Auch die zweite Hälfte der Schultheatertage kann voll überzeugen

Gelungener Abschluss

+
Apocalypse Now: In immer wieder auch optisch eindrucksvollen Szenen bringt die Theatergruppe des Gymnasiums Füssen das Thema Weltuntergang auf die Bühne.

Kempten – Zufrieden können die Organisatoren der dritten Schultheatertage wohl sein. Neun von insgesamt 23 Vorstellungen waren ausverkauft, zog Projektleiterin Tabea Karsch vom TIK ein erstes Fazit, nachdem der letzte Vorhang am Freitagabend gefallen war.

Mit einem sehenswerten und nachdenklich stimmenden Stück setzte das Mittelstufentheater des Hildegardis Gymnasiums den diesjährigen Schlusspunkt. „Ein Augenblick vor dem Sterben“ erinnerte in seiner Machart ein bisschen an den Film „Lola rennt“. In sechs Szenen sterben die Protagonisten – alle in sehr unterschiedlichen Lebensumständen – durch Rücksichtslosigkeit und Egoismus von teilweise nahestehenden Mitmenschen. Nach der Pause erhielten sie sozusagen eine „neue Chance“: Kleine Änderungen im Verhalten der Akteure – große Wirkung im Ergebnis. 

 Zeigte bereits die erste Halbzeit der Schultheatertage (der Kreisbote berichtete) ein insgesamt durchaus hohes Niveau der (Laien-)Schauspielkunst, standen die beiden letzten Tage dem nicht nach. Ein herausragendes Theatererlebnis war dabei sicherlich das Stück „Papierküsse“, in dem mit unspektakulären, aber dennoch tief berührenden Mitteln und mit viel Fingerspitzengefühl die Briefe eines jüdischen Vaters aus der Haft 1942/43 an seine sieben- und elfjährigen Kinder in Szene gesetzt wurden. Ein Glanzstück der Wirtschaftsschule Merkur Immenstadt und Schülern des Széchenyi Gymnasiums von Kemptens ungarischer Partnerstadt Sopron sowie Lajos Fischer (Leitung) und der Theaterpädagogin Johanna Hartmann. Fischer war auf die in Buchform veröffentlichten Briefe gestoßen und hatte festgestellt, dass der Briefschreiber Pali Meller, ein in Berlin inhaftierter jüdischer Architekt, ein Soproner gewesen war. Es ist eine bewegende und zugleich erstaunlich hoffnungsvolle schriftliche Hinterlassenschaft des am 31. März 1943 „im modernsten und gnadenlosesten Zuchthaus Europas“ verstorbenen Feingeists und vor allem eines: eine große Liebeserklärungen an seine Kinder. Eine Reihe von in schwarz gekleideten Vorlesern an der Bühnenrückwand trugen sie im Wechsel vor, meist in deutscher Sprache, mit wenigen ungarischen oder hebräischen Passagen. Darüber Bilder der Protagonisten, von relevanten Orten und Ereignissen. Dazu Musik und Tanz als Elemente des Geschriebenen. Leider nutzten nur wenige Zuschauer die Gelegenheit, am Gespräch mit dem aus dem Elsass gekommenen Enkel von Pali Meller teilzunehmen. 

 Ein Novum war die Kooperation der Kompetenzagentur und der Agentur für Arbeit für das Stück „Gegenpole“, in dem acht Darstellerinnen Elemente aus ihren Lebenswelten zeigten und dabei auch den Finger auf Schubladendenken und gängige Vorurteile richteten. Temporeich beschäftigte sich die Unter- und Mittelstufe des Gymnasiums Füssen in „Apocalypse – Now!“ mit dem Weltuntergang – der zumindest dort auch stattfand. Bei der Versteigerung der zehn Objekte des Interaktiven Kunstprojektes von Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik der Christlichen Jugendhilfe während des Festivals ließ am Ende „Mr. Klingelmann“ die Konkurrenz weit hinter sich.

Christine Tröger

Meistgelesen

Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Neuer Ort des Miteinanders
Neuer Ort des Miteinanders
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten

Kommentare