"Alpenrebellen" wieder aktiv

"Breites gesellschaftliches Bündnis" zum Schutz des Riedberger Horns formiert sich

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Ewiger Zankapfel Riedberger Horn.

Waltenhofen/Oberdorf/Landkreis – Dass es in den letzten Wochen sehr still geworden war um den Freundeskreis Riedberger Horn, heißt nicht, dass die Initiative gegen die geplante Skischaukel zwischen Grasgehren und Balderschwang

in die ursprünglich durch den Alpenschutzplan dort unantastbare Natur auf Eis liegt. Ganz im Gegenteil, wie Freundeskreis-Sprecher Martin Simon und eine Reihe von Unterstützern am Mittwochabend im Alten Bahnhof in Martinszell-Oberdorf bei einem Pressegespräch verkünden konnten.

Waren es laut Simon vor der Änderung des Flächennutzungsplans am 9. November 2017 im Bayerischen Landtag noch rund 2500 Unterstützer, verzeichnet der Freundeskreis inzwischen 4000. Neu kommen die Oberallgäuer Kreisgruppen des Bund Naturschutz (BN) sowie des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) hinzu, der Deutsche Alpenverein mit den Sektionen Immenstadt und Oberstaufen-Lindenberg, der Verein Allgäuer Kräuterland, der Kreisjagdverband Oberallgäu und der Verein Wandern und Erleben Allgäu. Damit „können wir von einem Rahmen von 10.000 Unterstützern sprechen“, freut sich Simon, dass sich hier „ein breites gesellschaftliches Bündnis abzeichnet“. Im Wahljahr für den Bayerischen Landtag hofft der Freundeskreis, dadurch den politischen Druck wenigstens etwas erhöhen zu können. Mehrfach wurde betont, dass es nicht gegen die Modernisierung der bestehenden Liftanlage gehe, sondern lediglich die Ausweitung verhindert werden soll.

Empört zeigten sich die Vertreter des Freundeskreises unter anderem wegen der „Salamitechnik“: eine kleine Maßnahme hier, eine dort, um den Eindruck zu erwecken, ist doch „alles nicht so schlimm“, wie Julia Wehnert, Geschäftsführerin Bund Natur Kempten-Oberallgäu, monierte. Sie betonte die Bedeutung von Mooren für den Wasserschutz sowie in der CO2-Thematik und wies darauf hin, dass, schlimm genug, für den Schneiteich mehrere Torflagen in einem Moorgebiet ausgebaggert würden, aber diese gar „nicht bilanziert“ würden. Sie appelliere an den Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, „eine umfassende Untersuchung aller Folgeprojekte zu berücksichtigen und den jetzt beantragten Schneiteich im Bereich des hochwertigen Moorgebiets nicht zu genehmigen.“

Brigitte Kraft, Leiterin der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Schwaben kritisiert zudem, dass selbst der Schneiteich als Einzelmaßnahme beantragt sei und weiter dass die Hörnlebahn offiziell modernisiert werden solle, es „aber ein Neubau ist“, die Bahn länger werde, es künftig Sommerbetrieb geben werde und auch Bewirtschaftung. Insgesamt bezeichnete sie die mit den Stimmen von CSU und Freien Wählern beschlossene Änderung des Alpenplans als einen „Kuhhandel“, wodurch ein Präzedenzfall für weitere „Begehrlichkeiten“ geschaffen worden sei. Wie Wehnert kündigte sie rechtliche Schritte an, sobald eine Genehmigung, die die Suche nach Alternativen extrem erschweren würde, erteilt sei.

Appell an Bürgermeister und Liftbetreiber

Deshalb richtete Simon seinen Appell an die Bürgermeister und Liftbetreiber, zuvor noch Alternativen zum Beispiel in Richtung Öko-Tourismus zu finden, zumal die von den Verbänden angekündigten Klagen die geplanten Maßnahmen mindestens verzögern, wenn nicht manches unmöglich machen würden. Wehnert gab an, dass sowohl eine EMNID-Umfrage als auch eine vom LBV in der Wintersaison 2016 selbst durchgeführte Befragung von circa 300 Einheimischen und Touristen am Riedberger Horn ergeben hätten, dass rund „80 Prozent strikt gegen einen massiven Ausbau wie geplant sind“.

Unterstützt wurden die Hauptredner von Thomas Blodau, dem LBV-Kreisgruppenvorsitzenden Kempten/Oberallgäu, dem es „schon lange zuwider läuft“, dass für Geld alles gemacht werde und er das Gefühl habe, „da müssen wir mal dazwischen-

grätschen“. Neu dabei ist „Vivid Curls“-Sängerin Inka Kuchler, die es begrüßte, „heute einmal öffentlich Stellung beziehen zu können“. „Ich finde es skandalös“, wie mit der hier noch „wilden Landschaft“ umgegangen werde, von der es in Deutschland mit seiner vorwiegenden Kulturlandschaft kaum noch welche gebe, kam es aus prominentem wie berufenem Munde; dass man durch ein „zweifelhaftes Geschäft“ ein Stück Natur mit „landesweiter Bedeutung“, das nicht einmal Schneesicherheit biete, opfere, wollte Dr. Markus Strauß, Autor, Dozent und Initiator der Stiftung Essbare Wildpflanzen Parks nicht in den Kopf. 

Wie ihr Vorredner beschäftigt sich auch Gerti Epple, Vorsitzende des Vereins Kräuterland“, intensiv mit Wildpflanzen und wollte dieses Naturparadies „nicht einfach für ein paar Euro opfern“ lassen. Fürsprache für den Erhalt des Alpenschutzplanes in seiner 40 Jahre lang unangetasteten Form gab es ebenso von Dr. Michael Schneider vom Wandern und Erleben e.V. unter dem Dach des Deutschen Wanderverbandes, für den klar war, dass „unser Herzblut bei der unberührten Natur liegt“, weshalb man auch Stellungnahmen geschrieben habe. Und schließlich Christine Speer, Vorsitzende des BN Kempten-Oberallgäu, die das Wort „skandalös“ aufgriff, um auszudrücken, was sie davon hielt, dass der Alpenplan für Profit aufgegeben werde, eine Skischaukel gebaut werden soll „für Profit“ und dafür, „dass einige glauben, nur so noch etwas reicher“ werden zu können.

Ende diesen Monats soll es ein Gespräch zwischen Vertretern des Freundeskreises Riedberger Horn und Landrat Anton Klotz geben. Am Samstag, 24. Februar 2018, ist von 10 bis 12 Uhr ein Wintersporttag im Skigebiet Grasgehren geplant; am Freitag, 23. März 2018, kommt der Extremkletterer Alexander Huber mit einem Vortrag „Die steile Welt der Berge“ in die Mehrzweckhalle nach Oberdorf, um seine Solidarität mit dem Freundeskreis auszudrücken und kurz vor der Landtagswahl im Herbst soll es eine Podiumsdiskussion des Freundeskreises zum Thema „Zukunft des Wintertourismus im Allgäu“ mit den Oberallgäuer Direktkandidaten zur Landtagswahl 2018 geben.

Christine Tröger

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