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Friedensversammlung in Thingers: Das sagen die Anwohner über ihre russischen Nachbarn

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Von: Jörg Spielberg

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Andreas Höpting Friedensveranstaltung Thingers Kempten
Stadtteilmanager Andreas Höpting (r.) griff selbst zur Gitarre und sang und spielte mit der Band Veto und den Besuchern der Veranstaltung bekannte Friedenslieder. © Jörg Spielberg

Kempten – Das Stadtteilbüro Thingers hatte am Montag zur Friedensversammlung eingeladen. Der Kreisbote war vor Ort und hat sich bei den Teilnehmenden umgehört.

Überall hinterlässt der Krieg in der Ukraine seine Spuren in der Gesellschaft. So auch in Kemptens multikulturellem Stadtteil Thingers. Dort leben seit 30 Jahren viele russlandstämmige Menschen, die nach dem Zerfall der Sowjetunion aus Russland, Kasachstan oder der Ukraine ihren Weg ins Allgäu fanden.

Nun wird von dort berichtet, dass es gelegentlich zu Anfeindungen gegenüber russischsprachigen Menschen kommt. Dagegen wollte das Stadtteilbüro im Thingers, das vom Stadtteilmanager Andreas Höpting geleitet wird, ein Zeichen setzen. Am vergangenen Montagabend wurden Bürger und Bürgerinnen zu einer Friedensversammlung auf dem Thingersplatz eingeladen.

Bereits im März waren 150 Menschen bei einer Friedensversammlung im Thingers zusammengekommen und hatten ein Lichterband aus Kerzen aufgestellt.

Kerzen und Friedenslieder

Es wurden vor Ort Kerzen angezündet und Friedenslieder gesungen. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Band Veto und Andreas Höpting selbst, der u.a. das bekannte Friedenslied sang: „Sag mir, wo die Blumen sind.“ In einer kleinen Ansprache betonte der Stadtteilmanager: „Die Politik in Russland ist von hier aus nicht beeinflussbar, aber die Menschen, die hier leben, wollen auch weiterhin friedlich und tolerant miteinander umgehen.“

Rund 30 Bürger und Bürgerinnen waren zum Treffen erschienen, darunter aber kaum russischsprachige Menschen, sondern vornehmlich Deutsche. Aus Interesse an der Sache waren auch die beiden Stadträte Franz-Josef Natterer-Babych (ÖDP) und Walter Freudling (AfD) erschienen. Einige Anwohner aus der Nachbarschaft haben sich in Sichtweite der Veranstaltung auf Bänke gehockt und hörten der Musik zu.

Gutes Verhältnis zu russischsprachigen Nachbarn

Kommt man mit diesen ins Gespräch, berichten sie unisono von einem guten Verhältnis zu ihren russischsprachigen Nachbarn. „Mein Sohn hatte unlängst seinen Geldbeutel verloren. Einer unser russischstämmigen Nachbarn hat diesen gefunden, bei uns geläutet und diesen überbracht. Ein feiner Zug“, erzählt eine ältere deutsche Anwohnerin, die schon seit Jahrzehnten im Thingers lebt und sich dort, wie ihre Sitznachbarn, sehr wohl fühlt. „Als vor dreißig Jahren die ersten Russen kamen, gab es hier Streit mit den Türken. Aber das hat sich gelegt, heute kennen sich alle und feiern gemeinsam.“

Und ob die einstmals Angekommenen nun wirklich Nachfahren deutscher Vorfahren waren, betrachtet hier auf dem Thingersplatz niemand mehr als sehr bedeutsam. „Vielleicht war es vor dreißig Jahren nur der Schäferhund, der deutsch war, heute sind die Menschen hier bei uns angekommen und wir wollen mit ihnen in Frieden und guter Nachbarschaft leben.“

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