Einst: Pistentreten und Sprungschanzenbau

Es war einmal: Skifahren in und um Kempten

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Skischanze am Mariaberg unterhalb der „Mulzer Föhre“.
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Dr. Max Madlener.
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Skilift am Mariaberg.
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Abbau des Mariaberger Skilifts.
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Skischanze am Boleitehang.
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Bau der Schanze.
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Bau der Schanze.
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Springer auf der Schanze am Mariaberg.

Kempten – Zu den Pionieren und Wegbereitern des Skifahrens in Kempten zählen der Mediziner Dr. Max Madlener, der Architekt Ambros Madlener, Bankvorstand Franz-Xaver Euringer und Albert Rupprecht.

Diese bergsportbegeisterten Männer trafen sich schon im Jahre 1896, um mit einfachsten Ausrüstungen erste Skilaufversuche zu unternehmen. Sie sahen im Skifahren die Möglichkeit, auch im Winter verschneite Berge genießen zu können. Zu diesem kleinen Kreis der frühen Kemptener Skifreunde stießen im Laufe der nächsten Jahre weitere Skienthusiasten, die sich auch vereinsmäßig dem Skisport widmen wollten. Von Dr. Willi Vahenauer

Im Jahre 1907 trafen sie sich in der Gaststätte im „Grünen Baum“ am Rathausplatz und versuchten, damals noch vergeblich, einen SkiKlub zu gründen. Erst im darauffolgenden Jahr, am 18. Dezember 1908, gelang es den damals 52 interessierten Wintersportfreunden, auf einer von Dr. Max Madlener geleiteten Sitzung, den Ski-Klub Kempten ins Leben zu rufen. Zu ihrem ersten Vorsitzenden wählten die Versammelten Dr. Wilhelm Christ. In dieser Zeit drangen die weiterentwickelten Skitechniken aus Norwegen zu uns vor. Die Skier und die dazugehörigen Hilfsmittel wurden zweckmäßiger und die Fahrtechnik verbesserte sich. Alles Impulsgeber für die weitere Entwicklung des Skifahrens in Kempten. Im nächsten Winter 1909 nahmen Sportler des SkiKlubs Kempten, der bereits 139 Mitglieder zählte, an ersten Wettkämpfen am Edelsberg in Nesselwang teil, die dann den Auftakt zu den jährlich wiederholten Skiwettbewerben in den Disziplinen Abfahrts- und Sprunglauf bildeten. Es kam übrigens auch durch die Initiative von Dr. Christ und seinen Mitarbeitern im gleichen Jahr zur Gründung des Allgäuer Skiverbandes. Der rührige Ski-Klub Kempten errichtete schon im Winter 1909 für seine Springerfreunde bei Jodbad Sulzbrunn seine erste Skischanze. Um weiteren Wintersportinteressierten die Möglichkeit zu geben, unter fachkundiger Anleitung den damals noch relativ neuen Skisport zu erlernen, hielt der Ski-Klub seinen ersten offiziellen Skikurs im Februar 1909 ab. Im gleichen Winter errichteten Mitglieder des Klubs am Reichelsberg und an der Pulvermühle aus Schnee gebaute Sprungschanzen, um skispringen zu können. 

