Ganz ohne Hilfsmittel

Ob sie Hilfsmittel verwende für die langen, akkurat gezogenen Striche in ihren Federzeichnungen, ist Karin Scheithe-Kühnbach von einer Besucherin ihrer Ausstellungseröffnung im Haus der Senioren vergangene Woche gefragt worden. Denn dass bei ihr „alles Freihand“ entsteht, ist bei aller Akkuratesse der Bilder allein in der Weichheit des Federstrichs erkennbar.

Mit handwerklichem Können und wohl auch viel Geduld setzt die Künstlerin in Szene, was sie beobachtet. Die „künstlerische Entwicklung vom detaillierten Abbild zu einer expressionistischen Darstellung der Gedanken- und Gefühlswelt“ in den neueren Arbeiten, wie Lothar Köster, Seniorenbeauftragter der Stadt, in seiner Eröffnungsrede bemerkte, ist in dem gezeigten Querschnitt aus Scheithe-Kühnbachs Schaffen seit 1972 bis heute erkennbar. Bestechen die einen Werke durch präzise Einzelheiten der wiedergegebenen Szenen, formen bei anderen Federzeichnungen filigrane, manchmal nur hauchdünn angedeutete Linien, nicht fassbare Motive. Spürt man bei „Bäume“ geradezu eine sanfte Brise durch die detailgetreuen Blätter streifen, sind es bei „C’est la vie“ die symbolhaften Andeutungen auf die Leichtigkeit des Lebens, verbunden mit seinen dicht verworrenen Pfaden, die zu fesseln vermögen. „Federzeichnungen und mehr“ lautet der Ausstellungstitel für 34 Arbeiten der Künstlerin, die ihre Ausbildung für freie und angewandte Kunst bei Professor Blocher in München erhielt. Das „Mehr“ sind neben 27 Federzeichnungen zwei Acryl-Bilder und fünf Aquarelle. In tiefem Acrylblau leuchtet in „Angelos“ eine abweisend und zugleich faszinierende Berglandschaft, deren kräftige Farben allein schon Blickfang sind. Im Kontrast dazu steht das zweite Acrylbild „Wüste“, in dem sich das interessante Linienspiel der Sanddünen und die Farbnuancen der sich im Licht spiegelnden Sandkörner finden. In den gezeigten Aquarellen dominieren Allgäuer Landschaften. Sie erfassen „die farbliche Stimmigkeit, die Silhouetten, die landschaftlichen, örtlichen und baulichen Fein- und Einzelheiten“, wie Köster die Werke beschrieb. Vertraute Perspektiven Ein sicher vielen vertrautes Bild richtet den Blick im „Winter“ von Probstried aus in Richtung Grünten. Idyllisch ragen Dietmannsrieder Dächer im „Frühling“ hervor, eingebettet in grüne Wiesen. Hinter der vordergründigen Idylle in Scheithe-Kühnbachs Bildern steht allerdings mehr, was Köster als „Gefühl für Veränderungen, Verschiebungen, Bedrohungen“ beschrieb. Über 100 Menschen konnte Karlheinz Frick, der Köster erst vor kurzem als Leiter des Seniorenhauses abgelöst hatte, zur Eröffnung von „Federzeichnungen und mehr“ begrüßen, die musikalisch mit Catherina Haslbauer am Klavier und Amelie Haslbauer an der Harfe untermalt wurde. Besichtigt werden können die Werke noch bis zum 13. Mai im Haus der Senioren in der Schützenstraße 2, und zwar zu den hausüblichen Öffnungszeiten.

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft
Humanitäre Ziele statt Weltherrschaft
Der älteste Kemptener feiert 105. Geburtstag
Der älteste Kemptener feiert 105. Geburtstag

Kommentare