Gaudiwurm begeistert

Ein Geistertrio ist auf dem Kemptener Faschingsumzug ebenfalls vertreten. Fotos: flo

Sonne pur – und Temperaturen im deutlichen Plusbereich. Ein besseres Wetter hätte sich die Faschingsgilde Rottach ´97 für ihren großen Faschingsumzug durch Kempten am Samstag gar nicht aussuchen können. Und wer hat dieses Traumwetter beschert? Natürlich die Schalmeien Illertal aus Senden. „Wir haben für un-seren ersten Auftritt hier gleich die Sonne mitgebracht“, schmunzelte Babsi, die mit ihrer bunten Musikergruppe den Zug durch die Innenstadt anführte. Viele Tausende von Schaulustigen auf beiden Seiten des Gaudiwurms staunten und klatschten gleichermaßen.

Dem Unterelchinger Gardemädchen Désirée gefiel alles so gut, dass sie gegen Ende des Umzuges aus ihrem Herzen keine Mördergrube machte: „Wir haben in Kempten ein tolles Publikum, eine super Atmosphäre, viele schöne Männer und eine sehr gute Organisation“, strahlte die Amazone. Und fügte augenzwinkernd gleich hinzu: „Wir sind aber auch die schönste Garde weit und breit.“ Na, wer wollte bei den flotten Gardeaufmärschen schon etwas anderes behaupten? Flott, aber teils schon furchterregend waren mehrere Hexengruppen unterwegs. Da hatte die 13-jährige Patricia aus Kempten schon ein bisserl Angst, dass ihr die „Grusellarven“ zu nahe kommen könnten. Letztere taten das auch – aber bei Kindern nur zum Bonbon verteilen. Erwachsene hingegen traf schon gelegentlich der geballte Konfettiregen. Die wilden Weihergeister aus Weißensberg zogen einen Charme-Offensive vor: Sie schnappten sich Horst Bräuninger – und der Präsident der Faschingsgilde Rottach durfte die buntbeschuppten Gestalten ein Stück begleiten. Gleich dahinter schlugen Angehörige der Turn-gemeinschaft Allgäu elegante Purzelbäume, einige bewegten sich sogar im Handstand weiter. Konfettiregen Lieber auf ihrem Wagen tummelten sich die Hobbyfußballer der „Westside Soccers“ Kempten. Nicht nur die bunten Filzblumen zeugten davon, dass die Kicker mit ihren Frauen die Flower-Power-Bewegung wieder aufleben lassen wollten. Einen respektablen Umzugwagen dirigierten auch die Laubener Hexen durch die Stadt. Ständig ließen sie Konfetti und Bonbons auf das Narrenvolk herab regnen. Und von gelegentlichen „Schurkenstücken“ wie die Weihergeister, die den schwarzen Mantel einer jungen Dame von oben bis unten „einfederten“, waren die Laubener weit entfernt. Sie stürzten sich lieber in die „Abschlussparty“ am Rathausplatz – dort steppte der Bär: Spontan ergaben sich lange Polonaisen – und die DJ’s Charly und Oli auf der Bühne heizten mir ihren heißen Rhythmen nochmals so richtig ein. Irgendwann reichte es den Laubener Hexen. „Jetzt ist der Dorfwirt Peppo noch dran“, hieß es unisono. Den zahlreichen Zuschauern, die den Gaudiwurm beobachteten, waren sehr zufrieden. „Alles ist bestens gelaufen“, meinte der 60-jährige Helmut aus Kempten. Allerdings hätte man nach seiner Auffassung die Musikgruppen noch besser im Zug verteilen sollen. Die „starke Leistung“ der Rottachgilde, die den Kemptener Fasching aus dem Dornröschenschlaf geholt habe, betonte die 54-jährige Annette aus Dietmannsried. Tolle, sehr aufwändige Umzugswagen wie etwa in Dietmannsried oder Sulzberg seien freilich kaum zu sehen gewesen. Allerdings würden diese Dörfer wegen der gigantischen Vorbereitungen auch nur alle fünf bzw. zehn Jahre mit spektakulären Gaudiwürmern auftreten. Dagegen wog sich Markus von den Kemptener Johannitern in Zufriedenheit: Zumindest bis kurz vor Schluss mussten die helfenden Engel nur „ein paar Pfläschterle“ verteilen.

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