freudenbergunterführung zu bespielen, die so gar nichts mehr mit dem Ort zu tun hat, an den sich Henkel noch aus alten Zeiten erinnert: lebendig, unter anderem mit buntem Zeitungskiosk und einer Pommes-Bude.

„Die Ideen sind nur so gesprudelt“, gibt Gilbricht einige der „auch Spinnereien“ davon zum Besten. Umsetzen will Henkel jedenfalls seine Idee für die ehemalige Pommes-Bude, die zur „Döner-Disco“ werden soll. Mehr will er aber noch nicht verraten.

Also, dann eben zurück zum Ursprung, denn von der Projektidee bis zum aktuellen Stand liegt rund ein Jahr der Planung, Verhandlungen um Genehmigungen und noch laufende Umsetzung. Am 1. September soll Vernissage sein. Dann soll das komplette unterirdische Areal inklusive der beiden Treppenabgänge, den Shops, Schaufenstern, Decken und Wänden planmäßig mit Licht, Farbe, Formen und Installationen zu einem ineinandergreifenden Kunstwerk mutieren, thematisch dem Untergrund zugeordnet.

„Für uns zwei war klar, das muss gemacht werden“, sagen Gilbricht und Henkel, die sich selbst als von der Idee „infiziert“ bezeichnen. Der zweite Schritt: Gesprächstermin bei OB Thomas Kiechle, der „angetan“ gewesen sei und sie gleich ans Kulturamt weitergeleitet habe. „Dann kam der Stein ins Rollen“, so Henkel. Insgesamt mussten 22 Ansprechpartner abgearbeitet werden, vom Bauhof bis zum Katastrophenschutz, erzählt Gilbricht und auch, dass parallel vorsichtshalber der Hofgartensaal reserviert worden sei: „Wir mussten ja unsere Kollegen noch ins Boot holen“ und beim ersten Ortstermin hätten einige schon „die Nase gerümpft“. Offenbar konnten aber auch die Skeptiker überzeugt werden, denn alle 13 K-art-on-Mitglieder sind mit extra für den Raum konzipierten Werken dabei: Neben Gilbricht und Henkel sind dies Bärbl Auer, Ahmad Bandakji, Helga Cappel, Eva-Carolina Dornach, Gisela Engelmayer, Monika Herlein, Lysander Heuson, Werner Nather, Eva-Maria Urbat, Robert Wilhelm und Barbara Wolfart.

Die nächste (überwundene) Hürde: Raumkonzeptkunst solle es im U1 werden, „für alle von uns absolutes Neuland“, weshalb erst einmal Brainstorming mit der ganzen Gruppe angesagt gewesen sei, wie die Organisatoren erzählen. Momentan wird die Unterführung seitens der Stadt noch ein bisschen vorzeigetauglich gemacht, mit Farbe, einer neuen Trennwand, einsatzfähiger Elektrik, auch ein Glaser ist am Werk. „Unsere Auflage war die Grundreinigung“, freut sich Henkel, dass es nun sogar „aufgehübscht wird“. Gilbricht erzählt, dass sie allerdings „fast explodiert“ sei, als die städtischen Beauftragten die Schaufensterscheiben hätten verbauen wollen und sie dies nur mit dem Hinweis darauf habe verhindern können, dass es schließlich Vereinbarungen gebe. Jetzt „spielt die Stadt mit uns zusammen“ und der OB „steht voll dahinter“, freuen sich die Beiden. Genutzt haben sie die Gelegenheit freilich für weit mehr als nur das U1-Projekt („U“, weil die Unterführung an eine U-Bahn-Station erinnere und „wer weiß“, scherzt Henkel, vielleicht kommt hier ja eine in 20 Jahren“). Sie haben es der Stadtspitze „schmackhaft gemacht“, dass es dauerhaft für wechselnde Ausstellungen das „optimale Areal“ wäre. „Es wäre so unsere Vision, die Läden als einzelne kleine Galerien“ mit abschließbaren Fenstern (was Aufsichtspersonal überflüssig mache) günstig an wechselnde Künstler zu vermieten, sieht Gilbricht eine Kunst-Tangente aus Künstlerhaus und dem U1-Areal. Aus ihrer Sicht wäre das „eine wunderbare Geschichte“ mit Nachhaltigkeitscharakter. Die Stadt habe jedenfalls „plötzlich ganz schnell mitgezogen“.

Aber erst einmal gilt es, die von 1. bis 16. September 2017 geplante K-art-on-Ausstellung im U1 weiter vorzubereiten. Neben dem Rahmenprogramm mit Lesungen, Theater, Tanz, Konzerten – unter anderem mit Tiny Schmauch – und vielem mehr soll eine Underground-Zeitung als eigenständiges Kunstwerk im Gesamtkonzept entstehen. Auflage: 10.000 Stück.

Froh sind Gilbricht und Henkel darüber, dass zumindest die Kosten für das U1-Projekt mit Hilfe der Gabler-Stiftung, Kulturamt, Stadt Kempten und diverser Firmen bereits gedeckt sind. „Es ist ja keine Verkaufsausstellung“, glaubt Gilbricht, dass die Unterstützer letztendlich auch deshalb hätten gewonnen werden können, „weil kein wirtschaftliches Interesse“ hinter dem Projekt stecke. Einen wichtigen Gedanken hinter dem Projekt formuliert Henkel folgendermaßen: „Wir holen das Publikum nicht zur Kunst herein wie bisher, sondern bringen die Kunst zum Publikum.“ Nähere Einzelheiten unter www.kart-on.de.

Christine Tröger

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