Im Winter 1910/11 führte der Ski-Klub beim hier stationierten Bataillon des 20. Infanterie-Regiments Ski-Kurse durch. Damit begann eine längere und intensive Zusammenarbeit zwischen dem Ski-Klub und der Kemptener Garnison, die – mit Unterbrechungen – bis in die 1940er Jahre andauerte. Im gleichen Jahr belegte das Klubmitglied Emil Espermüller bei den Allgäuer Ski-Meisterschaften den ersten Platz. 1912 organisierte der Ski-Club im Gebiet der „Alpe Eck“ seinen ersten alpinen Skikurs. Während des ersten Weltkriegs ruhte der Vereinsbetrieb größtenteils. Mehr als die Hälfte der Klubmitglieder mussten in den 1. Weltkrieg ziehen, wovon zwölf Mitglieder auf den Schlachtfeldern blieben. Nur der Übungsbetrieb für die jugendlichen Skifahrer konnte aufrechterhalten werden. Im November 1919 kam es zur Wiederaufnahme der Vereinstätigkeit und schon kurze Zeit später organisierte der Klub die ersten geführten Skitouren in den Allgäuer Alpen. Ab da erlebte der Skisport bei uns seinen eigentlichen Aufschwung. Nun begannen auch außerhalb der Ski-Vereine immer mehr Menschen mit damals noch einfachen Holzskiern und Bindungen aus Leder mit dem Skifahren. Dank der guten Eisenbahnverbindungen kamen immer mehr Touristen ins Allgäu und die ersten Skischulen innerhalb und außerhalb von Ski-Clubs wurden gegründet. Größere sportliche Erfolge konnte der Ski-Klub Kempten im Jahre 1926 verzeichnen, als bei den Oberstdorfer Skimeisterschaften die Kemptener Albert Graf und Ludwig Knieß die ersten beiden Plätze belegten. Zusätzlichen Schwung brachte das Kino, in dem Skifahrerfilme auch in Kempten immer mehr Menschen begeisterten. Kein Wunder also, dass der in Kempten abgehaltene „Gaujugendskitag“ des Allgäuer Skiverbandes des Jahres 1932 unter großer Beteiligung stattfand und viele Besucher anlockte. Am 29. Januar 1933 führte der Ski-Klub den 10. Allgäuer Verbandsstaffellauf in Kempten durch. 

Im Februar 1933 konnte der Klub in Sulzberg in der Nähe der Ruine seine Sprungschanze „Ruine Sulzberg“ einweihen, deren Bau im Jahre 1932 begonnen hatte. 1935 hielt der Kemptener Ski-Klub die ersten Ski-Dauerläufe, z.B. über 50 Kilometer in vier großen Schleifen zwischen Waltenhofen, Buchenberg und Mariaberg ab. Bei diesem Skimarathon kämpften 98 Teilnehmer im Skilanglauf vor rund 10.000 Zuschauern um die besten Plätze. 1935 erwarb der Klub in Rechtis eine Hütte, die er zur Ski-Hütte ausbauen ließ, um dort die Jugendarbeit zu betreiben. Welche skifahrerischen Fähigkeiten die Mitglieder des Kemptener Ski-Klubs hatten, zeigt die erfolgreiche Winterbesteigung des Mont-Blancs durch Albert Graf, Paul Raidl und Mathes im Jahr 1936. Ab 1941 ruhte wegen des 2. Weltkriegs die Vereinstätigkeit weitgehend. Aber schon im zweiten Nachkriegswinter 1946/47 nahm der Ski-Club Kempten die Wettkampfstätigkeit mit einem Langlauf, Abfahrts- und Torlauf am Grünten wieder auf. Damit sich die Skiläufer sportlich besser auf die Wintersaison vorbereiten konnten, führte der SkiClub 1947 Ski-Gymnastik-Abende ein, an der damals 30 Wintersportfreunde teilnahmen. Welchen Aufschwung der Skisport in dieser Zeit genommen hatte, zeigt die Tatsache, dass der Club 1954/55 zwei Ski-Gymnastikkurse mit je 60-80 Personen durchführen konnte. Im Winter 1964/65 richtete der SkiClub-Kempten einen Ski-Volkslauf in Steufzgen aus, an dem 250 Ski-Langläufer teilnahmen. Die Skifahrer in Kempten nutzten in dieser Zeit bei den damals noch guten Schneelagen alle geeigneten – damals noch weitgehend unverbauten – Hänge in der Stadt und am Stadtrand, um dort Wintersport zu betreiben. Im Stadtgebiet gab es zu dieser Zeit weder einen Skilifte, noch Pistenwalzen, um die Pisten zu präparieren. Daher mussten die Sportler zuerst die Piste aufwändig mit Beinarbeit herrichten, ehe sie die mehr oder weniger lange Abfahrt antreten konnten. Unten angekommen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als wieder mühsam den Weg per Ski nach oben anzutreten.

