Weltklassemusiker in Kempten

Musik vom Feinsten

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Eine Woche lang begeistern zahlreiche hervorragende Musiker im Rahmen des Kammermusikfestivals "Fürstensaal Classix" die Zuhörer.

Kempten – „Die Arbeit mit Weltklassemusikern, wie ich sie hier zahlreichst vorfinde, ist etwas vom Besten und Größten, was mir als zeitgenössischem Komponisten widerfahren kann.“ – Diesen Satz muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Der, dem es hier so gut geht, ist der österreichische Komponist Richard Dünser. Und die erwähnten „Weltklassemusiker“ sind die 26 Instrumentalisten aus aller Herren Länder, die wie jedes Jahr Ende September in Kempten zusammenkamen, um die "Fürstensaal Classix" zu bestreiten – das Internationale Kammermusikfestival im Kemptener Theater.

Unter dem Wortspieltitel „tonal, atonal, total egal“ handelte das Festival dieses Jahr vom „Brennpunkt Wien 1900 – Der Aufbruch und die Folgen“. Wien war um 1900 ein kultureller Hochdruckkessel, in dem es musikalisch wild durcheinanderging. Dabei waren die Fronten zwischen tonaler und atonaler Musik vielleicht nicht ganz egal, aber doch ziemlich durchlässig. Einige modernste Komponisten dieser Zeit hatten zuvor durchaus traditionell komponiert, andere dagegen ignorierten komplett den Gang des Zeitgeistes und blieben bei ihren alten Stiefeln, wieder andere mischten oder trieben eigene Experimente.

Wie jedes Jahr leistete sich das Festival auch diesmal einen Composer in Residence, eben Richard Dünser, der insoweit gut zum Thema passte, als er sein Studium in Wien absolviert hatte. Seitdem gewann er eine Reihe Kompositionspreise und ist nun Professor in Graz. Von seinen Werken hatte er für Classix einige mitgebracht, darunter immerhin eine kleine Uraufführung für Horn solo und zwei deutsche Erstaufführungen größeren Formats.

Das Publikum konnte mit seiner Musik viel anfangen, und das zu Recht. Zum Beispiel sein Stück „The Garden of Desires“ für Violoncello und Klavier: Sehr oft liegen Dünsers Werken Bilder oder Gedichte zugrunde; hier ist es das Gemälde „Der Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch. Diese beeindruckende Vorlage wirkt nicht atmosphärisch in das Stück, sondern auch formal über den Goldenen Schnitt und überdies in netten Details wie Cellotrillern über einem Klaviergekräusel, die sich auf Wolken und Vögel im Bild beziehen. Das ist gute Musik mit klaren Gesten, sehr wirksam und recht schwer zu spielen.

Aus mehrerlei Gründen eine besondere Angelegenheit war das Eröffnungskonzert, das dieses Jahr mit der Kemptener Kunstnacht zusammenfiel. Für diesen Anlass wurde erstens das übliche 20-Uhr-Eröffnungskonzert um einen zweiten Block bis kurz vor Mitternacht verlängert – eine echte Konditionsleistung der Musiker –, und zweitens Oliver Karbus als Rezitator engagiert, der profund Gedichte von Artmann und Achleitner las. Drittens war das Wiener Thema laufpublikumsfreundlich in die Zeit vor 1900 ausgeweitet worden, mit Stücken von Schubert, Brahms, Strauß und Lanner. Als besonderer Publikumsliebling erwies sich allerdings eines der modernsten Werke: „Mit FaGottes Hilfe“, das Werner Preisegott Pirchner 1989 kurz vor seinem Tod schrieb – eine Mischung rasanter Fagott-Virtuosität, moderner Spieltechniken, Performance-Elementen mit einem rauchenden Fagottschlot und einem summenden Publikum.

Fazit: Wieder einmal ist Dr. Franz Tröger und Oliver Triendl, den beiden Betreibern des Festivals, etwas gelungen, was einzigartig ist: beste Musiker für eine Woche voller Proben und Konzerte zusammenzutrommeln, ein intelligentes Thema auszuwählen und dafür als Trüffelschweine unbekannte und trotzdem gute Musik zusammenzusuchen. Hoffentlich auf ein Neues!

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