Neues Ambiente für alte Tradition

Festwochen-Kunstausstellung nun im Marstall

+
Erstmals im Marstall, können sich die Werke in drei offenen „Fluchten“ entfalten.

Heller, luftiger, freundlicher. Der Umzug der Festwochen-Kunstausstellung vom Hofgartensaal in den Marstall tut offenbar gut und man hat den Eindruck, dass mit dem Ortswechsel auch ein etwas frischerer Wind durch die Werkauswahl weht;

Werke, die sich mit deutlich besseren Präsentationsmöglichkeiten auch entfalten können.

Aber Traditionalisten müssen nicht erschrecken, denn zwischen noch nicht so geläufigen Namen finden sich ausreichend alt vertraute. Und doch scheint sich hier still und allmählich ein Generationenwechsel zu vollziehen, der besonders an den diesjährigen PreisträgerInnen sichtbar wird: alle vier haben die Vierzigermarke an Lebensjahren noch nicht passiert.

Statt wie bisher eröffnen die preisgekrönten Werke nicht mehr den Rundgang direkt im Eingangsbereich, sondern präsentieren sich prominent in der Mitte des Raumes, direkt gegenüber der Eingangstür. Wie berichtet wurden alle Preise vergeben: der Kunstpreis der Stadt Kempten (5000 Euro) an Kathrin Ganser für die dreiteilige Fotografie „Gyro-Scans #2, #4, #5 / (Plazas #LP/MP/PP)“; der Thomas-Dachser-Gedenkpreis (4000 Euro) an Ralf Dieter Bischoff für die Fotografie „WEGen #17“; der Förderpreis der Dr.-Rudolf-Zorn-Stiftung (3000 Euro) an A.C. Neidhart für die sicher für Diskussionsstoff sorgende Fotografie „meins“ und das Ausstellungsstipendium der Sparkasse Allgäu (2000 Euro) an Julia Miorin für eine skulpturale Arbeit ohne Titel.

Gleich an der Tür erwartet den geneigten Besucher ein (wie man meinen könnte) Fußabstreifer der in Wahrheit eine Fotografie von A.C. Neidhart ist, die das aus Knochen gelegte Wort „Ergebnis“ zeigt. Dahinter entfaltet sich der Raum, in dem einst die Alpenländische Galerie mittelalterliche sakrale Kunst präsentierte in neuer Funktion: harmonisch, übersichtlich, einladend ab dem heutigen Samstag bis zum 16. September 2017 mit der Kunst von im Allgäu geborenen oder lebenden Künstlern aus dem Jetzt.

Einige bilden thematische oder auch nur optische Konglomerate, wie zum Beispiel um den Eingang herum das Thema Kuh, das auf einer Kunstausstellung im Rahmen der Allgäuer Festwoche einfach dabei sein muss. Ins Auge springt da gleich die markant geschnitzte „Aufstehende Milchkuh“, die unverkennbar die Handschrift von Josef Wehrle trägt.

Ein kleines Waldviertel tut sich im hinteren rechten Eck des Raumes auf, wo sich unter anderem Kilian Lipp mit seinem stillen Ölgemälde „Schneefeld“, Markus Pieper mit „Plenterwald“ (Kugelschreiber auf Papier) oder Marc Rogats Pastellarbeit „Schnee, Lichtung“ eine „Naturoase“ bilden.

Kraftvoll stehen zum Beispiel die 21-teilige Papierarbeit „Arsenal“ von Elisabeth Bader oder der zweiteilige Betonguss mit Blattgold „Winterernte 39“ von Winfried Becker ganz solitär und losgelöst von ihrer Umgebung. Wie ein Mahnmahl ragt der metallene „FUSSFÜSSLER“ von Peter R. Müller empor.

Auch manch interessante Sichtachse gibt es auszuloten, wie – eine Entdeckung von Kulturamtsleiter Martin Fink – die sich aus der Fotoarbeit „meins“ von A.C. Neidhart und dahinter „Dream Team“, eine Acryl-Arbeit von Susanne Praetorius, ergebende: jeweils eine Frau mit Tier, wie es unterschiedlicher nicht dargestellt sein könnte.

Fotografie, bearbeitet, verfälscht, verfremdet auf allen erdenklichen Wegen erobert sich aktuell seinen festen Platz in der Kunst. Unter den insgesamt 70 hier gezeigten Werken sind allein 17 Fotoarbeiten; mit 18 Werken sind auch Plastiken/Skulpturen gut vertreten; dazu gesellen sich 21 Malereien, neun Grafiken, zwei Bildobjekte und drei Installationen. Lediglich zwei Werke sind im Außenbereich, beide im Hofgraten, zu sehen: die Stahlarbeit „Torfaltung I“ von Karl K. Maurer und „Come in and burn out“ von Ecke Recla, eine Installation aus einem Pferde- und einem Ochsenkummet.

Zu sehen ist die Ausstellung während der Festwoche (12.-20.08.) täglich von 10 bis 18 Uhr und vom 22. August bis 16. September dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 16 Uhr. Dazu wird ein vielfältiges Begleitprogramm angeboten, unter anderem jeden Sonntag um 13 Uhr eine kostenlose Führung, jeden Donnerstag um 12.15 Uhr „Kunst am Mittag“: Führung mit anschließendem Pausensnack ; sowie ein Kinderprogramm mit dem Kunstpädagogen Klaus Frühschütz an mehreren Terminen.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Achtsamkeitstrainerin Grit Ulrike Tautenhahn übt mit Interessierten
Achtsamkeitstrainerin Grit Ulrike Tautenhahn übt mit Interessierten
Äpfel und Gemüse für die Kita
Äpfel und Gemüse für die Kita
Exhibitionist manipuliert Motorrad
Exhibitionist manipuliert Motorrad

Kommentare