Skilift am Mariaberg Von Adolf Schleyer und dem Landwirt Andreas Hartmann ging die Initiative aus, nur wenige hundert Meter von Hartmanns Hof entfernt, einen Skilift zu errichten. Der Bau des Liftes, dessen Talstation am Pulvermühlweg lag und dessen Bergstation sich beim Landwirt Gartmann befand, gestaltete sich etwas schwierig, da die Anlage nicht nur auf dem Gebiet von Hartmann lag, sondern sich auch auf den landwirtschaftlich genutzten Grundstücken der Landwirte Gartmann und Hörmann befand. Denn ein Landwirt vertrat die Meinung, dass der Skilift sich wegen seiner Lage nicht rentieren würde. Nachdem man sich trotzdem geeinigt hatte, begannen die Planungen für diese Anlage. In dieser Phase konnte die „Skilift-Gesellschaft Schleyer und Hartmann“ auf die Unterstützung durch das Stadtbauamt und den Ski-Club Kempten zählen. Im Jahre 1965 begann man mit dem Bau der Liftanlage und konnte schon im folgenden Winter 1966 den Betrieb aufnehmen. Bei der offiziellen Eröffnung unter Anwesenheit von Bürgermeister Albert Wehr und zahlreichen Skifahrern erteilte Stadtkaplan Scherm von St. Lorenz die kirchliche Weihe und wünschte allen Benutzern, dass sie weder Ski-, Stock-, oder gar Fußbrüche haben mögen. Nachdem Bürgermeister Albert Wehr mit dem obligatorischen Druck auf den Startknopf den Lift in Bewegung setzte, durften danach die Skifahrer den Lift sogar eine Stunde lang umsonst benutzen. Die gesamte Liftanlage hatte eine Länge von insgesamt 700 Metern, und besaß einschließlich der Bergstation sieben Rollenstützen. Der Lift verfügte über 70 Doppelbügel und konnte in der Stunde zwischen 600 und 700 Personen nach oben transportieren. Die Erbauer dachten sogar an eine Flutlichtanlage mit 22.000 Watt, die sie aber nur am Mittwoch ab 19 Uhr in Betrieb nahmen und so das Skifahren bis 21.30 Uhr ermöglichten. An der Talstation in der Nähe des Pulvermühlweges gab es einen Parkplatz für 150 Fahrzeuge. 

Allerdings machten es die milder werdenden Winter den Eigentü- mern immer schwerer, einen geeigneten und rentablen Liftbetrieb aufrechtzuerhalten. Daher rutschte die Anlage zeitweise in die roten Zahlen. Dies führte dazu, dass Adolf Schleyer und Andreas Hartmann den Liftbetrieb ab Winter 1983/84 einstellten. So stand die Liftanlage zeitweise kurz davor, abgebaut und verschrottet zu werden. Von diesen Erfahrungen ließ sich Ernst Wagner, der im Sommer immer die Kemptener Hütte bewirtschaftete, nicht abschrecken. Er erwarb am 23. Juni 1986 die Anlage von den Voreigentümern Schleyer und Hartmann zum Kaufpreis von 40.000 DM einschließlich eines kleinen Anteils des Grundstückes an der Talstation. Er überholte die gesamte Liftanlage, richtete die Talstation wieder her und ließ die Anlage vom TÜV abnehmen. Dann konnte nach über zweijährigem Winterschlaf die Skibetrieb, hauptsächlich als Familienbetrieb, am 2. Januar 1987 wieder starten. Der Liftbetrieb begann während der Woche jeweils um 13:30 Uhr und endete kurz vor Dunkelheit. An den Wochenenden wurde der Betrieb je nach Bedarf schon gegen 10 Uhr aufgenommen. Aber der zunehmende Schneemangel in Kempten machte es auch Wagner immer schwerer, die Piste entsprechend zu präparieren. Daher entschloss er sich schweren Herzens, nach sechsjährigem Betrieb die Liftanlage einzustellen. Im Winter 1992/93 betrieb Familie Wagner den Lift zum letzten Mal. Die gesamte Liftanlage, außer der Talstation ließ er – mit Hilfe von ansässigen Landwirten – auf seine Kosten abbauen und die Stützpfeiler verschrotten. Dies bedeutete das Ende des Kemptener Skilifts am Mariaberg, an den heute nur noch die Talstation am Pulvermühlweg erinnert. Die Kemptener Skischanzen Auf vielen für das Skifahren geeigneten Hängen in der Stadt und am Stadtrand, bauten sich in den 1950/60er Jahren besonders Jugendliche in Handarbeit kleine oder größere Skischanzen aus Schnee, um dort mehr oder weniger stilvoll über die Schanzen zu springen. Den motivierten Skispringern aus der Stadt fehlte aber eine fest eingebaute Skischanze für ihre Übungssprünge. 

