Südosteuropas unbekannte Kammermusik

Schier unerschöpfliche Fundgrube

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Erzählen von abenteuerlichen Recherchen für das 9. Kammermusikfestival „Fürstensaal Classix” unter dem Motto „Fundstücke – Unbekanntes Südosteuropa”: Festivalorganisator Dr. Franz Tröger (li) und der Künstlerische Leiter und Pianist Oliver Triendl.

Kempten – Eine hochspannende Entdeckungsreise versprechen die beiden Köpfe des Internationalen Kammermusikfestivals „Fürstensaal Classix“ für die heuer neunte Ausgabe unter dem Motto „Fundstücke – Unbekanntes Südosteuropa“ vom 21. bis 28. September im Theater in Kempten (TIK). 

Keine leichte Aufgabe, die sich der künstlerische Leiter Oliver Triendl und Festivalorganisator Dr. Franz Tröger damit gestellt haben: nämlich die, das Gebiet von Griechenland bis in die Türkei kammermusikalisch zu durchforsten. 

Während er „da so reinwuchs“, bekannte Triendl im Rahmen der von TIK-Chefin Nikola Stadelmann moderierten Programmvorstellung sichtlich begeistert, sei ihm „mehr und mehr bewusst geworden, dass wir hier in Westeuropa gar keine Ahnung haben, was es da für Schätze gibt“, die er unbedingt nach Kempten bringen wollte. 

Dass das Programm nun steht ist der Hartnäckigkeit vor allem Triendls zu verdanken, auch wenn beide „Festivalmacher“ von einer wahren Odyssee zu erzählen wissen, um an das benötigte Material zu gelangen. „Man kommt nicht an Noten”, es gebe keine CDs und empfohlene Links im Internet „funktionieren nicht“, wunderte Triendl sich nicht, dass die für die neunte Ausgabe von „Fürstensaal Classix“ zusammengestellten Werke wie auch Komponisten „unabhängig von der fehlenden Vermarktungsstruktur“ in den Ländern, wohl kaum jemandem bekannt sein dürften. Von allerlei gerichtlichen Dokumenten als Nachweis für den veranstaltenden Verein „Freundeskreis Fürstensaalkonzerte“, der nun sogar eine Steuernummer in Kroatien habe, um an Manuskripte zur Ansicht zu kommen, berichtete Tröger. Um die dieses Jahr 20 handverlesenen, hochkarätigen Musiker aus ganz Europa und Israel für die arbeitsintensive Festivalwoche gewinnen zu können, „musste ich ja schließlich wissen, was für Stücke sie spielen sollen“, nannte Triendl als weitere Hürde „Zeit“. Denn meist habe es lang gedauert, bis er wenigstens eine Antwort bekommen habe, dass man „mal nachschauen“ werde; zum Beispiel dann wenn er nur wissen wollte, ob es Streichsextette gebe. 

Das Besondere 

Vereinsmitglied und Festivalförderer der ersten Stunde, Heinrich Baur, brachte es beschwichtigend auf den Punkt: „Das ist doch auch das Besondere dieses Festivals“, dass praktisch Unmögliches möglich gemacht werde und ein Programm entstehe, das auch interessant und überraschend für die vielbeschäftigten Musiker sei. 

Nicht nur ethisch, auch musikalisch ebenso uneinheitlich wie vielseitig präsentiert sich die Kammermusik aus Kroatien, Serbien, Slowenien, Albanien, Griechenland, der Türkei, Rumänien und Bulgarien. Geläufige Komponistennamen sucht man – außer vielleicht George Enescu oder Iannis Xenakis – ziemlich vergeblich. Pancho Vladigerov, Primož Ramovš, Boris Papandopulo oder Petru Iuga sind nur einige Vertreter, deren Raritäten die Musiker in täglich öffentlichen Proben erarbeiten und in sechs Konzerten spielen sollen. 

Als Composer-in-Residence wird heuer der 1945 in Belgrad geborene serbische Komponist Milan Mihajlović die Proben seiner Stücke während der Festivalwoche in Kempten begleiten. Das Komponistenportrait wird diesmal Burkhard Schmilgun, Produzent des Klassik-Labels cpo führen, von dem Triendl bei seiner Suche nach „Fundstücken“ und Ansprechpartnern immer wieder Tipps bekommen habe. 

Infos zum Programm und den Mitwirkenden gibt es ab sofort unter www.fuerstensaalclassix.de. Karten sind ab 3. Juli beim Kreisboten erhältlich. Christine Tröger

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