Funken erloschen, das Häs eingepackt

Nach altem Brauch züngelten am Samstag und Sonntag wieder die Funkenfeuer in den Nachthimmel

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Isny – Die Funkenfeuer sind erloschen und das „Häs“ wird eingepackt. In den Stadtverwaltungen herrscht wieder „Normalbetrieb“ und die Stadtreinigung hat die Reste von Konfetti und leeren Flaschen auch wieder beseitigt. Im Prinzip ist die Rathausbesetzung im Fasching ja nur eine scheinbare Übernahme der Macht in einer Gemeinde, aber was wäre, wenn das mal ernstgenommen würde, wenn dann der Zunftmeister echte Erlasse herausgibt? Zum Beispiel freies Parken in den „Tollen Tagen?“

Rein theoretisch könnte man einmal eine Liste von Freiheiten zusammenstellen, die dann per Anschlag am Rathaus und Verlesung beim Rathaussturm in Kraft treten könnten. Ach, was sind denn das für Ideen? Da müsste man ja was tun! Und solange es die Narren bei ein wenig Rumgezupfe am Bürgermeister und reichlich Getöse der Fasnetkapellen belassen, wäre das durchaus im Rahmen braven Bürgertums. Nein, da zünden wir lieber einen „Funken“ an und bleiben weiter gut berechenbar. Gut, dass mit dem Feuer am Funkensonntag solche Fasnets-Ideen auch wieder mit den Funken davonfliegen. 

Das Feuer in Isny hat die Jugendfeuerwehr gut gerichtet und sich wieder einmal Mühe gegeben, den Holzhaufen richtig aufzubauen, Traditionell loderten am Wochenende vielerorts die weithin sichtbaren Funkenfeuer, auch wenn heuer einige ins Wasser gefallen waren. Der alte Brauch gibt vor, dass am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch das Feuer entzündet wird. Warum? Darüber scheiden sich die Geister. Einige glauben, mit dem Feuer werde der Winter ausgetrieben, andere denken, dass die Faschingszeit nun endgültig vorbei sei. 

Damit der Funken gut brennt, werden im Vorfeld Holzpaletten, Christbäume, anderes Holz und Grünschnitt im Dorf gesammelt und hoch aufgestapelt. Balken, zum Turm geschichtet, geben Stabilität. In die Mitte des Funken steckt ein langer Stab, an dem die „Funkenhexe“ befestigt und angezündet wird. Das soll Unheil abwenden. Knickt der brennende Stab, bricht bei den zahlreichen Schaulustigen Jubel aus. Traditionell lassen sich die Gäste die sogenannten „Funken-Kiachle“ (Küchle) schmecken, ein leckeres Schmalzgebäck. In manchen Gegenden werden auch die Bürger verspottet, denen im vergangenen Jahr etwas Peinliches oder Bemerkenswertes passiert ist. Für jeden einzelnen von ihnen wird dann eine kleine Holzscheibe ins Feuer geschleudert. Unser Bild zeigt das mächtige Funkenfeuer in Isny mit den akkurat aufgestapelten Hölzern. Andernorts wird einfach Grünschnitt auf einen Haufen geworfen.

kb/Manfred Schubert

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