Feinarbeit an Königin der Instrumente

Die frisch renovierte Hauptorgel der Basilika wird intoniert

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Kempten – Die Orgelbauer Gerhard Lenter und sein Sohn Andreas sind derzeit mit der Intonierung der renovierten Hauptorgel der Basilika St. Lorenz beschäftigt. Das aus dem Jahr 1865 stammende und im Jahr 1939 veränderte und auf 64 Register vergrößerte Instrument war, wie berichtet, im Februar 2018 demontiert worden, in seine Einzelteile zerlegt und anschließend in der Werkstatt des Fachbetriebes in Sachsenheim bei Ludwigsburg restauriert worden. Nachdem die Experten Ende letzten Jahres wichtige Bestandteile wieder eingebaut haben, erfolgt nun die Feinarbeit. Jede einzelne der rund 4800 Orgelpfeifen wird klanglich gestaltet. „Für ein Register benötigen wir einen Tag“, schildert Andreas Lenter.

Ziel der gesamten Maßnahme sei es, nach der Renovierung alle drei Orgeln zusammenzufassen und zu reorganisieren und ein einheitliches Konzept der immer wieder ergänzten Instrumente zu erstellen. Dadurch werde eine Steigerung der musikalischen Qualität und Breite erzielt, der später das Klangerlebnis den verheißungsvollen Orgelprospekten entspreche. Gemeinsam mit dem barocken Klang der Südorgel und dem klassizistischen der Nordorgel erhalte die Basilika dann eine Orgeltrias, mit der sich die Musik vom 16. Jahrhundert bis in die heutige Zeit darstellen lasse, schwärmt der Chordirektor und Organist an der Basilika, Benedikt Bonelli. Insgesamt belaufen sich die Kosten der Renovierung der drei Basilikaorgeln auf 1,26 Millionen Euro – rund 500 000 Euro beträgt der Anteil für die Hauptorgel. Die Kemptener Orgel wurde 1865 durch den Ludwigsburger Orgelbauer Eberhard Friedrich Walcker (1794 – 1872) gebaut. Über siebzig Jahre später wurde sie grundlegend erneuert und erweitert, als Josef Zeilhuber aus Altstädten die noch heute bestehende Orgel auf der Basis des walckerschen Instruments in den Jahren 1938 bis 1940 schuf. Dazu verwendete er fast das gesamte Pfeifenwerk und alle Windladen Walckers und ergänzte sie durch ein weiteres Manual. Die Orgel erhielt nun 64 klingende Stimmen. Allerdings waren die neuen Pfeifen aus minderwertigem Zink gefertigt worden. „Zu der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war es sehr schwer, hochwertiges Pfeifenmaterial zu bekommen“, erklärt Gerhard Lenter, der sein Handwerk selbst in dem von Eberhard Walcker gegründeten Orgelbauunternehmen erlernte. Das Material der alten Teile dagegen sei von besserer Qualität und bestehe aus hochwertigem, dickwandigem Zinn. Bei der Renovierung wurde nun das Pfeifenwerk rekonstruiert und in den Originalzustand aus dem Jahr 1865 zurückversetzt. „70 bis 80 Prozent des Pfeifenmaterials war noch vorhanden. Wir sind sehr froh, dass nicht alles weggeworfen worden ist“, so Lenter. Insgesamt habe man während der Restaurierung 4000 neue Membranen eingebaut. Bei der Intonierung werde nun der neue Teil des Instruments der alten Orgel untergeordnet. Im Rahmen der Renovierung wurden bereits die großen Bälge der Orgel ersetzt. Sie wurden außerdem anders platziert, damit sie später besser gewartet werden können. Als finaler Teil der Arbeiten an der Hauptorgel werde der Spieltisch restauriert. „Der steht noch in der Werkstatt“, berichtet der Orgelbauer. Beim Auf- und Abbau der Hauptorgel auf der Westempore musste das Team des Orgelbaubetriebes übrigens Schwerstarbeit verrichten, denn die größte der insgesamt 4800 Orgelpfeifen bringt immerhin 150 Kilogramm auf die Waage.

pdke

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