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Für einige Ukrainerinnen und Ukrainer ist es bereits die zweite Flucht

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Von: Susanne Lüderitz

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David Grigorian (l.)und Artur Mesropyan sind mit ihren Familien aus der Ukraine geflohen. Derzeit wohnen sie in der Notunterkunft in der Dreifachsporthalle am Berufsschulzentrum.  März 2022
David Grigorian (l.) und Artur Mesropyan sind mit ihren Familien aus der Ukraine geflohen. Derzeit wohnen sie in der Notunterkunft in der Dreifachsporthalle am Berufsschulzentrum. Auch in anschließenden Wohngelegenheiten möchten die beiden Familien zusammenbleiben. © Lüderitz

Kempten – „Als die Raketen dröhnten und die ersten Bomben fielen, haben wir das Land verlassen“, sagt Artur Mesropyan.

Mesropyan ist mit seinen Kindern, seiner Frau und der Familie ihres Bruders aus der Ukraine nach Kempten geflohen. Derzeit wohnen sie in der Notunterkunft in der Dreifachsporthalle am Berufsschulzentrum. 

Fünf Tage habe die Fahrt im Auto gedauert. „Auf dem Wagen hatten wir einen Aufkleber mit der Aufschrift ‚Kinder an Bord’, damit wir nicht beschossen werden.“ Das Haus, in dem sie wohnten, ist nun zerstört. Das Nachbarhaus liegt komplett in Schutt und Asche. Einige Nachbarn sind bei dem Angriff gestorben.

Die beiden Familien sind bereits zum zweiten Mal auf der Flucht. Ursprünglich stammen sie aus Donezk. Als 2014 die pro-russischen Demonstranten und die Unterstützer der ukrainischen Übergangsregierung die Stadt umkämpften, brachten sie sich in Kramatorsk in Sicherheit. Die Stadt liegt etwa 100 Kilometer nördlich von Donezk. „Damals war das Ziel, innerhalb der Ukraine zu bleiben. Diesmal war das nicht möglich“, erzählen sie, „das ist viel zu gefährlich.“

Nun leben die Familien seit fünf Tagen in der Notunterkunft in der Dreifachsporthalle des Berufsschulzentrums. „Wir sind sehr beeindruckt, wie herzlich und organisiert die Deutschen sind“, sagt Mesropyan, der als Polizist gearbeitet hat. Er würde gerne bleiben, weil Deutschland „ein Land der Regeln“ sei, das gefalle ihm. Die beiden Frauen möchten wieder in die Heimat zurückkehren.

Trotz der schlimmen Erfahrungen haben die vier Frauen und Männer ihren Humor nicht verloren. Sie lachen viel und nennen die deutschen Begriffe, die sie bereits gelernt haben: „schnell“, „danke“, „guten Tag!“. „Wir sind stark für die Kinder. Es geht um ihre Zukunft“, sagen sie. Die traurigen Nachrichten aus der Ukraine schauen sie trotzdem täglich.

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