Ein dafür geeignetes Gelände lag am Boleitehang, wo Hobby- und Skiclubspringer schon auf selbst gebauten Schanzen gesprungen sind und dabei beachtliche Weiten erzielt hatten. Daher regte der 2. Vorsitzende des Ski-Clubs Kempten Julius Hagenmaier bei der Jahresversammlung 1957 den Bau einer fest eingebauten und profilierten Sprungschanze am Boleitehang an. Da das damals noch weitgehend unbebaute Gebiet der Stadt gehörte, bat der Club den damaligen Sportbeauftragten Kirchhofer um Unterstützung für dieses Anliegen. Schon nach kurzer Zeit lag die Genehmigung der Stadt vor und gemeinsam suchten Verantwortliche des Stadtbauamts und des Ski-Clubs nach einer geeigneten Stelle für eine Schanze am Boleitehang. Nun wandte sich der Ski-Verein an den bekannten Oberallgäuer Schanzenbauer Heini Klopfer, mit der Bitte, einen Plan für eine Übungsschanze zu erstellen. Danach begannen Mitglieder des Ski-Clubs mit Pickel und Schaufel die notwendigen Erdbewegungen. Für größer Erdarbeiten stellten die zwei Baufirmen R. Hagenmaier & Co. und Alfred Kunz & Co. Planierraupen und Arbeitskräfte zur Verfügung. Die vorgenommenen Erdaufschüttungen wurden sofort wieder mit Grasnarben bedeckt, sodass die Anlage keine Wartungsarbeiten benötigte. Der Höhenunterschied zwischen dem höchsten Anlaufpunkt und dem tiefsten Punkt am Auslauf betrug 60 Höhenmeter. Die Schanze ermöglichte Sprungweiten bis zu 30 Metern, wobei der kritische Punkt bei 23 Metern lag. Diese Übungsschanze sollte vor allem den jungen Nachwuchsspringern Gelegenheit bieten, ihre Skisprünge zu absolvieren. Der Club plante aber auch dort größere Sprungveranstaltungen, wie z.B. den Allgäuer Jugend-Springtag abzuhalten. Bei jedem Springerereignis konnte der Ski-Club auf mehrere Hundert Zuschauer zählen. Da der Kemptener Ski-Club die Anlage betreute, durfte man ohne seine Genehmigung die Schanze nicht benutzen. Damit risikofreudige, aber noch nicht geübte Buben nicht über die Schanze springen konnten und dabei Hals und Knochen riskierten, wurde der Anlauf außerhalb der offiziellen Springerzeiten gesperrt. Vor dem Bau der Boleiteschanze mussten die Kemptener Skispringer außerhalb der Stadt z.B. auf der Schanze bei Sulzberg und dann in Buchenberg ihre Übungssprünge absolvieren, wobei der Ski-Club Kempten einige tausend Mark in die Buchenberger-Schanze investierte, Mit der Boleiteschanze gab es aber auch Probleme. 

