Das Amt bleibt in der Familie 

Dr. Claudia Strößner wird Nachfolgerin ihres Ehemanns an der Spitze des Kemptener Polizeipräsidiums

Werner Strößner geht nach sechs Jahren als Polizeipräsident des Präsidiums Schwaben Süd/West in den Ruhestand. Im folgt seine Ehefrau Dr. Claudia Strößner. Sie ist erst die zweite Polizeipräsidentin in der Geschichte der Bayerischen Polizei.
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Sie dürfen so nahe beieinander stehen: Werner Strößner geht nach sechs Jahren im Amt des Polizeipräsidenten in den Ruhestand. Seine Ehefrau, Dr. Claudia Strößner, führt von nun an diese Arbeit fort.

Füssen/Kempten/Allgäu – Eigentlich sollte die Verabschiedung von Polizeipräsident Werner Strößner und die Amtseinführung seiner Ehefrau Dr. Claudia Strößner im feierlichen Rahmen gebührend gefeiert werden.

In Anbetracht der wieder aufflackernden Corona-Krise entschieden sich das Kemptener Polizeipräsidium und das Münchner Innenministerium jedoch dazu, die Feier nur im kleinen Rahmen stattfinden zu lassen. So kamen neben Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nur wenige Kollegen am Donnerstagnachmittag ins Füssener Festspielhaus.

„Trapattoni würde sagen: ‚Habe fertig!‘“, schmunzelte der scheidende Leiter des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in Kempten, Werner Strößner. Das Amt bleibt aber in der Familie: Strößners Nachfolgerin wird seine Ehefrau. Dr. Claudia Strößner ist damit erst die zweite Frau in der Bayerischen Polizei, die eine solches Spitzenposition besetzt.

Dass Minister Herrmann trotz des abgesagten Festakts gekommen sei, sei eine große Ehre und Zeichen der Wertschätzung, freute sich Strößner. Ein schönes Finale zum Abschluss seiner Laufbahn im Festspielhaus Neuschwanstein sei ihm versprochen worden. Denn „manche Dinge passieren nur einmal im Leben und der Ruhestand gehört dazu“. In über 45 Jahren bei der Polizei habe er viel erlebt, blickte er zurück. Als er 1975 seinen Dienst begonnen habe, „war es eine andere Polizei, als sie es heute ist. Die Menschen verändern sich, die Polizei verändert sich. Heute ist sie nicht mehr grün, sondern blau“, scherzte der scheidende Präsident.

Menschliche Art

Der in Pfronten-Ried geborene Strößner begann seine Karriere im mittleren Dienst. Nach der bestandenen Prüfung zum gehobenen Polizeivollzugsdienst war er neun Jahre lang Dienstgruppenleiter bei der Verkehrspolizei Augsburg. „Ich weiß heute noch, wie es ist, wenn man nachts um 2 Uhr ausrücken und zu einem Verkehrsunfall mit Toten fahren muss“, habe er viele Eindrücke mitnehmen können. Vielleicht sei das ein Grund dafür, weshalb er sich bis heute „in die Kollegen einfühlen kann“.

Eine Eigenschaft, die nicht nur Innenminister Herrmann lobend erwähnte: „Herr Strößner wurde von seinen Mitarbeitern stets für seine menschliche, einfühlsame und mitfühlende Art hoch geschätzt.“ Deutlicher wurde seine Frau, die Strößners „Loyalität, Anteilnahme und das Engagement für den Dienst und seine Kollegen“ miterlebte. Was sie übrigens bereits „beim ersten Kennenlernen beeindruckt“ habe.

Strößner nahm vom Polizeianwärter über den Polizeimeister und Kommissar weitere Karrierestufen, wurde Kriminalrat und -oberrat, Polizeidirektor, Vize und schließlich Präsident des Präsidiums Schwaben Süd/West. „Es war erlebnisreich, spannend, traurig. Es war anstrengend und es war eine schöne Zeit“, verabschiedete er sich mit Stolz auf seine Mitarbeiter und „voller Dankbarkeit für ihren Einsatz 24/7“. Er freue sich auf die Zukunft, denn „nach 45 Jahren im Dienst ist auch mal gut. Es ist Zeit, Schluss zu machen.“ Von nun an werde er „Hausmann und der stolze Gatte an der Seite einer Frau, die sich für dieses Amt qualifiziert hat“.

Messbarer Erfolg

Werner Strößners Leistung, sagte Minister Herrmann in seiner Ansprache, sei eine sehr erfolgreiche Mannschaft. Die Zahlen würden eine klare Sprache sprechen: Während der sechs Jahre unter Strößners sei die Kriminalität im Einsatzbereich des Präsidiums deutlich zurückgegangen und unter den bayerischen Durchschnitt gesunken. Die Aufklärungsquote sei im gleichen Zeitraum von 64,4 auf 69,7 Prozent gestiegen und liege somit über dem Mittelwert des Freistaats.

Lob von Herrmann

„Die Herausforderungen werden nicht kleiner“, sagte der Minister. Doch die Nachfolgerin sei nicht nur hochqualifiziert, da sie über juristisches Fachwissen verfüge. Sie habe darüber hinaus auch Führungserfahrung und soziale Kompetenz. Deshalb habe sich die Entscheidung, Dr. Claudia Strößner als Polizeipräsidentin vorzuschlagen, „angeboten, ja geradezu aufgedrängt“. Und das, obwohl sie sich 2015 entschieden habe, in den „Familienurlaub“ zu gehen, um sich ihren beiden Kindern zu widmen. Davor war sie 2014 zur Vizepräsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz ernannt worden.

„Es war uns wichtig, als Familie hier bleiben zu können“, sagte Dr. Claudia Strößner. Dass sie als Frau und Mutter dieses Amt erhalten habe, sich ihre Entscheidung nicht zum Nachteil für ihren beruflichen Werdegang ausgewirkt habe, freue sie. „Aber es hat sich bei mir sehr vieles gut ergeben.“ Ihr Wunsch sei es dennoch, dass eine solche Konstellation keine Ausnahme bleibt. Sie wisse am besten, lachte Strößner, in welch große Fußstapfen sie trete.

Auch der Minister bekräftigte, dass Frauenförderung nicht heißen solle, dass Spitzenpositionen nur von Single-Frauen wahrgenommen werden können. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelte es zu stärken. Eine Rückkehr Strößners sei gewünscht gewesen und deshalb auch ermöglicht worden.

Selma Höfer

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