Frühjahrskonzert im Stadttheater

"WegWEISEN" - Der Orchesterverein spielt zwischen Volksmusik und Symphonie

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Gitarrist Stefan Grasse.

Kempten – Russische und schottische Volksmusik bilden die Orientierungspunkte für das Frühlingskonzert „WegWEISEN“ des Orchestervereins Kempten unter Leitung von Mary Ellen Kitchens  am Samstag, 6. April, um 20 Uhr, im Stadttheater Kempten.

Mit Werken von Anatoli Ljadow, Felix Mendelssohn Bartholdy und Vivienne Olive stehen eine Rarität, ein Klassiker sowie eine Uraufführung auf dem abwechslungsreichen Programm des Abends, bei dem der Gitarrist Stefan Grasse als Solist gastiert und auch die Komponistin anwesend ist. Zu einem „Ceilidh“, einem schottischen Tanzabend, lädt Vivienne Olive ein, deren gleichnamiges Konzert für Gitarre und Orchester seine Uraufführung durch den OVK, Mary Ellen Kitchens und Stefan Grasse erlebt. Die traditionellen, schottischen Tanzarten, welchen die Komponistin je einen der sechs Sätze widmet, verbinden eine formbildende, modale Tonsprache mit Anklängen an Dudelsack-Bässe und typisch schottische Trommelfiguren.

Für diese spannende Mischung aus virtuosem Konzert und feurigem Volksmusikduktus ist der in vielen musikalischen Kulturen beheimatete Gitarrist Stefan Grasse geradezu prädestiniert. Mit unnachahmlicher Sicherheit und Originalität bewegt er sich zwischen den Stilen von Tango Nuevo, Bossa Nova und Flamenco über Bachs Lautenwerk bis hin zu zeitgenössischen Klängen. Diese Vielseitigkeit hat ihm zahlreiches Kritikerlob eingetragen und „Ceilidh“ gehört mit in die Reihe der zahlreichen Werke, die Stefan Grasse zur Uraufführung bringt. Auch Anatoli Ljadow, ließ sich für seine „Russischen Volkslieder“ von heimatlichen Klängen inspirieren und hüllt diese in das farbenreiche Kleid eines Symphonieorchesters. In der Nachfolge der Komponistengruppe des „Mächtigen Häufleins“, das westliche Kompositionstraditionen weitgehend ablehnte, sondern vielmehr aus der eigenen Volksmusik heraus Kunstmusik schaffen wollte, schuf Ljadow hier mit melancholischen Linien und mitreißenden Tänzen ein abwechslungsreiches, spätromantisches Abbild Russlands. 

Dass er heute nicht zu den bekanntesten russischen Komponisten zählt, darf er sich vermutlich selbst auf die Fahnen schreiben, denn eigentlich besaß er das Rüstzeug für eine große Karriere. Nur seine legendäre Faulheit stand ihm im Weg. Mangelnder Fleiß kann Felix Mendelssohn-Bartholdy bei all seinen Verdiensten sicherlich nicht vorgeworfen werden. Seine „Schottische“ Symphonie, die er allerdings selbst nie so bezeichnete, orientiert sich zwar weniger an Volksmelodien, sondern vermutlich mehr an den Eindrücken seiner Schottlandreise, auf der er das Werk 1829 begann. Doch scheinen Wind und Regenwetter, Anklänge an den unvermeidlichen Dudelsack und nicht zuletzt die wechselvolle Geschichte Schottlands wegweisend für dieses Opus gewesen zu sein. Belegen lassen sich die Einflüsse aber nicht, denn ein konkretes Programm hat Mendelssohn nicht zugrunde gelegt. So bleibt an dieser Stelle vieles der Fantasie und dem Mythos überlassen. Dabei hat diese Reise sicherlich auf die Symphonie eingewirkt, wie Lied-Weisen, die auf einem Weg begegnen, die zufliegen und wieder verfliegen, und doch immer Spuren hinterlassen. Karten gibt es an der Abendkasse ab 19 Uhr. 

kb

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