Besonders bei milderer Witterung sammelte sich im Auslauf eine größere Menge Schmelzwasser, das bis zu einer Höhe von 50 Zentimetern reichen konnte. Die Springer schoben bei der Landung eine hohe Bugwelle vor sich her und wurden pitschnass. Dieser Mangel veranlasste die Vorstandschaft des Ski-Clubs, sich nach einer geeigneteren Stelle am Boleitehang umzusehen. So wurde die Schanze entsprechend dem ursprünglichen Plan von Heini Klopfer weiter südlich verlagert. Damit gelang es auch, die Anlauf-, Lande- und Auslaufzone in ein besseres Verhältnis zu bringen. Im Ergebnis konnte der Aufsprung flacher und dadurch weniger gefährlich gestaltet werden, da er nun die doppelte Breite gegenüber der alten Anlage hatte. Auch der Auslauf war lang genug und damit gefahrloser gegenüber früher. Für den Bau der neuen Anlage mussten 150 Kubikmeter Erde herangeschafft und rund 300 Kubikmeter Erde verschoben werden. Das Ende der Boleiteschanze war schon nach drei Jahren Nutzung erreicht, da der Winter 1957/58 mehr Regen als Schnee brachte. Danach verkürzte der Bau von Garagen den Auslauf so sehr, dass ein gefahrloses Springen nicht mehr möglich war. Daher musste zwischen 1960/61 die Schanze am Boleitehang abgebrochen werden. Damit erwiesen sich der Einsatz von Geld und Arbeitszeit an der Anlage als Fehlinvestition. Nun blieb den Springern aus Kempten nichts anderes mehr übrig, als an jedem Wochenende in Privat-PKWs zum Springertraining an verschiedene Schanzen ins Oberallgäu zu fahren. Somit kamen pro Winter über 5000 Fahrkilometer zusammen. Obwohl der TSV Wiggensbach den Kemptnern die Möglichkeit bot, auf seiner Schanze zu trainieren, kam der Wunsch nach einer stadtnahen Skischanze auf. Und dies besonders unter dem Aspekt, dass im Winter 1964/65 die Springer der Allgäu-Metropole trotz dieser ungünstigen Trainingsbedingungen in 18 Wettbewerben 30 erste Plätze, 17 zweite und 17 dritte Plätze belegten. Davon konnten die Jugendspringer 31 dieser 64 guten Platzierungen erringen. Die Schanze am Mariaberg Daher machten sich der Abteilungsleiter der Kemptener Skispringer, Alfred Horn und der Jugendwart des Ski-Clubs Kempten, Manfred Skupin auf die Suche nach einem stadtnahen Hang, an dem sich der Bau einer grö- ßeren Skischanze realisieren ließ. 

Es kamen am Herbstanfang 1965 zwei Hänge in Frage, die beide am Mariaberg lagen. Am 6. November traf man die endgültige Wahl für ein Gebiet, das auf dem Gelände von Andreas Hartmann lag, der zusammen mit Adolf Schleyer ganz in der Nähe eine Ski-Liftanlage baute. Also lag es nahe, nicht weit davon entfernt zwei neue Sprungschanzen zu errichten, die auch internationalen Standards genügten. Diese beiden Schanzen hatten schon einen Vorgänger, der aus den 1920er Jahren stammte und sich an der Spitze des Mariaberges befand. Die dortige Anlage hatte ihren Anlauf westlich der „Mulzer-Föhre“ und ihr Auslauf endete in südlicher Richtung, in der Nähe des heutigen Landgasthofes Mariaberg. Diese gesamte Schanze bestand aus Holz, auf dessen Anlaufturm die Skispringer aufsteigen mussten, um ihre Sprünge zu absolvieren. Auch auf dieser Schanze gab es schon in dieser Zeit Sprungwettbewerbe. In den 1930 Jahren zerfiel diese Holzschanze aber, die heute in Vergessenheit geraten ist. Das vom Ski-Club Kempten ausgewählte Gebiet am Pulvermühlweg überließ Hartmann dem Club für 25 Jahre. Nachdem es auch seitens des Landschaftsschutzes keine Einwände dagegen gab, konnte mit dem Planungsarbeit für die zukünftige Sprunganlage begonnen werden. Der Tiefbauingenieur Dieter Tischendorf, der selbst Sprungerfahrung hatte, machte sich an die Arbeit und legte seine Pläne dem Oberstdorfer Schanzenbauexperten Heini Klopfer vor, der den Plan am 26. Dezember 1965 für gut befand. Die Planungen sahen einen fünf Meter hohen Anlaufturm, eine 45 Meter lange Anlaufspur und einen Schanzentisch mit einer Höhe von 1,10 Metern vor. Der kritische Punkt lag bei 35 Metern und entsprach damit den Dimensionen der Jugendschanze im Olympiastadion zu Garmisch. Am Auslauf der Schanze entstand der Kampfrichterturm. Neben dieser Jugendschanze sollte zuvor noch eine weitere Sprunganlage entstehen, die „Schülerschanze“ auf der auch die Jüngsten ihre ersten Sprünge unter fachkundiger Anleitung absolvieren konnten. Die darauf erzielbare Sprungweite lag bei circa 20 Metern. Diese Sprunganlage für Schüler war als reine Naturschanze ausgelegt. Der Aufsprunghügel am Fuße der Anlage diente beiden Schanzen als Landeund Auslaufbahn. Bei den Erdarbeiten für diese Anlagen mussten über 4000 Kubikmeter Erde bewegt, viele Wurzelstöcke entfernt und eine Anlaufspur aufgeschüttet werden. Die ersten erfolgreichen Sprungversuche fanden am 30. 

