Der ganze Landkreis diskutiert

Bürgermeister Rainer Magenreuter setzt sich in seinem Statement im Kreistag für Isny ein. Foto: Schubert

Keinen im Landkreis Ravensburg lässt das Thema OSK-Kliniken ganz unberührt, auch wenn die Wertigkeiten sich auch deutlich unterscheiden. Während im Schussental die medizinische Welt scheinbar noch in Ordnung ist, haben das Oberland und besonders das Allgäu schon vor dem Beschluss über die Zukunft der OSK und eventuellen Schließungen kalte Füße. An das Thema wird sich immer dichter heran getastet. Der Landrat fährt da einen eigenen Weg, der im Prinzip nicht überschaubar ist.

Nur eines war von vornherein klar, als die Kreisräte vergangenen Donnerstag in der Mehrzweckhalle in Schlier auf ihre Plätze rückten: Kurz wird die Sitzung mit Sicherheit nicht. Der Förderverein zum Erhalt des Isnyer Krankenhauses hatte seine Mitglieder aufgerufen, sich an der Busfahrt zum Sitzungsort Schlier zu beteiligen. Für einen Wochentag war es eine recht ansehnliche Menge, wenn auch bei den Haaren die Farben grau und weiß dominierten. Landrat Kurt Widmaier eröffnete die Sitzung, hielt sich kurz und ließ auch den Bürgermeister von Schlier, Reimund Hausmann, kurz zu Wort kommen, aber das war ja nicht das, worauf die Zuhörer und Kreisräte warteten. Erst danach kam die Zeit der erneuten Information, wobei sich für den informierten Teilnehmer die Dinge arg im Kreis drehten. Die Auswertung der Informationsveranstaltungen mit den Einwänden der Bürger lag zwar vor, die waren aber offensichtlich nicht in die Ausführungsmodelle mit eingeflossen. Besonders „Szenario III“ hat es doch einer größeren Zahl von Experten und Kreisräten angetan, wohl wissend was darin an Explosivem vergraben liegt. So zog sich die Sitzung über Stunden hin. Die Stühle waren offensichtlich auch nicht für so lange Veranstaltungen gedacht und auch der Landrat und das Führungsteam der OSK begannen hin und her zu rutschen. Auch das Thema Notarzt sprachen die Experten an. Obwohl es in den Unterlagen höchsten mit einem kleinen Rettungswagen gekennzeichnet war, wenn es um die Standorte ging, waren plötzlich erste Zeitberechnungen auf dem Tisch. Da hat man doch glatt schon mal probiert, was passiert, wenn der Notarzt bis zu seinem Einsatzort 30 statt 15 Minuten braucht! Das nähert sich zwar fast der Realität, ist aber ein wenig unter dem Bundesdurchschnitt. Dann ging es um Ärzte, Ärztemangel und Überstundenbelastung des Personals. Nicht erwähnt wurde allerdings, dass auch jetzt schon Fachpersonal nach Bedarf in den Häusern hin und her geschoben wird. Da kann eine Krankenschwester heute noch in Wangen sein, dafür ist sie morgen eventuell schon in Isny im Einsatz, fährt die notwendigen Strecken und findet sich zum Wochenenddienst zusammen mit anderen Leidensgenossinnen und -Genossen in Leutkirch ein. Springende Ärzte? Die Assistenzärzte, so wurde vorgeschlagen, könnten in einem ähnlichen Modell ihre Facharztvorbereitung mal hier und mal da absolvieren. In Deutschland gibt es bereits den bundesweiten Ärztemangel und dicht hinter der Grenze, in Österreich und in der Schweiz, verdient man außerdem noch besser. Wenn die Arbeitsbedingungen eher bescheiden sind, ist mit einem Ansturm junger Ärzte auch nicht zu rechnen. Das qualifizierte Pflegepersonal streckt die Fühler nach sicheren Arbeitsplätzen aus und das wird auch so bleiben. Nach der Pause kamen vermehrt bei den einzelnen Modellen auch die Kreisräte zu Wort: Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle plädierte für Leutkirch, Bürgermeister Rainer Magenreuter setzte sich so stark wie es die Sitzungsordnung vertrug für Isny ein, aber was nun am 9. November im Kreistag entschieden wird, steht in den Sternen. Mehr als sieben Stunden harrten die Besucher und die Kreisräte, die Landratsmitarbeiter und die Experten aus. Eine Lösung – rund und praktisch – kam dabei nicht heraus. Es wird sich vieles ändern und manchmal führt die bewusste Abwendung von alten Strukturen zu völlig neuen Erkenntnissen. Vielleicht schiebt man die Entscheidung auch noch ein wenig hinaus.

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