Gelungenes Konzert

"Ode" an die Musiklehrerin

+
Der Moderator des Frühjahrskonzerts, Sebastian Maurus (links), und Gesangssolist Konstantin Obermayr (rechts) genießen zusammen mit ihrem Chorleiter Dominik Lidl den Applaus.

Kempten – Mit schmachtendem Blick stehen Konstantin Obermayr und Sebastian Maurus auf der Bühne des Kornhauses. Die Schüler des Hildegardis-Gymnasiums singen das Lied „Meine Deutschlehrerin“, einen Hit der Kölner Vokal-Band „Wise Guys“.

Doch in der letzten, umgedichteten Strophe ist nicht mehr die Deutschlehrerin das Objekt der Begierde, sondern die schwangere Musiklehrerin Katharina Jäkle.

Diese amüsante Szene erlebten die Zuhörer im nahezu überfüllten Kornhaus vor kurzem beim traditionellen Frühjahrskonzert des Hildegardis- Gymnasiums. Sebastian Maurus hielt das Mikrofon dicht am Mund und ahmte den Beat mit den Lippen nach, Konstantin Obermayr trat mit seiner schönen hellen Stimme als Gesangssolist bei „Meine Deutschlehrerin“ auf. Unter der Leitung von Dominik Lidl begleitete der große Chor der Schule die beiden „verliebten“ jungen Männer. Am Ende des Liedes fielen Obermayr und Maurus auf die Knie und „flehten“ in Richtung der beliebten Musiklehrerin Katharina Jäkle: „Bitte geh’ doch nicht weg“. Denn ihnen missfiel, dass die junge Lehrerin nun in die „Babypause“ gehen wird.

Die Gymnasiasten überhäuften Jäkle mit Lob. „Die guten Noten flogen bei Ihnen durchs Klassenzimmer“, hieß es. Die Schwangerschaft der Lehrerin wurde nochmals augenzwinkernd thematisiert, als der große Chor das afrikanische Gebärlied „Asaye“ sang. Das Einüben des Liedes, bei dem man singen und klatschen muss, war laut den Schülern „eine sehr schwere Geburt“. Dominik Lidl habe es geschafft, sie schließlich zu „Feinmotorikern“ zu formen, erzählte Sebastian Maurus. Das lang- wierige Proben hatte sich offensichtlich gelohnt. Mit bunten Kunststoffrohren verschiedener Länge, Rasseln und Bongos sangen und klatschten die Mädchen und Jungen das traditionelle Lied aus Benin, während sie zwei Schüler an der Bassgitarre und auf dem Klavier begleiteten.

Glanzpunkte gesetzt

Die insgesamt fünf Auftritte des großen Chores gehörten zu den Höhepunkten des zweieinhalbstündigen Frühjahrskonzerts. Einen weiteren musika- lischen Glanzpunkt setzte die Abiturientin Nathalie Kanbach, die mehrfach am Flügel ihr großes Talent bewies. Besonders anrührend war ihr Soloauftritt mit dem „Intermezzo Nummer 4“ von Johannes Brahms. Die junge blonde Frau erweckte damit eine romantische, abendliche Stimmung beim Publikum. Die Geigerin Vera Schreibmayer beeindruckte als Solistin mit dem dritten Satz aus Anatoli Komarovskis Konzert Nummer zwei in A-Dur. Auch als Mitglied eines Trios zusammen mit Leonie Scholdra (Cello) und ihrer Lehrerin Katharina Jäkle (Flügel) bewies Vera Schreibmayer beim lebendigen „Divertimento“ von Sheila Mary Nelson Souveränität und Sicherheit.

Eva-Maria Wintergerst (Sopran) und Martin Kott (Bariton) sangen zusammen die Ballade „Use Somebody“ der US-amerikanischen Rockband Kings of Leon. Die Jugendlichen mit ihren sanften, schönen Stimmen ernteten für ihre Darbietung viel Applaus – ebenso wie Andreas Hollerbach, der das Gesangsduett auf dem Klavier begleitete. Hollerbach trat während des Abends mehrere Male als Pianist auf. Sein charmantes und spritziges Spiel zeugte von Jugendlichkeit und Sicherheit in der Intonation. Im Pinguinkostüm begleitete Andreas Hollerbach den Unterstufenchor, der unter anderem das mündlich überlieferte Lied „Early in the morning“ sang.

Großes Lob gebührt zudem dem fünfköpfigen Bläserensemble, das Manfred Briechle leitete. Das Ensemble bestand aus einer Trompete, einem Flügelhorn, einem Waldhorn, einer Posaune und einer Tuba, die allesamt den Beatles-Hit „Lady Madonna“ mit sauberem Ansatz und Schwung interpretierten. Die Bigband unter der Leitung von Hans Fehre spielte unter anderem das Thema der James-Bond-Filme, wobei bis auf die Streicher alle Instrumentalgruppen vertreten waren. Die Saxophonisten Johanna Müller, Constantin Uecker und Astrid Wolf meisterten souverän ihre Soloparts.

Anerkennung zollte das Publikum auch dem Unterstufenorchester und dem Oberstufen- orchester unter der Leitung von Katharina Jäkle. Besonders die Holzbläser des Oberstufenorchesters bewiesen großes Können, während bei den Geigen und Bratschen kleinere Unsicherheiten in der Intonation zu hören waren. Das Frühjahrskonzert von Kemptens größtem Gymnasium mit derzeit rund 1040 Schülern bewies, dass Schüler und Lehrer durchaus gut miteinander harmonieren können.

Franziska Kampfrath

Meistgelesen

Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren
Grünes Zentrum in Kempten
Grünes Zentrum in Kempten

Kommentare