Am 7. Januar 1970, dem Dreikönigstag, konnte bei herrlichem Wetter die Anlage, die zu Ehren ihres Initiators den Namen „Alfred -Horn-Schanze“ erhielt, eingeweiht werden. Nach der kirchlichen Weihe durch den Stadtpfarrer Monsignore Götz und im Beisein von Bürgermeister Albert Wehr fand vor ungefähr 2000 Besuchern ein gut besetztes Eröffungsspringen mit 161 Teilnehmern auch aus den benachbarten Ländern statt. Die Ehre des ersten Sprunges gebührte aber Alfred Horn. Den Sieg bei diesem ersten international besetzten Dreikönigsspringen errang der Kleiwalsertaler Willi Schuster mit 41 und 43 Metern und der Note von 215,6 Punkten. Weitere Sprungaktivitäten auf dieser Schanze verhinderte das Wetter. Durch starke Regenfälle in den Tagen vor Weihnachten des nächsten Winters rutschte der Aufsprunghügel größtenteils ab. Den dabei entstandenen Schaden schätzten die Verantwortlichen auf über 1000 DM. Viel schlimmer war, dass die Anlage die nächsten zwei Jahre nicht benutzt werden konnte. Sobald es das Wetter zuließ, begannen die Ausbesserungsarbeiten. Dabei schob man die Anlage zwei Meter tiefer in den Nagelfluh-Hang hinein, um ein erneutes Abrutschen zu verhindern. Danach wurde der Schanzentisch betoniert, der Auslauf planiert und mit Faschinen gesichert. Sickerrohre sowie Steinpackungen sollten am Hang das Wasser ablaufen lassen. Danach erhielt der Auslauf ein Maschendrahtgeflecht, auf dem Grasmatten gelegt wurden, die der Landwirt Andreas Hartmann zur Verfügung stellte. Obwohl die Mitglieder des SkiClubs rund 5000 freiwillige Arbeitsstunden leisteten, betrugen die Kosten der Anlage insgesamt um die 35.000 DM. Im Februar 1973, nach zweijähriger Reparaturzeit, konnte der SkiClub-Kempten trotz Schneemangels ein Pokalspringen ausrichten, bei dem der Allgäuer Sprungmeister Willi Schuster vom SC Kleinwalsertal den Schanzenrekord mit 44,5 Metern aufstellte. In den folgenden Jahren gab es zahlreiche Sprungveranstaltungen und sogar ein Nachtspringen unter Flutlicht. 

Keinem Springer gelang es, den Schanzenrekord von Schuster zu überbieten. Erst im letzten Pokalspringen des Jahres 1987 stellte Georg Waldvogel aus dem Schwarzwald Schusters Rekord von 44,5 Metern ein. Ab Mitte der 1980er Jahre gestaltete sich das Präparieren der Schanze wegen der zunehmend milderen Winter zunehmend schwieriger und die Übungssprungtage verringerten sich auf fünf bis sechs Tage im Winter. In manchen Jahren mussten die Mitglieder den Schnee in Obstkisten vom ganzen Mariaberg zusammenkratzen, um ein Springen überhaupt zu ermöglichen. Nach 1990 konnten die Mitglieder des Ski-Clubs-Kempten die Schanze für ein gefahrloses Springen nicht mehr präparieren. Daher blieb dem Ski-Club Kempten nichts anderes übrig, als den Springbetrieb einzustellen. Nach dem Abbruch der Schanze im Jahr 2000, wurde das Kapitel Skispringen in Kempten beendet. Heute erinnert an diesem Hang beim Hartmannhof kaum mehr etwas an die Ära des Skispringens in Kempten.

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